Alte Steine sind seine Leidenschaft

Dudeldorf · Architektur, die in die Landschaft passt: Diesem Thema hat sich Herbert Mayer aus Dudeldorf verschrieben. Früher war der Architekt bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier für diesen Bereich zuständig. Seit Juli dieses Jahres engagiert er sich als ehrenamtlich Beauftragter für Baukultur im Eifelkreis Bitburg-Prüm.

 Herbert Mayer vor dem ehemaligen Pfarrhaus in Dudeldorf, das nach seiner Ansicht regionaltypisch restauriert wurde. TV-Foto: Nora John

Herbert Mayer vor dem ehemaligen Pfarrhaus in Dudeldorf, das nach seiner Ansicht regionaltypisch restauriert wurde. TV-Foto: Nora John

Dudeldorf. Ein Haus mit großen bayerisch anmutenden Dachüberständen, rustikale Blockhäuser, verklinkerte Fassaden wie in Norddeutschland üblich, das alles sind Bauformen, die für Herbert Mayer nur wenig mit Eifeler Baukultur zu tun haben. Trotzdem sind auch solche Häuser in der Eifel zu finden. Damit das Regionaltypische aber nicht verloren geht, setzt sich Mayer mit großer Leidenschaft für die Eifeler Baukultur ein.
menschen ganz nah


Der Architekt, der sich derzeit in der Ruhephase der Altersteilzeit befindet, ist ehrenamtlich tätig und arbeitet eng mit der Kreisverwaltung und der Architektenkammer zusammen. Obwohl er als angestellter Architekt tätig war, hat er 16 Jahre lang als Vorsitzender der Kammer gearbeitet und war dabei für die Kreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und den Vulkaneifelkreis zuständig.
Mayer möchte Überzeugungsarbeit leisten. "Wir wollen nichts verbieten oder anprangern", sagt er. Es gehe vielmehr darum, das Bewusstsein zu entwickeln für eine regional passende Baukultur. Denn wer ein Haus baue, der gestalte damit nicht nur sein eigenes Umfeld, sondern auch das der anderen Menschen in der Umgebung. Deshalb wolle er Bewusstsein schaffen für Architektur. Ein Schritt in diese Richtung war auch die Preisverleihung für 20 Bauprojekte, bei denen diese Grundsätze berücksichtigt wurden.
Dabei geht es Mayer nicht nur um die Dorferneuerung, bei der alte Gebäude restauriert werden. In dieser Richtung ist in den vergangenen Jahren schon viel passiert (siehe Extra II). Seine Zielgruppe sind Bauherren, die eben ganz neu planen. Auch da wünscht er sich, dass die Häuser in die Umgebung passen. Was aber häufig nicht der Fall ist. Denn der eine möchte ein Haus, das so gebaut ist wie in der Toskana üblich. Der nächste schwärmt für norddeutsche oder bayerische Bauweisen. Wenn es nach Mayer geht, sollten eher schlichte Baukörper gewählt werden, bei denen nur wenige unterschiedliche, aber regionale Materialien verbaut werden (siehe Extra I).
Auch unter Berücksichtigung solcher Vorgaben gebe es viele Möglichkeiten, moderne aber auch passende Häuser zu entwerfen. Das gelte nicht nur für Privathäuser, sondern eben auch für öffentliche Gebäude. Beispiele dafür gibt es auf der Internetseite www.eifel-baukultur.de.
Zielgruppen, die der Architekt auch erreichen möchte, sind Banken. Wie Mayer sagt, sind die schon in einer frühen Phase der Bauplanung nah dran an den Bauherren, wenn es um die Finanzierung geht. Und auch die Handwerker möchte Mayer mit ins Boot holen. Mayer selbst wohnt mit seiner Frau in Dudeldorf in einem schlichten modernen Haus.
Das hat er selbst geplant, als er 1986 seine Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Mainz beendet hatte und in Trier bei der ADD anfing. Sonst hat er das Entwerfen von Häusern eher seinen Kollegen überlassen.
Er war bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion für Städtebauförderung und Denkmalschutz zuständig. Dort hat er sich mit Bauprojekten beschäftigt, wenn es um Fördergeld ging. "Deshalb habe er auch nie den Wunsch gehabt, selber Häuser zu planen. Auf diese Weise sei es ihm möglich gewesen, auch Wohnumfelder zu gestalten.
Stolz ist er ebenso wie Edgar Kiewel, der bei der Kreisverwaltung für Baukultur und Dorferneuerung zuständig ist, dass das Projekt Baukultur am 5. November ausgezeichnet wird - als eine von drei vorbildlichen Initiativen in Deutschland. Kiewel sieht auch in der Bestellung von Mayer als ehrenamtlichem Beauftragten für Baukultur einen Glücksfall. Er schätzt das Engagement und die Fachkenntnis des Architekten.

Extra

Eifeltypische BaukulturHausform: klar begrenzter Gebäudekubus, überwiegend zweigeschossige Bauweise, kein Dachüberstand. Dach: geneigte Dachflächen, selten Treppengiebel, überwiegend Schieferdeckung, stehende Satteldachgauben, Traufgesims in Sandstein. Zugang: traufseitig. Fassaden: verputzte Fassaden, regelmäßige Fassadengliederung, Fenstergewände in Sandstein. Fenster: stehende Fensterformate, Sprossenteilung. Materialien: wenig unterschiedliche, heimische Materialien. nojExtra

Dorferneuerungprivate Projekte seit 1993: Rund 1000 private Dorferneuerungsmaßnahmen, rund 100 Millionen Gesamtkosten, 18 Millionen Fördermittel des Landes, Bundes und der EU, rund 4500 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. öffentliche Projekte seit 1993: rund 200 öffentliche Dorferneuerungsvorhaben, 40 Millionen Gesamtkosten, 20 Millionen Fördermittel. noj

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort