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Alter Villa in Bitburg droht der Abriss

Eigentümer hat noch nicht verkauft : Alter Villa in Bitburg droht der Abriss

Ein Investor will eine alte Bitburger Stadtvilla abreißen, um dort einen modernen Gebäudekomplex hochzuziehen. Der Besitzer zögert aber noch, sein Elternhaus in der Trierer Straße zu verkaufen.

Die Villa in der Trierer Straße hat einiges mitgemacht. Auch wenn das dem renovierten Prachtbau gegenüber der Bitburger Kreisverwaltung nicht anzusehen ist. Denn kein Riss durchzieht die frisch gestrichene Sandsteinfasade. Kein Loch klafft im Mansarddach. Von außen, wie innen, ist das Anwesen noch immer eine prunkvolle Erscheinung.

Dabei liegt sein Bau schon mehr als ein Jahrhundert zurück. 1906, als  noch Kaiser Willhelm II. herrschte, wurde das Herrenhaus errichtet. Das Mauwerk erlebte später Aufstieg und Fall der Weimarer Republik. Und blieb auch während der Nazi-Zeit stehen.

Zwei Weltkriege hat es überstanden. Und während die Bomben der Alliierten einen Großteil der Stadt in Trümmer legten, traf es Weihnachten 1944 nur die Loggia. Die freilich war nicht zu retten, der Rest aber blieb unversehrt.

Das macht die Jugendstilvilla zu einer der wenigen historischen Bauten, die in Bitburg die Zeiten überdauert haben (siehe Info). Nun scheint es aber so, als könnte bald das letzte Kapitel in diesem Stück Stadtgeschichte anbrechen. Denn ein Investor plant nach TV-Informationen, das Anwesen abzureißen. Um dort einen modernen Komplex hochzuziehen. Dafür allerdings müsste der Besitzer erstmal verkaufen. Und noch zögert er.

Denn wenn Werner Schneider an seinem Elternhaus vorbeigeht, packt ihn jetzt schon die Wehmut. „Ich kenne jeden Winkel, jede Ecke“, sagt der Bitburger. Denn er ist hier aufgewachsen. Sein Großvater, ein vermögender Pferdehändler, hatte die VIilla einst erstanden. Schneiders Eltern zogen mit den drei Kindern in eine der Wohnungen.

Für den Eifeler hängen also viele Erinnerungen an dem Erbstück. Doch nicht nur deshalb bereitet ihm ein möglicher Verkauf Kopfzerbrechen. Sondern auch, weil der Eigentümer in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Euro hier investiert habe: „Wir haben die Böden geschliffen, die Elektrik erneuert, neue Bäder eingebaut und, und, und.“ Der Bau sei in einem „Topzustand“.

Es tue ihm daher schon weh, sagt der Bitburger, sich vorzustellen, wie die Abrissbirne in die Jugendstilfassade kracht. „Schon komisch, dass einem ein Haufen Steine so viel bedeuten kann“, resümmiert er. Trotzdem erscheint ihm der Verkauf des Gebäudes immer verlockender.

Denn das Haus lohne sich nicht mehr für den Eigentümer. Die Vermietung gestalte sich immer schwieriger, auch wegen der Pandemie. Seit Monaten stehen ein Ladenlokal und eine Wohnung leer. Obwohl Standort und Bausubstanz nach Ansicht des Besitzers allererster Güte sind und auch die Mieten vergleichsweise niedrig. „Das ist für uns alles nicht mehr lukrativ“,fasst Schneider zusammen.

Keine Überraschung also, dass auch ein möglicher Käufer das Gebäude nicht stehenlassen würde. Die Vermarktung eines Wohn- oder Geschäftshauses in dieser Toplage kann Millionen einbringen. Dafür allerdings müsste die Villa weichen.

Eine entsprechende Bauvoranfrage der Firma Lack Immobilien aus Wolsfeld liege vor, bestätigt Rathaussprecher Werner Krämer auf Nachfrage unserer Zeitung. Und wurde wohl auch schon im nicht-öffentlichen Teil einer Bauausschusssitzung diskutiert. Einen Beschluss habe das Gremium allerdings noch nicht gefasst.

Näheres könne man zu der privaten Angelegenheit nicht sagen, heißt es bei der Stadt. Und auch „Lack Immobilien“ hält dicht. Zum jetztigen Zeitpunkt wolle man sich nicht äußern, schreibt eine Sprecherin auf TV-Anfrage.

Klar scheint aber schon jetzt: Der Denkmalschutz wird keine Probleme machen. Denn wegen eines Anbaus steht die Stadtvilla, anders etwa als das Nebengebäude, das etwa aus derselben Zeit stammt, nicht auf der Denkmalliste. Das heißt: Ein Abbruch wäre erstmal erlaubt.

 So wie auf diesem Foto aus dem Besitz von Werner Schneider hat das Herrenhaus vor dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen. Der Balkon wurde später von einer Bombe getroffen. Der Rest blieb weitestgehend unversehrt.
So wie auf diesem Foto aus dem Besitz von Werner Schneider hat das Herrenhaus vor dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen. Der Balkon wurde später von einer Bombe getroffen. Der Rest blieb weitestgehend unversehrt. Foto: TV/Christian Altmayer

Für die Bitburger Brauereierbin Marie-Luise Niewodniczanska, die sich seit Jahren für den Erhalt der Baukultur in der Eifel einsetzt, wäre ein Abriss dennoch „sehr bedauerlich“, sagt sie: „Es ist schade, dass die Häuser in der hinteren Trierer Straße, die den Krieg überlebt haben, nicht unter Denkmalschutz stehen. Abreißen sollte man sie deshalb aber nicht.“