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Altes Gerberhaus in Dasburg hat eine lange Vorgeschichte

Eifeler Baukultur : Altes Gerberhaus in Dasburg hat eine lange Vorgeschichte

Viel älter als anfangs gedacht ist das Haus Trost in Dasburg. Der Hartnäckigkeit einer Bitburger Denkmalschützerin ist es geschuldet, dass eine überraschende Baugeschichte entdeckt wurde.

Es war ganz knapp. Hätte Denkmalschützerin Marie-Luise Niewodniczanska aus Bitburg nicht auf eigene Faust und Kosten ein Gutachten beauftragt, wäre das wohl älteste Haus der Westeifel abgerissen worden. Die Ortsgemeinde Dasburg hatte geplant, das Areal für die Neugestaltung eines Dorfplatzes zu nutzen. Anstelle des ehemaligen Hauses Trost sollten Parkplätze entstehen.

Doch dann kam alles anders. Die Trierer Archäologin Sibylle Bauer erstellte ein Gutachten und fand heraus, dass mehrere Bauteile aus dem Jahr 1472 stammen. Damit galt die Immobilie als zurzeit ältester Profanbau der Westeifel. Für die Expertin und Marie-Luise Niewodniczanska stand damit fest: das Haus muss unbedingt erhalten werden.

Und nun kommt Dieter Thommes ins Spiel. Der Daleidener hatte im gegenüberliegenden Hotel Daytona in Dasburg eine Lagerfläche angemietet, wo er Antikmöbel ausstellte und zum Verkauf anbot. „Ich habe immer auf das Haus Trost geguckt und die Entwicklung beobachtet“, sagt er. Und im Laufe der Zeit hat er sich regelrecht in das Haus verliebt.

Gegen den Abriss machte sich auch der Verein „Historisches Dasburg“ stark, der das ortsbildprägende Haus unbedingt erhalten wollte. 2004 stimmt der Gemeinderat schließlich für eine Erhaltung des Gebäudes. Im Juni 2005 haben dann Rosi und Dieter Thommes der Gemeinde das Haus abgekauft. Im Rahmen der Dorferneuerung ließ das Ehepaar das Dach mit Naturschiefer neu eindecken, Sprossenfenster einsetzen und Putz und Anstrich erneuern. „Die Gestaltung des Hauses ging Hand in Hand mit Fachleuten und dem Kreisdenkmalpfleger. Wir fühlten uns sehr gut beraten“, sagt Thommes.

Seitdem hat der Geschichtsinteressierte viel Wissenswertes über das Haus zusammengetragen. So wurde es ursprünglich als Zehnt- oder auch Zinsscheune genutzt. Es diente zur Lagerung der Steuer, des „Zehnten“, der oft in Naturalien bezahlt und im Gebäude eingelagert wurde. Erst um 1900 übernahm ein Gerber aus Prüm das Haus und begann dort mit der Lederherstellung. Die Familie hieß Trost. Unter ihrem Namen ist das Gebäude bis heute in Dasburg bekannt. Bedingt durch die lange Geschichte der Immobilie gab es dort mehrere Bewohner. Auch ein Hochgericht und ein Tagelöhner mit sieben Kindern waren einst dort untergebracht.

Dieter Thommes freut sich über jedes Detail, das er über die Geschichte seiner Immobilie in Erfahrung bringen kann. Mit Unterstützung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz wurden noch mehrere Untersuchungen durchgeführt. Alten Fotos zufolge hatte der Bau ursprünglich ein weiteres aufgesetztes Fachwerkgeschoss und ein erheblich steileres Dach. Außerdem befanden sich zwei Kamine im Nordgiebel.

Die dritte Etage wurde stark beschädigt, als Ende des Zweiten Weltkriegs in unmittelbarer Nähe ein Panzer gesprengt wurde. Die Eigentümer haben das Haus wieder aufgebaut, allerdings in verkleinerter Dimension. Dazu wurde Restmaterial verwendet. „Unter anderem haben wir Teile der mächtigen Sandsteineinfassungen des ehemaligen Eingangs im Giebel gefunden“, sagt Thommes. Außerdem entdeckte er zwei Feuerstellen, wie sie einst auf mittelalterlichen Burgen gebaut wurden. „So etwas gab es in Bauernhäusern nicht.“

Die Feuerstellen möchte er wieder sichtbar machen. Dazu hat er sich schon Fotos vergleichbarer Bauten vom Schloss Vianden besorgt. Bei seinen Forschungen hat ihn auch das Katasteramt Prüm sehr unterstützt. Dort erhielt er einen Auszug aus dem Urkataster. Von der Gerberei finden sich heute noch drei intakte Gerbgruben im Keller und weitere vor dem Haus.

2007, als Luxemburg Kulturhauptstadt war, gab es im Rahmen des Kunstprojekts „hArt an der Grenze“ eine große Bildreihe des Fotografen Jerry Frantz zum Thema „Our-Menschen – Identitäten“. Eine Kollage davon hängt noch heute am Haus Trost. Es zeigt den „Schmuggler“ Werner Relles von der Rellesmühle im Ourtal und seinen Enkel Lukas. „Auf der Luxemburger Seite hängt das Bild vom Zöllner“, sagt Thommes. Auch wenn das Projekt längst beendet ist, das ehemals farbenfrohe Bild mittlerweile sepia-braun verblasst ist, möchte der 64-Jährige dort hängen lassen. „Es passt einfach gut hierhin und zum Haus“, sagt er. Direkt neben dem Gebäude führt der ehemalige Postweg vorbei, den der Postreiter benutzte. Auch so eine Geschichte, die Thommes stark interessiert und dazu inspiriert hat, geführte Wanderungen auf alten Postrouten anzubieten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wie geht es nun weiter mit dem Haus Trost? Thommes möchte dort irgendwann Feriengäste unterbringen. „Carlo Sente, Schlossbesitzer aus Wolsfeld, hat für uns ein tolles Konzept erarbeitet, das wir umsetzen möchten“, sagt er. Ihm schwebt vor, die Geschichte des Hauses auch bei der Einrichtung zum Thema und damit erlebbar zu machen. Reichlich antike Möbel und Gegenstände dafür hat er schon jetzt gesammelt.