Altwerden - Studie belegt: Senioren leben schlecht in der Eifel

Kostenpflichtiger Inhalt: ZDF-Beitrag sorgt für Unmut : Studie belegt: Senioren leben schlecht in der Eifel

In der Eifel lebt es sich als Senior schlechter als überall sonst in der Republik. Das jedenfalls hat eine Studie des ZDF ergeben. Doch nicht nur deswegen sorgt der Fernsehbeitrag in einem Dorf für besonderen Unmut.

Die Kamera schweift über weites Land. Dazwischen: ein paar Bäume und Häuser, die aussehen wie dorthin gewürfelt. „Wir sind in Daleiden im Eifelkreis Bitburg-Prüm“, verkündet die Stimme aus dem Off. Dabei stammen die Bilder teils aus den Dörfern Jucken (VG Arzfeld) und Pronsfeld (VG Prüm). Doch die mangelnde Ortskenntnis dürfte nicht das einzige an dem ZDF-Fernsehbeitrag gewesen sein, was in Daleiden für Ärger gesorgt hat.

Ein paar Minuten später im Film werden verrostete Briefkästen gezeigt, bröckelnde Fassaden, Altreifen im Garten und Unkraut, das aus dem Bürgersteig schießt. Bilder von Verwahrlosung und Tristesse. Der Sprecher der Dokumentation kommentiert das Video mit den Worten: „Ärzte sind weggezogen, die Geschäfte haben geschlossen, Busse fahren kaum. Welche Zukunft haben solche entlegenen Orte noch?“

Die vermeintliche Antwort liefert prompt eine Wissenschaftlerin von der Universität Berlin: Sie plädiert dafür, „bestimmte Orte aufzugeben“. Davor solle man keine Angst haben. Denn jeder Cent, der dort gespart werde, könne in Ballungsräume fließen.

Die Dokumentation, die noch online einsehbar ist, präsentiert die Ergebnisse einer deutschlandweiten Studie des ZDF. Neben Daleiden tauchen dort noch einige andere Orte aus der Bundesrepublik auf, viele als solche Negativbeispiele. Die Frage: „Wo leben Senioren am Besten?“ Ein Teil der Antwort offenbar: nicht in der Eifel.

Überblick über die Ergebnisse: 20 Minuten braucht ein Durchschnittsbürger aus dem Eifelkreis bis zum nächsten Krankenhaus. Arztpraxis, Apotheke oder Supermarkt liegen meist etwa drei Kilometer vom Wohnort entfernt – und damit weiter weg als irgendwo sonst in der Republik.

 Die Daten stammen von Ämtern und Behörden und sollen einen Bewertungsrahmen für die Lebensqualität in deutschen Kommunen setzen. Demnach leben ältere Menschen in Jena am Besten. Gut schaut es auch in Teilen Baden-Württembergs, Nordrhein-Westfalens, Hessens und Thüringens aus.  Vergleichsweise schlecht hingegen; im Nordwesten von Rheinland-Pfalz.

So landete der Eifelkreis Bitburg-Prüm im bundesweiten Ranking auf dem 401., und damit dem letzten, Platz. Der Vulkaneifelkreis steht auf Rang 394. Etwas besser haben die Landkreise Bernkastel-Wittlich (361) und Trier-Saarburg (337) abgeschnitten. Doch auch hier bleibt, ebenso wie in Trier, Luft nach oben. Auf Platz 231 liegt die Stadt im unteren Mittelfeld der Skala.

Doch woran liegt es, dass die Region im Vergleich so weit zurückfällt? Das offenbart ein Blick in die vom ZDF bewerteten Kategorien „Gesundheit & Pflege“, „Wohnen & Freizeit“ sowie „Sicherheit & Infrastruktur“.

Die ärztliche Versorgung: Außergewöhnlich schlecht steht es demnach um die medizinische Versorgung in den beiden Eifeler Kreisen und dem Kreis Bernkastel-Wittlich. Kaum irgendwo in der Republik sind die Wege zur Klinik oder Praxis so weit wie hierzulande. Durch die Nähe zu Trier ist die Lage in Teilen des Kreises Trier-Saarburg zwar etwas besser. Dennoch gibt es auch hier volle Wartezimmer.

Arztbesuche werden also von Morbach bis Daun, von Bernkastel bis Prüm zur Geduldsprobe. Senioren aber belastet die Situation mehr. Denn sie sind häufig nicht mehr so mobil. Eine schlechte medizinische Versorgung stellt für ältere Menschen daher eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität dar.

Eine Besserung der Lage scheint nicht in Sicht. Denn derzeit deutet vieles darauf hin, dass der Landarzt ein Mangelberuf bleiben wird. Ebenso verlieren immer mehr Kliniken in der Provinz den Kampf ums Überleben – 2014 etwa das Krankenhaus in Neuerburg. Ein Verlust, der die Lage vor allem im Eifelkreis noch einmal deutlich verschärft hat.

Der ÖPNV: Aber auch beim Öffentlichen Nahverkehr, das wird bei der Studie deutlich, gehören die Kommunen rund um Trier zu den Schlusslichtern. Auch das: ein Faktor, der Senioren besonders betrifft, die kein Auto mehr zur Verfügung haben.

Kann die Stadt Trier hier mit ihren Bussen noch  punkten, sieht es in der Vulkaneifel und im Eifelkreis desaströs aus. Die Bahn hält nicht an Knotenpunkten, Busse rollen nur selten. Immerhin ist das Problem erkannt. Derzeit arbeitet der Verkehrsverbund mit den Landkreisen daran, mehr Linienverkehr auf die Straße zu bringen.

Die Internetverbindung: Bergauf geht es ebenfalls bei der Breitbandversorgung. Hier ist vor allem noch der Eifelkreis ein blinder Fleck auf dem Digitalatlas. Nur 37 Prozent der Haushalte verfügen laut Studie über eine schnelle Internetverbindung. Die Tendenz allerdings steigt. Derzeit läuft rund um Bitburg und Prüm ein millonenschwerer Ausbau.

Sport und Freizeit: Weitere gute Nachrichten: Die Landkreise in der Region haben es bei Erholungs- und Sportmöglichkeiten allesamt unter die ersten 20 Plätze geschafft. Recht viele Punkte gab es auch für gute Bildungsmöglichkeiten. Überhaupt, merken die Fachleute vom ZDF an, seien auch Kreise am unteren Ende der Skala „keinesfalls abgehängt“. Denn die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern seien bei genauerem Hinsehen nicht  gravierend. Tatsächlich schaffte es der Eifelkreis als Letztplatzierter immerhin auf 83 Punkte, und somit nur 58 weniger als der Erstplatzerierte, die Stadt Jena (141).

Zurück in Daleiden: Herbert Maus, Ortsbürgermeister von Daleiden, ist dennoch sauer, vor allem über die Präsentation seines Dorfes in der Dokumentation. Auf der Internetseite der Gemeinde und in einem Brief an die ZDF-Redaktion macht er seinem Ärger Luft: „Es ist zwar traurig genug, dass der Eifelkreis Bitburg-Prüm an letzter Stelle Ihrer Studie rangiert. Dafür dann Daleiden als Beispiel zu nehmen, ist allerdings, gelinde gesagt, eine große Frechheit.“

Weiter schreibt der Dorfchef, der Bericht „verdrehe die Tatsachen völlig“. Und führt dafür auch Beispiele an: Es gebe einen Supermarkt, eine Metzgerei, ein Schuhgeschäft, eine Bank und eine Postfiliale im Dorf. Davon, dass „die Geschäfte geschlossen haben“, könne also keine Rede sein. Der Bus komme ebenfalls achtmal täglich, die Einwohnerzahl sei seit Jahren stabil, steige sogar durch Zuzüge, etwa aus Luxemburg. Das liege auch daran, dass Daleiden eben nicht entlegen sei, sondern an der Hauptverkehrsroute ins Nachbarland liegt.

Maus’ Fazit daher: Daleiden sei ein funktionierendes und wachsendes Grundzentrum in der Westeifel. Und der Beitrag? „Der Gipfel der falschen Berichterstattung“ und „ein Schlag ins Gesicht  für alle, die sich ehrenamtlich in der Gemeinde und in den Vereinen engagieren.