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Am Anfang war das Wort - bei der Prümer Nostalgiesitzung

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : Am Anfang war das Wort - bei der Prümer Nostalgiesitzung

Büttenreden statt Ballermann, Witze weit über der Gürtellinie: Die Nostalgie-Sitzung in der Prümer Karolingerhalle bietet Karneval vom Feinsten.

Achtung Verwechslungsgefahr: Die Überschrift dieses Textes „Am Anfang war das Wort“ ist zwar einem Johannes entliehen - aber nicht dem Johannes, der am Samstagabend sehr gekonnt die Nostalgie-Sitzung in der Prümer Karolingerhalle moderierte.

Der eine ist als Täufer bekannt, der andere als amtierender Prümer Bürgermeister. Und während der Täufer bekannterweise viel mit Wasser hantiert, wird Stadtchef Johannes Reuschen im Laufe der Nostalgie-Sitzung kräftig durch den Kakao gezogen.

Wobei da auch Wasser im Spiel sein kann, wie Irmgard Theres Leiwer alias das Rumpelstilzchen zu erzählen weiß: „Die Buden standen bei der letzten Kirmes verkehrt herum“, sagt sie.

Verantwortlich dafür: der Bürgermeister. „Wenn der nach Johannes dem Täufer benannt ist, hat er wohl zu tief ins Taufbecken geguckt“ ruft sie in die vollbesetzte Karolingerhalle hinein.

Das bunt kostümierte Publikum - viele stecken passend zur Veranstaltung in Kostümen, die an an den Bekleidungsstil der 20er und 30er Jahre erinnern - amüsiert sich prächtig. Und wer vermutet, dass überwiegend ältere Semester eine Nostalgiesitzung besuchen, liegt falsch: An den Tischen sitzen Jecken aller Altersgruppen.

„Viele Sitzungen bieten nur noch einen Einheitsbrei aus lauter Musik, ein Showtanz jagt den Nächsten“, sagt eine junge Besucherin im, tja...vielleicht einem Dienstmädchen-Kostüm aus den Anfangstagen des vergangenen Jahrhunderts: „Aber hier werden noch tolle Büttenreden geboten.“

So ist es: An und für sich könnte das Holzfass, also die „Bütt“, vorne am Bühnenrand stehen bleiben, so hoch ist die Schlagzahl der Redner, die nacheinander auftreten. Mit dabei sind beispielsweise Rüdiger Schausen als „Pantoffelheld“ , Julia Peter und Hansi Sauer als „Mama mit dem Kläuschen“, Berthold Thies und Udo Baur als Hausmeister und als stotternder D-D-Dieter, Irmgard Theres Leiwer als Rumpestilzchen. Zusätzlich gibt es feine Sketche von Marita Laures, Maria Rosswinkel und Maria Meyer (Damensauna im Kurparkcenter) und die „Prümer Puppenkiste“ - fast schon ein Theaterstück mit viel Requisite, das von Thomas und Elke Lichter, Norbert Schmitz und Irmgard Hannegrefs aufgeführt wird.

Trotzdem muss die Bütt auch mal weichen, beispielsweise als die Garde der Prümer Karnevalsgesellschaft 1881 in voller Mannschaftsstärke die Bühne stürmt, begleitet vom Musikverein Prüm, dem Gardeballett und dem amtierenden Dreigestirn. Im Schaltjahr ist das Prümer Dreigestirn traditionell weiblich, und bei der Power, die die drei gut gelaunten Damen verbreiten, könnten Schaltjahre öfter mal vorkommen.

Auch der Volksfreund kriegt sein Fett weg: „Auf dem Hahnplatz fehlen Linden, vielleicht wird Fritz-Peter dann die KG-Sitzung finden“, reimt das Prümer Rumpelstilzchen und sieht in der Abteistadt nach der Neugestaltung des zentralen Platzes einen neuen Volkssport aufkommen: „Rückwärtsfahrend kleine Poller rammen“.

Zum Dank für ihre Rede und weil Irmgard Theres Leiwer mal erwähnt haben soll, wenn sie je heirate, dann einen Schotten - stellt ihr die Karnevalsgesellschaft einen solchen mitsamt einem Dudelsack neben die Bütt: Kyle Raihala heißt der Mann. Und wohnt ausgerechnet in Dudeldorf.

Einen, der ganz leicht unter der Gürtellinie liegt, geben Berthold Thies als Hausmeister der Karolingerhalle (sonst auch Präsident der Karnevalsgesellschaft) und Udo Baur als stotternder Dieter (nebenbei Präsident des Elferrats) zum besten: „Am Montag hat Sabine so geblasen, dass kein Schulunterricht stattfinden konnte“, gibt Dieter in einigen Anläufen von sich. Antwort Hausmeister: „Früher, wenn Sabine geblasen hat, haben wir höchstens mal ein Fenster geschlossen.“ Der musste auch mal sein.

Rund 600 Zuschauer haben die Nostalgiesitzungbesucht. Das diejährige Dreigestirn wurde bejubelt. (v.l.n.r.: Elke Bartz, Dunja Bormann, Michaela Conen). Foto: Vladi Nowakowski
Julia Peter und Hansi Sauer als „Mama mit dem Kläuschen“. Foto: Vladi Nowakowski

Weitere Mitwirkende: Jürgen Peifer; Birgit Tix; Timi Thies; Doris Juchems; Harald Simon; Pfarrer Patrick Ringhausen; Thomas Rippinger; Julian Rippinger; Michael Raskopp; Reiner Raskopp; Guido Tarnow; Marcel Thomas; Thoma Wio; Hubert Nickels; Michael Gierten; Ingo Göbel; Harald Scholzen sowie die Rock'n Roll Gruppe Feet on Fire.