Am Ende weht wieder der Liebestöter

Am Ende weht wieder der Liebestöter

BITBURG. Die Stadt Bitburg und die Verbandsgemeinde Bitburg-Land sind vereint. In beiden Rathäusern haben die Narren die Macht übernommen. Bürgermeister Joachim Streit musste sich dem Ansturm der Möhnen geschlagen geben, Bürgermeister Jürgen Backes hat eine neue Anstellung als "Großer Häuptling" gefunden.

Offiziell würde Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit niemals zugeben, an seinem Amt zu hängen. Und trotzdem wandte er in diesem Jahr eine neue und ziemlich durchtriebene Taktik an, um den Möhnensturm auf sein Rathaus zu vereiteln. Militärs in Räuberzivil von der Air-Base Spangdahlem eilten dem ebenso ungedienten wie ausgezeichneten Reservisten Streit zur Hilfe - vergebens.Widerstand war wie immer zwecklos

Schon gegen 11 Uhr hatten die Bediensteten des Rathauses Lautsprecher in Stellung gebracht. Mit Karnevalsmusik sollten die aus der Innenstadt anrückenden Bitburger Möhnen von ihrem alljährlichen Tun abgehalten werden. So gewappnet erwarteten Joachim Streit, seine getreuen Mitarbeiter sowie die Hilfstruppen von der Air-Base den Angriff der Möhnen. Die starteten gegen 11.11 Uhr zum Frontalangriff auf das Rathaus. Erwartungsgemäß zeigte sich schnell, dass die Bitburger Möhnen hoffnungslos überlegen waren, auch wenn sich Air-Force-Mann Josh tapfer wehrte. Was blieb da dem Bürgermeister anders übrig, als den Stadtschlüssel an die Frauen auszuhändigen? Nicht viel. Vielleicht lag es auch daran, dass die Möhnen mit prinzenpaarlicher Verstärkung anmarschiert waren. Christel I. und Ralf I. nebst Hofstaat vom Verein "Freunde der Bütt" waren prominente Zuschauer des Spektakels. Vielleicht war aber auch ein Grund für den erfolgreichen Sturm aufs Rathaus, dass des Bürgermeisters Getreuen flugs die Seiten wechselten und sich ins närrische Treiben stürzten, anstatt ihrem Dienstherr behilflich zu sein. Und auch des Bürgermeisters Schlips musste dran glauben. Den erbeuteten die Möhnen. Die hätten wohl auch gerne die 80er-Jahre-neongrüne Krawatte Streits erbeutet. Doch die wollte der Bürgermeister dann doch nicht hergeben. Die Frage, ob der Binder für ein Kostüm für die Jugendkappensitzung am Freitag verwendet wird, blieb aufgrund des närrischen Treibens unbeantwortet. Die Möhnen der Stadt waren aber auch mit der eher schlichten, vornehmlich blauen Krawatte des Bürgermeisters zufrieden. Sie wird sicher einen Ehrenplatz auf der großzügig dimensionierten Unterhose bekommen, auf der bereits eine ansehnliche Zahl Trophäen von früheren Weiberdonnerstagsbeutezügen befestigt sind. Das schmucke Kleidungsstück hängt jedenfalls seit Donnerstagmittag am Fahnenmast und macht weithin deutlich, wer in Bitburg die Hosen anhat. So ganz unzufrieden mit der neuen Entwicklung waren die Bürger Bitburgs übrigens nicht. Sie ließen sich vom Frohsinn der Damen anstecken und marschierten in einer Polonäse in den großen Sitzungssaal. Dort, wo sonst hohe Stadtpolitik betrieben wird, feierten sie den Sieg der Möhnen. In Sachen Karneval hatte derweil die Verbandsgemeinde Bitburg-Land die Nase vorn. Schon vor 10 Uhr hatten Cowboys und Indianer Einzug gehalten im Verwaltungsgebäude. Anfänglicher Widerstand der männlichen Belegschaft und insbesondere von Bürgermeister Jürgen Backes wurde im Keim erstickt. Der Verwaltungschef wurde jedoch nicht entmachtet, sondern einfach nur umfunktioniert. Sein neuer Job als "Großer Häuptling" bereitete Backes sichtlich Spaß. Den hatten auch seine Mitarbeiter. Sie veranstalteten auch in diesem Jahr wieder ihre hausinterne Kappensitzung.

Mehr von Volksfreund