Prozess gegen Schleuser aus Bitburg „Ich dachte, das Visum in meinem Pass sei echt!“

Trier/Bitburg · Ihre illegale Reise von Syrien über Beirut nach Düsseldorf hat eine junge Zeugin im Schleuserprozess vor dem Landgericht Trier geschildert.

 In Trier wird gegen drei mutmaßliche Schleuser verhandelt.

In Trier wird gegen drei mutmaßliche Schleuser verhandelt.

Foto: Fritz-Peter Linden

Angeklagt sind drei in Bitburg lebende Syrer im Alter von 33 bis 55 Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen in der Hauptsache das illegale Einschleusen von Ausländern in die Europäische Union vor (der TV berichtete).

Aufgelistet sind 26 Schleusungen mit gefälschten Visa über den Flughafen Beirut, von denen elf Fälle vorzeitig gescheitert sein sollen. Außerdem werden dem Trio einige Einbruchsdiebstähle in Bitburg vorgeworfen. G. gilt als der hauptsächliche Drahtzieher, mit angeklagt ist sein Sohn K. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Eine eher untergeordnete Rolle wird M. zugeschrieben, der sich auf freiem Fuß befindet.

Am jüngsten Verhandlungstag erscheinen zwei syrische Zeugen, die von der Ersten Großen Strafklammer erst über ihre deutsche Betreuerin ausfindig gemacht werden konnten.

Es sind Vater und Tochter. Er lebt mit einem Teil der Familie schon etwas länger als Kriegsflüchtling in Deutschland. 2017 hat er nach eigenen Angaben vergeblich versucht, die im Kriegsgebiet zurückgebliebene Tochter im Rahmen der Familienzusammenführung nachzuholen. So habe die Familie Geld zusammengelegt um den „anderen Weg“ zu bestreiten.

Als der Zeuge dann vor der Kammer über Unwohlsein klagt, wird zunächst die Tochter aufgerufen. Die junge Frau soll erzählen, wie sie nach Deutschland kam. „Mit Hilfe eines Mannes per Flugzeug von Beirut nach Düsseldorf“, sagt sie. Dann folgt eine verschlungene Geschichte, bei der ihr Onkel in Syrien erste Kontakte zu Schleusern knüpft, eine Taxifahrt zur libanesischen Grenze und dort die Übergabe an einen Libanesen, der sie mit seinem Auto nach Beirut bringt. „Ein großer Mann mit graumeliertem Haar. Er hat mir am Flughafen noch den Pass gegeben, dann war er weg“, sagt sie.

Zum Flug habe sie alleine eingecheckt, den Mann aber nochmals im Flugzeug gesehen, danach nicht mehr. In Düsseldorf sei sie von ihrem Bruder und dessen Freund abgeholt worden. Und sie sagt: „Ich weiß nicht, wie das Visum in meinen Pass kam. Damals dachte ich, das sei echt. Heute weiß ich, dass es falsch war.“

Schließlich wird die Anhörung des Vaters fortgesetzt. Von ihm ist zu hören, dass insgesamt 15 000 Euro für die Schleusung fällig waren. Davon 7500 Euro drüben und 7500 in Deutschland. Den Restbetrag habe er in einem Haus in einem kleinen Dorf bei Trier an einen unbekannten Mann übergeben. Den Namen des Orts wisse er nicht mehr.

Im Haus sei er auf weitere Personen getroffen, die jeweils denselben Betrag hätten abliefern wollen. Schließlich habe ihm der Unbekannte mitgeteilt, dass die Tochter soeben in Düsseldorf angekommen sei.

Übrigens wären die Angeklagten bereits am zweiten Verhandlungstag zu Geständnissen bereit gewesen. Dies hätte das Ergebnis einer verfahrensverkürzenden Absprache zwischen Kammer, Anklage und Verteidigung sein können – das Geständnis gegen eine garantierte Maximalstrafe.

Doch die Absprache scheiterte am Veto der Staatsanwaltschaft. Die für G. vorgeschlagene Höchststrafe schien ihr zu gering (der TV berichtete). Konsequenz: Das Verfahren wird in voller Länge fortgeführt. Ursprünglich waren elf Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt.

Nun kommen aber zunächst noch bis zum 18. Dezember neun weitere Tage hinzu. Der erste Termin ist am Montag, 31. August, 9 Uhr.

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