1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Amerikaner besuchen Absturzstelle in der Eifel.

Geschichte : Auf den Spuren eines Flugzeugabsturzes in der Eifel

Eine Familie aus Amerika ist tausende Kilometer in die Eifel gereist, um die Stelle zu besuchen, an der ihr Onkel im Zweiten Weltkrieg starb. Der Bürgermeister von Körperich, Winfried Horn, hat ihnen bei der Suche geholfen.

Eigentlich wollte Charles Grubert nach der High School an die Universität. Doch der Zweite Weltkrieg tobte und der junge Amerikaner musste in der Armee dienen. Man versprach ihm ein Stipendium für die Zeit nach seinem Einsatz in Europa, aber der damals 18 oder 19-Jährige kehrte nicht lebend in seine Heimat zurück.

Seine Nachfahren haben in ihrer Kindheit viel von dem Soldaten, der lieber ein erfolgreicher Langstreckenläufer geworden wäre, erzählt bekommen. „Jeder hat ihn geliebt“, sagt Arthur Grubert über seinen Onkel. „Es war sehr schwer für die Familie, mit der Situation umzugehen.“ Er und sein Bruder Charles, der nach dem Piloten benannt wurde, stehen vor Schloss Kewenig. Ein Waldstück, das vor 70 Jahren noch eine Wiese war, liegt hinter dem  steinernen Kleinod. „Hier ist das Flugzeug abgestürzt“, sagt Winfried Horn, Bürgermeister von Körperich und zeigt auf einen grünen Hügel. „Es wurde schon in Wallendorf von ein paar Deutschen vom Boden aus getroffen.“ Circa vier Kilometer sei die Maschine noch geflogen, bevor sie vom Himmel krachte. Grubert war tot.

„Vermutlich haben Bauern den Soldaten geborgen“, erzählt Horn, der mit Zeitzeugen, die in der Nacht auf Weihnachten 1944 noch Kinder waren, gesprochen hat. Die Eifeler seien nach dem Aufprall zur Unglücksstelle geeilt, um den Flieger zu plündern. Aluminium und technische Geräte aus dem Cockpit waren in den mageren Kriegsjahren viel wert. Aber die Niedersgegener und Körpericher nahmen das Wrack nicht auseinander, ohne sich um den Toten zu kümmern. Sie bestatteten den Amerikaner in der Nähe des Absturzorts, legten einen Stahlhelm auf sein Grab und meldeten den Vorfall.

„Es ist etwas Besonderes, hier zu sein“, sagt der Neffe des Verstorbenen, der extra am amerikanischen Unabhängigkeitstag nach Deutschland gekommen ist. Schon vor Monaten begann er mit den Planungen für seine Reise in die Vergangenheit seiner Familie. Übers Internet suchte er Kontakt zum Körpericher Bürgermeister. Der unterstützte die Amerikaner bei ihrem Plan, in der Ortsgemeinde mehr über den Tod ihres Onkels zu erfahren, stellte Nachforschungen an und unterhielt sich mit den alten Dorfbewohnern.

Auch die Amerikaner, die aus New York und Pennsylvania stammen, haben alte Quellen gewälzt und dabei sogar ein Protokoll aus dem Jahr 1944 gefunden, in dem George Janowitz, erster Leutnant des Air Corps von dem Tag berichtet, an dem sein Kamerad Grubert starb. Seine Mannschaft hatte eine Pontonbrücke zerbombt und kreiste über der Erde. Andere Flieger sollten zu ihnen stoßen, um gemeinsam einen neuen Angriff zu starten und weitere Bomben auf die Eifel hageln zu lassen. Doch die Amerikaner waren laut des Berichts nicht die einzigen Bewaffneten. Mit fünf Lastwagen lauerten deutsche Feinde unter ihnen. Die Piloten kommunizierten über Funk miteinander. „Ich habe die anderen gebeten, sich in einer Formation zu sammeln“, steht in Janowitz’ Aufzeichnungen. Von Grubert erhielt er keine Antwort. Und auch die anderen Piloten hörten kein Lebenszeichen.

„Der Mann hat sich geopfert, um die Leute hier von den Nazis zu befreien“, sagt Horn. Deshalb habe er sich so reingekniet, um seiner Familie dabei zu helfen, die Geschichte aufzuarbeiten. In Trier hat der Ortsbürgermeister die fünf Nachfahren des Soldaten eingesammelt und nach Niedersgegen geführt. Die beiden Brüder und pensionierten FBI-Agenten Arthur und Charles Grubert, der Anwalt William Fenrich und die beiden Schüler Kellen Fenrich und Charles Dicus sind Horn für seinen Einsatz dankbar. „Wir haben hier viel gelernt“, sagt Kellen Fenrich, der die High School besucht und Ferien hat. In den folgenden Tagen wird er vermutlich noch mehr über die amerikanische Geschichte erfahren, denn weitere ehemalige Kriegsschauplätze liegen auf der Reiseroute der Gruppe. Über Luxemburg wollen sie in die Normandie fahren, wo die Aliierten ebenfalls gegen die Deutschen kämpften.

Der gefallene Soldat Charly Grubert blieb nicht in der Eifel, sondern wurde auf einem Soldatenfriedhof in Luxembourg-Hamm beigesetzt. Erst nach dem Krieg gelangte er zurück in die USA.

 An einer Stelle hinter Schloss Kewenig ist der junge Pilot mit seiner Maschine abgestürzt. Deutsche Soldaten hatten ihn getroffen. 
An einer Stelle hinter Schloss Kewenig ist der junge Pilot mit seiner Maschine abgestürzt. Deutsche Soldaten hatten ihn getroffen.  Foto: TV/Nathalie Hartl
 Die Nachfahren des abgestürzten Piloten haben Niedersgegen gemeinsam mit Winfried Horn, Ortsbürgermeister von Körperich, besucht. Auf dem Foto sind (von links): William Fenrich, Kellen Fenrich, Arthur Grubert, Winfried Horn, Charles Grubert und Charles Dicus.
Die Nachfahren des abgestürzten Piloten haben Niedersgegen gemeinsam mit Winfried Horn, Ortsbürgermeister von Körperich, besucht. Auf dem Foto sind (von links): William Fenrich, Kellen Fenrich, Arthur Grubert, Winfried Horn, Charles Grubert und Charles Dicus. Foto: TV/Nathalie Hartl

Der Pilot aus New York sei nicht der einzige gewesen, der in Niedersgegen sein Leben gelassen hat, sagt Horn. „Etwa 10 Soldaten sind hier beerdigt worden und wurden später nach Hamm gebracht.“ Besuch von einem ihrer Nachfahren hatte er aber noch nie.