Amerikaner brauchen mehr Wasser

SPEICHER. Die Verbraucher in der Verbandsgemeinde (VG) Speicher müssen im kommenden Jahr zehn Cent mehr pro Kubikmeter Frischwasser zahlen. Im Gesamthaushaltsplan 2006 der VG beträgt das Defizit "nur" 43 200 Euro.

13 Tagesordnungspunkte umfasste die öffentliche Sitzung des VG-Rats Speicher am Montagabend. Bis auf eine Ausnahme gab es nur einstimmige Beschlüsse. Allein bei der Wasserversorgung für 2006 stimmte die fünfköpfige SPD-Fraktion gegen den Beschlussvorschlag, den die Ratsmehrheit mit 16 Stimmen durchbrachte. Bürgermeister Rudolf Becker (CDU) begründete die Gebührenanpassung unter anderem mit einem geringerem Wasserverbrauch. Als Gründe nannte er die Aufgabe der Wohnsiedlungen in Herforst und Speicher durch das US-Militär sowie Sparmaßnahmen der Verbraucher. Die Siedlungen würden zwar nach und nach durch neue Mieter belegt, aber: "Ein Deutscher verbraucht im Vergleich zu einem Amerikaner nur ein Drittel des Wassers."SPD: Erhöhung nicht notwendig

Von 472 000 Kubikmetern im Jahr 2002 stürzte der Verbrauch bis auf 419 000 Kubikmetern im Jahr 2004 ab. Da die VG-Werke ihre Investitionen dennoch abbezahlen, eine Rückstellung für Altersteilzeit bilden und höhere Energiekosten tragen müssten, bleibe nur eine Erhöhung um zehn Cent pro Kubikmeter. "Sonst machen wir 60 000 Euro Verlust", sagte Becker voraus. Gerhard Schneider (SPD) verwies jedoch auf den vorausgesagten wieder ansteigenden Wasserverbrauch bis auf 440 000 Kubikmeter im Jahr 2006. Daher sei eine Erhöhung der Gebühren nicht notwendig. Vergessen schien zu diesem Zeitpunkt der Bericht der Mittelrheinischen Treuhand. Prüfer Werner Weber hatte zu Beginn der Sitzung einen Jahresverlust bei der Wasserversorgung von 4340 Euro festgestellt, während im Vorjahr noch ein satter Gewinn zu Buche gestanden hatte. Als Hauptgrund nannte Weber ausdrücklich den deutlich geringeren Verbrauch. Eine untergeordnete Rolle spielen Wasserverluste durch Rohrbrüche, die Oswald Krumeichs (SPD) Besorgnis erregt hatten. "Wir haben 35 Rohrbrüche für 35 000 Euro behoben und in diesem Jahr weitere Leitungen repariert", berichtete Werkleiter Josef Schmitz. Einigkeit herrschte im Rat hingegen beim Betriebszweig Abwasserbeseitigung. Weber bilanzierte einen Jahresgewinn von rund 78 000 Euro. Da auch die Kalkulation für das kommende Jahr aufgeht, bleibt die Abwassergebühr unverändert. Neu ist lediglich eine gesonderte Gebühr für das Einsammeln, die Abfuhr und Beseitigung von Schmutzwasser aus geschlossenen Gruben. Damit trägt die VG dem Mehraufwand gegenüber der Einleitung in einen öffentlichen Kanal Rechnung. Bei der Abstimmung über den kompletten Wirtschaftsplan 2006 der Werke enthielt sich die SPD-Fraktion. Alle anderen Ratsmitglieder stimmten dafür.Ortsgemeinden zahlen höhere Sonderumlage

Als "Lichtblick" und im Vergleich mit anderen Kommunen "hervorragendes Ergebnis" bezeichnete Becker den Haushalt 2006. "Wir stehen super da", befand auch Wolfgang Faber (CDU). Von 3,4 Millionen Euro Ausgaben im Verwaltungshaushalt sind nur 43 200 Euro nicht gedeckt. Der Vermögenshaushalt umfasst 303 000 Euro. Allein die Sonderumlage für die Grundschulen in Trägerschaft der VG steigt von 6,281 auf 6,4308 Prozent. Werner Pick (SPD) führt die "nur vordergründig entspannte Haushaltslage" in erster Linie auf höhere Umlagenzahlungen der Ortsgemeinden und höhere Schlüsselzuweisungen des Landes zurück. Pick monierte das hohe Defizit im Bereich "Soziale Sicherung" und kräftig steigende Kreditaufnahmen. Sinnvoller als ein Nordic-Walking-Parcours seien ein Geologie- und Geschichtspfad oder eine Verbesserung des Radwegenetzes. Weil insgesamt ein Sparwille erkennbar sei - etwa bei der Reduzierung der Personalkosten - trage die SPD den Haushalt mit. Daraufhin beschloss der Rat den Entwurf einstimmig.