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Naturschutz: Amphibienanlage bei Kruchten: Sicherheit für Mensch und Tier

Kostenpflichtiger Inhalt: Naturschutz : Amphibienanlage bei Kruchten: Sicherheit für Mensch und Tier

Sinnvolle Maßnahme oder Geldverschwendung und Verschandelung der Landschaft? Zu der Amphibienleitanlage bei Kruchten gibt es verschiedene Ansichten.

Das Leben von Kröten kann gefährlich sein. Vor allem im Frühjahr, wenn die Tiere sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen machen, nachdem sie aus ihrer etwa viermonatigen Winterstarre erwacht sind. Bei etwa sechs Grad und feuchter Witterung machen sie sich in großen Scharen auf zu ihren Laichgewässern, erklärt Michael Hahn, Amphibienexperte beim Naturschutzbund Südeifel. Müssen die Tiere auf dem Weg dahin  Straßen überqueren, endet das für viele von ihnen tödlich.

Auch in der Nähe von Kruchten bei der Landesstraße 3 ist ein Weg, auf dem die Amphibien im Frühjahr unterwegs sind. Darunter sind auch seltene Gelbbauchunken, die sich zu den dort befindlichen Tümpeln aufmachen.  Da das Problem mit der Krötenwanderung bekannt ist, wurde  in den vergangenen Jahren immer eine Umleitung eingerichtet, bei der die Autofahrer längere Wege in Kauf nehmen mussten.

In diesem Jahr sollen die Kröten ohne Gefahr wandern können. Dafür wurde eine Amphibienleitanlage gebaut. Es handelt sich dabei um Metallbarrieren und Tunnel, die die Tiere nutzen sollen. Insgesamt sieben Amphibientunnel auf der L 3  und einen weiteren auf der K 1 sind inzwischen gebaut worden. Durch diese Unterführungen, die etwa einen Meter hoch und einen Meter breit sind, sollen Kröten  sicher auf die andere Straßenseite gelangen. Andere, mitunter tödliche Wege über den Asphalt werden den Tieren durch Bleche verbaut, so dass die Tiere keine andere Möglichkeit mehr haben, als durch den Tunnel zu gehen.

Diese Anlage gefällt aber nicht jedem. Jochen Horstmann, Jagdpächter aus Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen, hat sich deshalb an die TV-Redaktion gewandt. „Das Ausmaß dieser monströsen Anlage ist nun deutlich erkennbar und erinnert eher an den früheren Westwall, denn an eine Naturschutzanlage“, schreibt er in seiner Mail an die Redaktion. Außerdem sieht er den Wildwechsel gefährdet. Desweiteren befürchtet er, dass die Anlage für Autofahrer zu einer tödlichen Falle werden könnte. Er hat mittlerweile einen Brief an Umweltministerin Ulrike Höfken geschickt, den diese allerdings noch nicht beantwortet hat. Aber das Schreiben hat mittlerweile  den Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein erreicht.

Mario Wielvers nimmt dem TV gegenüber dazu Stellung. Die Baumaßnahme sei notwendig, weil eine vor rund 20 Jahren gebaute Leitanlage marode sei und der Beton wegbröckele. Außerdem sei sie von den Amphibien umgangen worden. Und auch für die Höhe der Metallbarrieren hat er eine Begründung. Die 40 Zentimeter seien notwendig, weil die Amphibien sonst drüberspringen könnten. Für den Wildwechsel sieht Wielvers keine Gefahr. Zum einen könnten sie die Höhe überwinden, oder die Roste nutzen, deren Gitter so bemessen sind, dass die Amphibien hineinfallen, um von dort aus ihren Weg unterirdisch durch den Tunnel fortzusetzen, aber fein genug, dass Wild darüber laufen kann. Er verweist auf Richtlinien, in denen diese Dinge festgeschrieben sind.

Die Böschungen müssten relativ hoch sein, weil man den Eingriff in private Flächen gering halten wollte. Außerdem seien sie durch Mähmaschinen so besser zu pflegen. Es gebe aber genug flachere Stellen, die das Wild nutzen könne. Man habe sich den Wildwechsel zuvor angeschaut.

Dass die Anlage derzeit nicht schön aussieht, gibt Wielvers zu. „Die Bauarbeiten sind erst zu etwa zwei Drittel abgeschlossen“, erklärt er. Es werde noch Rasen angesäht. „Es wird noch freundlicher“, versichert Wielvers.

Einiges getan werden muss auch noch an der Straße. Die Asphaltarbeiten konnten vor Weihnachten nicht mehr erledigt werden und auch derzeit passt die Witterung noch nicht. Desweiteren müssen noch Gräben aufgefüllt und Schutzplanken installiert werden.

Die ganze Baumaßnahme kostet knapp 700 000 Euro. Davon entfällt cirka die Hälfte auf die Amphibienleitanlage. Der Rest wird für die Straßenbaumaßnahmen, die laut Wielvers ohnehin notwendig waren, benötigt. Bei den Gesamtkosten von rund 693 000 Euro übernimmt der Kreis 347 000 Euro.

Eine Summe, die Jagdpächter Jochen Horstmann bitter aufstößt. Er sei ja durchaus für Naturschutz, halte diese Ausgaben aber für übertrieben. Michael Hahn vom Nabu sieht das vollkommen anders. Er kenne die Situation an der Stelle seit vielen Jahren. Viele Tiere seien dort totgefahren worden. Er habe deshalb die Naturschutzbehörde und das LBM kontaktiert. Danach sei die Sache geprüft worden und es wurde festgestellt, dass rund zwei Drittel der Amphibien die Überquerung der Straße nicht überlebt hätten. Außerdem seien dabei auch sehr seltene Arten wie beispielsweise die Geburtshelferkröte oder die Gelbbauchunke bei der Untersuchung festgestellt worden. An anderen Stellen, an denen keine Querungshilfen gebaut wurden, seien die Tiere nicht mehr vorhanden.

Hahn sieht in der Anlage auch Vorteile für die Autofahrer. Zum einen könnten gefährliche Situationen entstehen, wenn jemand plötzlich wegen der Tiere ausweicht. Und auch die Straßensperrungen im Frühjahr wären oft auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Ich kann nachvollziehen, dass manche Menschen das für Verschwendung halten“, aber dennoch sei er vom Sinn einer solchen dauerhaften Amphibienleitanlage überzeugt.

Solche Gelbbauchunken machen sich bei Kruchten auf den Weg zu den Laichgewässern. Um sie und andere Arten dauerhaft zu schützen, wurde eine aufwendige Amphibienleitanlage gebaut. . Foto: dpa/Peter Steffen

Kreisjagdmeister Gerd Grebener sieht durch die Anlage keine Gefahr für den Wildwechsel. „Das Wild sucht sich seinen Weg“, ist er überzeugt.