An der Grenze zu Luxemburg boomt der Wohnungsbau in der Eifel

Dank der Nähe zu Luxemburg : Bauboom an der Sauer

Nur die Sauer trennt Luxemburg von der Südeifel. Die Nähe und die hohen Immobilienpreise im Nachbarland haben in deutschen Orten entlang des Flusses zu einem Bauboom geführt. Die Zahl der Bauanträge hat sich mehr als verdreißigfacht - mit  erstaunlichen demografischen Folgen.

Nur 20 Meter Sauer trennen das Großherzogtum Luxemburg von der Südeifel. Doch diese 20 Meter haben es in sich. Sie markieren nicht nur eine Ländergrenzen,  sondern auch eine Grenze der Immobilien. Auf deutscher Seite herrscht an der Sauer ein regelrechter Bauboom. Denn wer an der Sauer entlang durch die Eifel fährt, sieht Baustellen und Schilder, die auf Baustellen und Großprojekte hinweisen. Wer aber baut dort? Grenzgänger, die in Luxemburg arbeiten? Oder Luxemburger, die lieber in Deutschland leben wollen?

Bauanträge Vergleicht man die Zahlen der an die Sauer grenzenden Kreisgebiete der Ortsgemeinden Minden, Echternacherbrück, Bollendorf und Wallendorf, zeichnet sich ein klares Bild ab: Denn wertet man die eingegangenen Bauanträge für Wohnhäuser oder Wohnbauvorhaben aus, ist ein deutlicher Anstieg erkennbar. Im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 gingen in Minden noch keine, in Echternacherbrück zwei, in Bollendorf einer und Wallendorf keine Bauanträge ein. In dem Zeitraum ab 2014 bis heute jedoch wurden für Minden 13, Echternacherbrück 52, Bollendorf 27 und Wallendorf drei Bauanträge gestellt. Das bedeutet einen Anstieg von mehreren hundert Prozent.

Laut Kreisverwaltung Bitburg-Prüm errichten Bauträger in der Regel Mehrfamilienhäuser, deren Wohnungen dann als Eigentumswohnungen verkauft werden. Größere Wohnprojekte in Echternacherbrück und Bollendorf werden meistens durch Bauträgergesellschaften gebaut, Einfamilienhäuser durch private Bauherren.

Einwohner 2009 lebten in Wallendorf 346 Einwohner insgesamt. Davon waren 277 deutsch, 39 waren aus Luxemburg. Zehn Jahre später, 2019, sind von den inzwischen 372 Einwohnern Wallendorfs 212 aus Deutschland und 93 aus Luxemburg.  In Minden lebten im Jahr 2009 insgesamt 209 Menschen, davon waren 188 deutsch und 12 Luxemburger. 2019 zählt der Ort insgesamt 265 Einwohner: 175 aus Deutschland und 47 aus Luxemburg. In Echternacherbrück lebten 2009 589 Einwohner, 392 aus Deutschland und 135 aus Luxemburg. Zehn Jahre später sehen diese Zahlen anders aus: Insgesamt 958 Menschen leben in dem Ort an der Sauer. Davon sind 374 aus Deutschland und 339 aus Luxemburg. Von insgesamt 1514 Einwohnern in Bollendorf waren 2009 1267 Deutsche und 145 Luxemburger.  Im Jahr 2019 sind von insgesamt 1710 Einwohnern 1083 Deutsche und 309 Luxemburger.

Die Region an der Sauer Hubert Franzen von Alpha-Immobilien, sieht an der Sauer vor allem einen Trend zu Eigentumswohnungen – insbesondere in den vergangenen vier bis fünf Jahren. Dort wohnen vor allem deutsche und luxemburgische Grenzgänger, wie er sagt.

Foto: TV/Schramm, Johannes

Als einen Vorteil der Region sieht Franzen vor allem die Infrastruktur der Orte. Zudem seien sie gut mit Geschäften und Ärzten ausgestattet.  Was auffällt: „Es handelt sich vor allem um Objekte von Bauträgern, die als Eigentumswohnungen verkauft werden“, sagt Franzen. Vielen reiche heute eine Eigentumswohnung. „Heute muss es kein Haus mehr sein“, sagt Franzen. Denn das müsse gepflegt werden, teilweise komme noch ein Garten dazu. „Das ist zusätzlicher Stress zum Beruf, viele wollen das nicht mehr.“ In den vergangenen 20 Jahren habe sich viel in dieser Hinsicht geändert.

„Die Preise sind ähnlich wie in der Kreisstadt Bitburg“, sagt er. Die Preise steigen mit den Baukosten, sagt Franzen. Diese steigen an, der Trend geht nach oben. Das liegt auch an der Preissteigerung beim Handwerk, denn die dort entstehenden Kosten müssen auch gedeckt werden. Bei dem Bau handele es sich vor allem um eine Bedarfsdeckung. Der Bedarf sei auf jeden Fall da, daher komme es zu einem kleinen Bauboom. „Bei weiterem Bedarf wird der Boom sicher auch noch weiter wachsen, denn der Bedarf wird nicht geringer. Und die Bedürfnisse haben sich geändert.“

Gründe für den Bauboom: Irene Mees von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm sieht mehrere Gründe für den Bauboom der vergangenen Jahre: „Gerade in Zeiten niedriger Zinsen sind Investitionen in Sachwerte sehr gefragt. Einen positiven Einfluss hat auch die direkte Nähe zu unserem Nachbarland Luxemburg. Für viele Pendler, aber auch für Luxemburger, ist die Region zum attraktiven Wohnstandort geworden. Das spiegelt sich im etwas höheren Preisniveau wider.“ Dabei nehme auch das Interesse an Eigentumswohnungen zu. „Aktuell entstehen beispielsweise in Irrel drei Gebäude mit je acht attraktiven Eigentumswohnungen“, sagt Mees.

Das ImmobilienCenter Volksbank Eifel eG schließt sich dem an. „Wir schätzen die Nachfrage nach guten, neuwertigen Immobilien in der Grenzregion zu Luxemburg weiterhin als gut bis sehr gut ein.“ Das ImmobilienCenter Volksbank Eifel eG ist Vermittler verschiedener Bauprojekte, die durch Bauträger erstellt werden. Auch aktuell wird gebaut: „Derzeit entstehen in Bollendorf, Im Scheuerngarten, 30 Wohnungen im 1. Bauabschnitt, weitere 38 Wohnungen entstehen im 2. Bauabschnitt. In Irrel bieten wir im Projekt Neue Mitte 21 Wohnungen und Gewerbeflächen an.“

Der Trend gehe zu Eigentumswohnungen zur Selbstnutzung oder Vermietung. In den vergangenen zehn Jahren sei die Nachfrage nach Neubauten gut bis sehr gut, gewesen. Die Nachfrage nach Gebraucht-Immobilien sei eher rückläufig, die Nachfrage sinke hier mit dem Alter des Hauses. Dabei ist auch festzustellen: „Das Preisniveau ist gehoben, niedrigpreisige, ältere Wohnhäuser sind weniger gefragt.“

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