An einem Strang ins Netz

Was lange währt, wird endlich schnell: Die Ortsgemeinde Esch im Oberen Kylltal wird in absehbarer Zeit mit einer der schnellsten Internet-Verbindungen in der Region versorgt sein - dank Eigenleistung und Spenden, wie bereits beim Bau des neuen Gemeindehauses, der Leichenhalle und der Waldhütte (der TV berichtete).

Esch. "Zu einer ordentlichen Infrastruktur gehört heute neben Straßen und Wasserleitungen auch eine gute Internetverbindung", sagt der Escher Ortsbürgermeister Edi Schell (CDU). "Damit ein Dorf auch attraktiv bleiben kann."

Die Leitung sollen sie bekommen, die mitsamt Zweitwohnsitzen rund 620 Bürger von Esch. Aber so schnell sie dann auch surfen dürfen, so lange hat es gedauert, bis der Vertrag mit der Telekom unter Dach und Fach war: Im Januar 2008 klopften die Escher erstmals in Bonn an. Und schon vorher hatten es einige Bürger alleine versucht - ohne Erfolg.

"Es waren schwierige Verhandlungen", sagt Ortsbürgermeister Schell. "Aber wenn man hartnäckig bleibt, führt das letztlich zum Erfolg. Das hat sich bisher in Esch bei allem erwiesen."

Wie immer auf dem dünn besiedelten Land lohnt sich der Einbau für den Konzern nur dann, wenn Zugeständnisse gemacht werden. Im Fall von Esch heißt das unter anderem: Eigenleistung. Und die haben sie jetzt erbracht: Mit gemietetem Bagger und sechs Freiwilligen - Alfred Czajka, Rudi Michels, Axel und Matthias Berscheid, Johannes Neumann und Toni Vogelsberg.

Die ehrenamtlich arbeitenden Männer zogen einen 600 Meter langen Graben vom Ortsausgang bis zum Waldstück in Höhe des Ehrenfriedhofs und legten ein Leerrohr hinein. In dem Waldstück verläuft ein Telekom-Fernkabel, am anderen Ende stehen die Verteilerkästen für die Telefonanschlüsse im Dorf. Nach Abschluss der Arbeiten sollen weitere Kästen alles miteinander verbinden. Der Konzern wird in den kommenden Monaten loslegen: "Jetzt warten wir auf die Telekom, die die Kästen setzt und die Leitungen anschließt", sagt Schell. Damit könnten die Bürger voraussichtlich ab September mit einer der schnellsten Leitungen im Oberen Kylltal ins Netz.

Kosten: rund 30 000 Euro, davon erhält die Telekom 27 699 Euro. Der kleinere Restposten ist vorgesehen für Baggermiete, Benzin, Lava zum Abdichten und andere "Nebenkosten". Das Geld zahlt die Gemeinde, aber auch hier helfen die Bürger: "Viele haben immer wieder gefragt, ob sie etwas spenden können", sagt Schell. "Vor allem diejenigen, die die Leitung auch später nutzen - um die anderen zu entlasten, die ja auch dafür bezahlen." Wie und auf welches Konto man spenden kann, erfährt man beim Ortsbürgermeister.

"Die Bereitschaft der Bürger, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist ungebrochen. Aber das darf man auch nicht überstrapazieren", sagt Schell. "Da muss jetzt auch mal langsam eine längere Pause gemacht werden." Extra Esch und das Internet: Schon im Vorjahr berichtete der TV über das Dorf und eine schnelle Leitung - die aber war gar nicht für die Escher selbst gedacht. Stattdessen ermöglichte die Ortsgemeinde drei Nachbardörfern in Nordrhein-Westfalen einen schnellen Internet-Zugang über die Landesgrenze hinweg, weil auf NRW-Seite keine Verstärkerstelle in der Nähe stand. Deshalb zog man einen vier Kilometer langen Graben, rund 600 Meter davon diesseits der Landesgrenze, bis zur "Verstärkerstelle Jünkerath" auf der Gemarkung von Esch. Die Bürger von Esch durften jedoch den gleichen Anschluss nicht benutzen, weil sie ansonsten zu einem anderen Ortsnetz gehört und neue Telefonnummern bekommen hätten. (fpl)