Einiges an Potential Fachbüro gibt Empfehlungen zur weiteren Entwicklung des Tourismus im Eifelkreis

Biotburg · Ein Tourismus-Fachbüro aus Hamburg hat das touristische Angebot des Eifelkreises untersucht. Noch habe der Kreis sein Potenzial nicht komplett ausgeschöpft.

 Mit historischen Gebäuden wie dem Schloss Weilerbach kann der Eifelkreis punkten. Touristische Höhepunkte wie diesen sollten laut der Analyse noch besser vermarktet werden.

Mit historischen Gebäuden wie dem Schloss Weilerbach kann der Eifelkreis punkten. Touristische Höhepunkte wie diesen sollten laut der Analyse noch besser vermarktet werden.

Foto: TV/Frank Auffenberg

Urlaub im eigenen Land – spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist das Reisen durch die Regionen Deutschlands zu einem regelrechten Trend geworden. Nicht nur die Städter scheint es immer mehr in die Natur vor der eigenen Haustür zu ziehen. Mittlerweile hat sich auch herumgesprochen, dass das Mittelgebirge im Westen der Bundesrepublik viel zu bieten hat. „Allerdings zeigt sich bei einer von uns beauftragten Analyse auch, dass der Eifelkreis Bitburg-Prüm noch nicht so sehr vom Trend profitiert, wie er könnte“, sagt Anna Carina Krebs, Tourismusmanagerin bei Felsenland Südeifel Tourismus. Das Papier führe allerdings auch etliche Möglichkeiten auf, mit denen das Angebot verbessert werden könnte.

Stolze 475 Seiten ist die Analyse des Hamburger Büros für Freizeitwirtschaft FWI stark und damit ein ziemlicher Brocken. Die Lektüre lohnt sich aber durchaus. „Sie geht sehr tief und blickt genau in jedes Gebiet unserer vier Tourismusbüros hinein“, sagt der Leiter der Tourist-Information Prümer Land Sebastian Wiesen. Die Betrachtung der aktuellen Lage zeige zwar, dass die Touristiker im Kreis bereits viel gemacht haben, führe aber auch Empfehlungen auf, mit deren Umsetzung noch mehr Menschen für den Eifelkreis zu begeistern wären. Um in dem detailreichen Papier den Überblick zu behalten, werden elf Leitprojekte mit größerer Strahlkraft genannt. Sie könnten priorisiert umgesetzt werden (siehe Info).

Allem vorangestellt wird beispielsweise eine „Beratungsoffensive für das Gastgewerbe“. Die Fachleute erklären, dass im Eifelkreis Gastgeber meist kleinere oder mittlere Familienunternehmen seien. Die wiederum stünden vor vielen Herausforderungen wie unter anderem die Digitalisierung, der Fachkräftemangel, mögliche bürokratische Hürden aber auch der Unternehmensnachfolge. Eine zentrale Beratungsstelle könne ihnen als wichtiger Partner helfen, das alles zu bewältigen.

Für den sogenannten Erlebnisraum Ourtal wird angeregt, die bestehenden Angebote zu verbessern. So sei es interessant zu erwägen, das Waldjugendheim in Dasburg zu einem Natur- und Walderlebniszentrum auszubauen und die Landestforsten Rheinland-Pfalz mit an Bord zu holen. Vergleichbare Angebote in anderen Regionen, die Landesforsten seien jetzt schon vier ähnliche Einrichtungen beteiligt, werden gut angenommen.

Interessant für den Islek sei auch die Einrichtung einer „Drei-Länder Marktscheune“ – sie könne zum Beispiel in die Konzeption der Neuen Mitte Arzfeld integriert werden. Regionale Produkte seien ebenso im Kommen wie das Thema Markthalle, die wiederum dank der günstigen Lage von Arzfeld viele Gäste anlocken könnte.

Für die Stadt Bitburg regen die Planer an, das Thema Bier weiter in den Mittelpunkt zurücken. Zwar werde mit der Biererlebniswelt bereits etwas angeboten, das Feld könne aber weiter ausgebaut werden. Neben Kursen für Sommeliers und Hobbybrauern, seien auch Feste oder Veranstaltungen interessant. Als Vorbild nennt das Büro beispielhaft eine Initiative der Störtebeker Brauerei in Stralsund. Sie habe die „Deutsche Meisterschaften der Hobbybrauer“ ins Leben gerufen. Auch Bierkutschen-Fahrten seien interessant oder Raderlebnistouren auf einem Hopfenpfad in die nahelegenen Anbaugebiete.

Der Trend des „Slow Traveling also des langsamen, bewussten Reisens könne Chancen für das Kylltal bieten, wo ähnliches bereits aufgegriffen werde. In St. Thomas sei zum Beispiel das Grundkonzept mit der Idee der Ruhe und Achtsamkeit schon im Kloster zu finden. Unter Slow Travel verstehe man auch das Konzept „Alberghi Diffusi“ – das im übertragenen Sinne so viel wie „Zerstreute Hotels“ bedeutet und den Tourismus als Dorfretter begreife. Historische Gebäude, Höfe und Hotels würden mit Übernachtungsmöglichkeiten aufgewertet, die Identität des Ortes aber gleichzeitig bewahrt.

Ein „Barrierefreier Hotspot Stausee Bitburg“ wird als Chance für das Gebiet rund um den See angeregt. Die Grundlagen seien vorhanden, mit dem geplanten „Gartens der Barrierefreiheit“, einem Wanderwegkonzept, das bei Auw umgesetzt werden soll, sei ein erster Schritt in diese Richtung gemacht.

Die schon vorhandenen Angebote auf dem Schneifelrücken regten die Planer zum Vorschlag an, eine Outdoor-Erlebnisregion Schneifel in den Fokus zu rücken. Skifahren und Wandern seien dort schon fest etabliert und könnten mit Mountain-Bike-Strecken hervorragend ergänzt werden. Dabei sei der Markt für solche Fahrrad-Angebote weiter wachsend und noch nicht viel vergleichbares zu finden. So werden die aktuell laufenden Planungen für den Aufbau eines Mountain-Bike-Angebots (der TV berichtete) auch ausdrücklich begrüßt.

Unbedingt auszubauen seien die touristischen Angebote der Abteistadt unter dem Stichwort „Kulturelles Zentrum Prüm“. Geschichtlich werde im Zusammenhang mit den Karolingern schon eine Menge geboten, überdurchschnittlich viele Künstler und Einrichtungen seien in der nahen und auch ferneren Umgebung zu finden. Ebenfalls vorhanden sei eine große Infrastruktur von Einrichtungen wie der Künstlersiedung Weißenseifen und auch Veranstaltungen wie die Jahresschau der Europäischen Vereinigung bildender Künstler aus Eifel und Ardennen.

Für die Südeifel erkennen die Analysten vor allem Potenzial im Ausbau der Angebote rund um die Teufelsschlucht. Die laufenden Entwicklungsplanungen seien zu begrüßen. Die Ziele ließen sich am besten erreichen, wenn die vorgesehenen Funktionen, wie Naturparktor, Naturparkakademie und Ausflugsgastronomie, zentral am meist besuchten Punkt angesiedelt werden: den Zugangsbereich des Dinosaurierparks, dessen Bestandsbauten ertüchtigt oder erneuert werden müssten. Jetzt schon sei der Tourismusort Bollendorf einer der am stärksten Besuchten in des Kreises. Auch hier müsse man dran ansetzen und neue Freizeitattraktionen und weitere Übernachtungsangebote schaffen.

Unbedingt in den Blick nehmen solle man zudem das Thema Mittelalterliche Felsenstadt Neuerburg. Begrüßenswert seien die Pläne, einen Klettersteig aufzubauen, die Gastgeberbetriebe sollten zudem modernisiert und bei ihrer Arbeit unterstützt werden und der geschichtlich interessante Charakter der Stadt weiter unterstrichen werden.