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Andacht mit Abstand: Die meisten Kirchen wollen noch nicht öffnen

Wie Eifeler Pfarreien mit Corona-Auflagen umgehen : Andacht mit Abstand: Die meisten Kirchen in der Eifel wollen noch nicht öffnen

Gottesdienst mit Mundschutz, geht das? Da scheiden sich bei den Eifeler Pfarrern die Geister. Die einen lehnen Messen mit hohen Auflagen kategorisch ab, andere warten noch, und die Prümer starten schon mal.

Pfarrer Sebastian Kost steht vor einer weißen Wand. Auf dem Tischchen vor ihm: eine aufgeschlagene Bibel, eine brennende Kerze, ein Blumengesteck. „Wenn wir den Eindruck haben, wir können nichts tun, dann fühlen wir uns, als wären uns die Hände gebunden“, sagt Kost in die Kamera. Seine Stimme hallt durch den leeren Raum, über die freien Kirchenbänke.

Kosts Satz beschreibt die Situation vieler Menschen in der Corona-Krise. Er passt aber auch auf die gegenwärtige Lage der Kirchengemeinden im Land. Denn auch sie hat das Virus seit Wochen im Griff.

Seit 3. Mai dürfen Protestanten und Katholiken zwar wieder zu Gottesdiensten einladen. Die Auflagen aber bleiben hoch, und die Gläubigen, Presbyterien und Dekanate deswegen auch skeptisch. Eine Umfrage in den Eifeler Gemeinden zeigt: Kaum jemand ist bereit, derzeit die Kirchenpforten zu öffnen.

Eine Ausnahme macht die Pfarreiengemeinschaft Prüm. Die bereits ab kommenden Sonntag, 9. Mai, zur Messe in die Basilika einlädt. Freilich unter Einhaltung hoher Sicherheitsvorkehrungen, die das Bistum Trier für die Feiern vorschreibt: Es dürfen nicht mehr als 100 Gläubige teilnehmen, und die müssen sich vorher anmelden (Telefon: 06551/1474618). In der Kirche gelten Abstandsregeln, Hände müssen desinfiziert und ein Mundschutz getragen werden. Diese Auflagen will der Bitburger Pfarrer Thomas Weber seiner Gemeinde hingegen ersparen. Andachten mit Abstand, Maskenpflicht, Desinfektionszwang und ohne Gesang stellt sich der Gottesmann „furchtbar“ vor: „Sollen die Leute stumm und einsam in ihren Bänken sitzen?“

Der katholische Priester ist sich sicher: Unter diesen Umständen sei ein „würdiger“ Gottesdienst nicht möglich. Weswegen der Rat der Pfarrreiengemeinschaft Bitburg, zu der auch Kirchen in Fließem und Erdorf gehören, einstimmig beschlossen hat, darauf noch weiter zu verzichten: „Wir hoffen auf weitere Lockerungen.“

Und Weber ist nicht der einzige Gottesmann, der so denkt. Auch das Dekanat Vulkaneifel kündigt an, in den nächsten Wochen weiterhin auf öffentliche Gottesdienste zu verzichten. Dechant Klaus Kohnz erklärt dazu: „Ganz wichtig ist uns, dass man wieder singen darf.“ Die Mundschutzpflicht in der Kirche hält er für „eine Zumutung“.

Ganz so drastisch drückt sich Sebastian Peifer, Pfarrer für Neuerburg und Arzfeld, nicht aus. Aus organisatorischen Gründen komme aber auch für seine Gemeinde erst frühestens zu Christi Himmelfahrt, am 21. Mai, ein Start der Messen in Frage.

Bei den Protestanten sieht man das etwas anders. Hans-Ulrich Ehinger, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Bitburg, sagt: „Es gibt Menschen, die brauchen physische Gottesdienste, das gemeinsame Gebet. Da müssen wir ihnen das auch unter den neuen Gegebenheiten möglich machen.“ Und das sei durchaus möglich, glaubt Ehinger. Eine Entscheidung im Presbyeterium erwartet der Pfarrer am 12. Mai.

In der evangelischen Gemeinde Daun will man sich laut Pfarrer Frank Meckelburg noch diese Woche zusammensetzen, um über künftige Messen nachzudenken. Klar sei für ihn: „Wenn wir statt 50 oder 60 Gläubigen nur noch 15 reinlassen dürfen, würde das keinen Sinn machen.“ Ansonsten aber stehe er der Sache offen gegenüber.

Solange keine Entscheidung gefallen ist, können Eifeler Christen zumindest online weiterhin am Kirchenleben teilhaben. Etwa mit den Youtube-Andachten der evangelischen Kirche Daun oder den Livestreams der Bitburger Protestanten.