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Anne Frank: Theater Trier führt „Annelies“ in Stadthalle Bitburg auf

Konzert : Gastspielreihe in Bitburg beginnt mit berührenden Stimmen, die eine tragische Geschichte erzählen

Viel Applaus in der Bitburger Stadthalle: Dort zeigte ein Ensemble des Theaters Trier am Donnerstag das Oratorium „Annelies“.

Es ist ein erfreulicher Anlass, der am Donnerstagabend in die Bitburger Stadthalle lockt. Und zugleich ist es ein tieftrauriger. Erfreulich deshalb, weil es die erste Vorstellung des Theaters Trier in Bitburg ist und damit der Auftakt einer Kooperation, im Rahmen derer mehrere Vorstellungen in der Stadthalle geplant sind. Tieftraurig, weil „Annelies“ gezeigt wird, ein Oratorium nach dem Tagebuch der Anne Frank. Passend zum Holocaust-Gedenktag an diesem Donnerstag.

Der Rahmen ist schlicht. Eine einfache, in Stufen aufgebaute Bühne für den Chor. Davor – auf einer Höhe mit den Zuschauern – ein Klavier, Stühle für Cellist, Geiger und Klarinettist. Sänger und Musiker selbst sind ganz in Schwarz gekleidet. Über dem Opern­chor ist auf eine große Leinwand Anne Franks Bild projiziert.

 Sopranistin Silja Schindler (links) singt in Bitburg die Hauptrolle im Oratorium „Annelies“.
Sopranistin Silja Schindler (links) singt in Bitburg die Hauptrolle im Oratorium „Annelies“. Foto: Trierischer Volksfreund/Veronika Königer

Die Vorstellung beginnt laut, aber wortlos. Zum Einstieg in das Oratorium lassen die Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen voluminös erklingen, ohne Worte zu formen. Die hohen und tiefen Töne, die sich in­einander­schlingen, rütteln die knapp 100 Zuschauer im Saal auf und stimmen sie auf das ein, was kommt.

Dann: Die erste gesungene Zeile. „Up above you can hear the brea­thing“, also „über uns kann man das Atmen hören“. Eine Passage aus dem Tagebuch der Anne Frank, die vorwegnimmt, was am Ende ihrer Geschichte steht: Die National­sozialisten finden das jüdische Mädchen und andere Verfolgte in ihrem Versteck und bringen sie in Konzentrations­lager.

Vor diesem düsteren Hintergrund wirkt die Geschichte von Anne Frank, die das Oratorium nach dem Einstieg in chrono­logischer Reihenfolge erzählt, besonders tragisch. Der Komponist James Whit­bourn hat die Zeilen aus dem Tagebuch des jüdischen Mädchens so zusammengestellt, dass sie in 14 Kapiteln vom Plan des Ver­steckens über die Zeit im Ver­borgenen bis zur Gefangen­nahme durch das Schicksal des Mädchens führen. Den ins Englische übersetzten Worten haucht der Opernchor des Theaters Trier Leben ein, begleitet von Musikern des Philharmonischen Orchesters.

Manchmal tun das die Sängerinnen und Sänger gemeinsam, Männer- und Frauen­stimmen wechseln sich ab und ergänzen sich. Immer wieder hat die Sopranistin Silja Schindler aber auch Solo-Passagen. Mit ihrer beeindruckenden Stimme legt sie Gefühl in die Worte, die vor Jahrzehnten geschrieben wurden, versteckt hinter einem Bücherregal. Mal hoffnungsvoll, mal kindlich-fröhlich, dann wieder traurig, verzweifelt, ängstlich.

Schindlers Mimik begleitet, was sie singt. Und auch wenn sie schweigt, zeigt sich in ihrem Gesicht, dass sie die Worte des Oratoriums fühlt. Vor allem bei der Zeile „one day this terrible war will be over, and we’ll be people again, and not just Jews“ – „eines Tages wird dieser schreckliche Krieg vorüber sein, und wir werden wieder Menschen sein und nicht nur Juden“. Im Scheinwerferlicht wirkt es, als würden bei diesen Worten in Silja Schindlers Augen Tränen stehen. Sie schließt sie kurz, bevor sie wieder zum Singen ansetzt.

Die Stimmung, die auch die anderen Chor­mitglieder mit ihrem Ausdruck deutlich vermitteln, wird im Lauf des Stücks immer bedrohlicher – genauso wie die Musik, die den Chor begleitet. Dann schweigen die Instrumente, und die Männer singen mit tiefen Stimmen davon, wie die jüdische Familie in ihrem Versteck entdeckt, verhaftet und schließlich in Konzentrations­lager gebracht wird.

Ein letztes Mal setzen die Musiker an. Der Chor singt, wie Anne Frank über den blauen Himmel philosophiert, dessen Anblick es so wirken lässt, als ob alles gut wird. Die Lichter im Saal werden immer dunkler. Nachdem die letzten Worte verhallt sind, verharren Künstler und Publikum einen Moment in Stille und Dunkelheit. Dann löst sich die beklemmende Stimmung, und Applaus bricht los.

Die nächste Vorstellung aus der Kooperations-Reihe des Theaters Trier und der Stadt Bitburg ist „Auerhaus“ am 12. März. Weitere Informationen gibt es hier.