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Anwalt, Zuhörer und Freund

Anwalt, Zuhörer und Freund

Alwin Houscht aus Biesdorf war 27 Jahre lang nebenamtlicher Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Neuerburg (jetzt VG Südeifel). Er wird heute, Donnerstag, in der Sitzung des VG-Rats in Weidingen verabschiedet. Sie beginnt um 18 Uhr.

Biesdorf. "Niemals geht man so ganz", heißt ein Lied, mit dem die Schlagersängerin Trude Herr kurz vor ihrem Karriereende noch ganz oben in den deutschen Charts landete. Und so ein bisschen passt dieses Lied auch zum Abschied von Alwin Houscht, der nach 27 Jahren seine Arbeit als nebenamtlicher Jugendpfleger der Alt-VG Neuerburg (heutige VG Südeifel) niederlegt.
Ein bisschen mulmig werde ihm schon sein, wenn er in der heutigen Sitzung des VG-Rats offiziell seinen Hut nimmt, gesteht er im Gespräch mit dem TV. Schon mit 19 Jahren, 1978, ist Alwin Houscht im Pfarrverband Neuerburg in der katholischen Jugendarbeit aktiv. Dort wird man auf ihn aufmerksam und fragt ihn, ob er nicht nebenamtlicher Jugendpfleger der VG werden möchte. Und er möchte.
Die Kinder- und Jugendarbeit liegt ihm sehr am Herzen. Er leitet Jugendgruppen in Weidingen, Mettendorf, Karlshausen, Nusbaum, Biesdorf, Sinspelt, Körperich, Neuerburg und Geichlingen. "Ich habe Kontakt mit den Jugendlichen aufgenommen und versucht, ihnen zu helfen, dass sie in ihren Dörfern einen eigenen Raum bekommen", sagt der heute 56-Jährige.
Nach Feierabend setzt sich der Einzelhandelskaufmann, der im Modehaus Messerich in Bitburg auch für die Ausbildung zuständig ist, ins Auto und fährt in die Dörfer. Dort leitet er Jugendgruppen, bildet Gruppenleiter aus, setzt sich für die Kinder und Jugendlichen ein. Von Montag bis Freitag, 27 Jahre lang.
2002 erhält er für seinen Einsatz die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.
In den 80er Jahren gibt es weder Internet noch Handy, die Jugendlichen sind viel stärker als heute auf Angebote im Dorf angewiesen. "Die Jugendlichen wollten damals wie heute gerne einen Raum haben, den sie selbst gestalten können und den sie alleine zwanglos nutzen können", weiß Houscht, der sich vor Ort für den Nachwuchs starkmacht. Viele Treffpunkte sind so dank seiner Fürsprache entstanden, die es sonst nicht gegeben hätte. "Jugendliche haben oft kein Sprachrohr in den Gemeinden."
Houscht, der selbst keine Kinder hat, macht die Arbeit mit den jungen Leuten Spaß. In den Sommerferien organisiert er jeweils zwei Ferienfreizeiten für Acht- bis 13-Jährige und 14- bis 18-Jährige. Dafür opfert er drei Wochen seines Jahresurlaubs. Mehr als 50 Freizeiten hat er bislang begleitet.
Ist das nicht stressig? "Nein. Ich lege sehr viel Wert auf gezielte Planung. Das muss 100 Prozent stimmen, dann funktioniert das auch", sagt er. Unterstützung bekommt er seit 15 Jahren von seiner "rechten Hand", Karin Praus aus Mettendorf. Aber auch viele ehrenamtliche Helfer, Eltern und Ortsbürgermeister unterstützen ihn.
"Die Fahrten sind für mich immer etwas ganz Besonderes." Bei dem Organisieren von Spaßolympiaden, Stadtrallyes, Bewegungs- oder Brettspielen ist Houscht in seinem Element. "Diese Zeit mit den Kindern hat mir immer richtig viel Freude gemacht." Was ihn besonders freut, ist, dass es Kinder gab, die jedes Jahr dabei waren. "Die sind mit acht Jahren zum ersten Mal mitgefahren und mit 18 Jahren zum letzten Mal. Das war für mich ein Zeichen, dass es ihnen gut gefallen hat."
Für Houscht Dank genug. Er ist mehr der bescheidene Typ. Große Gesten und Worte sind ihm nicht wichtig, er arbeite lieber im Stillen. Auch mit der Presse spreche er heute eigentlich zum ersten Mal, sagt er und lacht.
Houscht wird ein Vakuum hinterlassen. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. "Das wäre eigentlich ein Vollzeitjob", sagt er. Es sei heute schwieriger, eine Gruppe von Jugendlichen mit ähnlichen Interessen zusammenzubekommen als früher. Trotzdem hält er es nach wie vor für wichtig. "Heute ist es fast nicht möglich, einen Tag zu finden, an dem alle können - so viele Termine haben die Kinder und Jugendlichen", sagt er. Früher habe es nicht so viele Freizeitmöglichkeiten gegeben. "Doch nicht jedes Kind spielt Fußball oder ein Instrument. Aber auch für die ist es wichtig, dass sie in Kontakt mit anderen kommen." Da sieht er vor allem die Erwachsenen in der Pflicht. Doch viele scheuen die Arbeit.
"Die Jugendarbeit hat mir alles bedeutet", sagt der scheidende Jugendpfleger. Dennoch möchte er sich zurückziehen, um mehr Zeit für andere Projekte zu haben.
So ist er seit 2009 Bürgermeister seines Wohnorts Biesdorf. Doch so ganz verzichten müssen die Kinder und Jugendlichen nicht auf ihn. So will er weiterhin in den Sommerferien Freizeiten anbieten.
Damit sind wir wieder bei Trude Herr. Er geht eben doch nicht so ganz, ein bisschen was von ihm bleibt hier.