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"Aoh Freck, watt hunn eich äänen am Kreiz!"

"Aoh Freck, watt hunn eich äänen am Kreiz!"

Einen Fastnachtsumzug veranstalten sie nie. Ein Prinzenpaar brauchen sie nicht. Just im Jubiläumsjahr muss die erste Kappensitzung wegen zu wenig verkaufter Karten ausfallen. Dafür ist die Sitzung des Karnevalsclubs Enner Ees aus Irrel am Samstag mit 400 Zuschauern ausverkauft.

Irrel. Er ist der Glöckner vom alten Kirchturm, Napoleon oder der letzte Soldat aus dem Westwallbunker - Charly Schleder (62) ist ein Original der Irreler Fastnacht und steht seit 33 Jahren in der Bütt beim Karnevalsclub (KC) Enner Ees in Irrel. Im Jubiläumsjahr 2013 - der KC wird 5 mal 11 Jahre alt - will er das letzte Mal den "taopijen Knecht" mimen. Gleiches gilt für den 56-jährigen Herbert Bares, der seit 25 Jahren die Irreler in der Bütt zum Lachen bringt, mit dem immer wiederkehrenden Charakter "Eardeler Thias" (Irreler Matthias), ein uralter Junggeselle, der gerne einen hebt. Dieses Jahr wird er zum letzten Mal mit dem Satz in die Bütt steigen: "Aoh Freck, watt hunn eich äänen am Kreiz!" (Verdammt, mit tut das Kreuz weh!). Beide wollen künftig den Jüngeren das närrische Feld überlassen.
Einer davon ist Marc Bares, erster Vorsitzender beim KC und selbst aus einer karnevalverrückten Familie stammend. Die Mutter war Gardetänzerin und später Trainerin, der Vater Karnevalspräsident - da hat das Fastnachtsfieber den damals Sechsjährigen schnell infiziert und von der Kinderbütt in die bei den großen Sitzungen gebracht, wo er seit Jahren mitmischt. Dazu ist Bares für die komplette Organisation der Kappensitzungen, normalerweise sind es zwei pro Session, verantwortlich.
Doch just im Jubiläumsjahr muss der Verein eine bittere Pille schlucken. Bares: "Wir mussten die erste Sitzung absagen, weil wir nur 40 Eintrittskarten verkauft hatten." Dafür ist die zweite Sitzung am Samstag, 9. Februar, ab 20.11 Uhr mit rund 400 Zuschauern komplett ausverkauft. Für den Vorstand ist klar - ab 2014 wird es nur noch eine Kappensitzung geben.
In den Vereinsfarben Rot und Weiss prangt ein nigelnagelneues Bühnenbild mit hölzerner Narrenkappe und Jubiläumswappen in der Irreler Gemeindehalle. Zum Geburtstag wurde ein großer neuer Umzugswagen gebaut. Auch in rot und weiß, im Design ähnlich wie das Bühnenbild. "Die Arbeit daran war sehr aufwendig. Wir haben bestimmt zweieinhalb Monate an dem Wagen gebaut", erklärt Bares. Entworfen hat beides Architekt und Vereinsmitglied Marco Heck. Selbst der Karnevalsorden wird jedes Jahr neu kreiert. Die Idee dazu stammt immer von Franz Adams.
Eine Geschichte ist dem alten Hasen, Charly Schleder, besonders in Erinnerung geblieben. In der Kappensitzung im Jahr 1985 war er als Doktor in der Bütt. "Ein Landwirt aus unserem Dorf ist immer überall aufgetaucht und reingestiefelt, in meiner Büttenrede habe ich ihn aufs Korn genommen. Der Mann war stocksauer." Zwei Tage später hätte er einen Brief von dessen Rechtsanwalt auf dem Tisch liegen gehabt. "Bei der nächsten Sitzung war mein Rechtsanwalt mit mir in der Bütt", sagt Schleder lachend. "Ich habe dann alles, was ich über den Landwirt gesagt hatte, öffentlich widerrufen." Das Publikum hätte wohl nie zuvor so laut gelacht. Noch heute würden die Irreler die Geschichte kennen.
Auf die Frage, ob man als erfahrener Fastnachtsredner noch Lampenfieber hätte, nicken Schleder und Bares. Schleder: "Auch nach 33 Jahren bin ich noch aufgeregt." Bares lachend: "Mich darf man vor einer Rede nicht ansprechen, so aufgeregt bin ich." MRA
Extra

Der Karnevalsclub (KC) Enner Ees Irrel wurde 1958 gegründet. Peter Wagner (82) ist das einzige noch lebende Gründungsmitglied. Unter den 30 aktiven Mitgliedern sind zwei Ehrenmitglieder: Richard Koch und Karl-Heinz Schramer, beide langjährige Vorsitzende des KC. MRA