Appell für neue Schulform

Appell für neue Schulform

Die Zeit drängt: Bis zum 15. März braucht die Grundschule Kyllburg 36 verbindliche Anmeldungen von Schülern, die ab dem neuen Schuljahr an vier Wochentagen bis 16 Uhr in der Schule betreut werden sollen. Liegen diese nicht vor, verfällt die Option zur Einrichtung einer Ganztagsschule.

Kyllburg. "Kinder froh, Lehrer stehend k.o" - so lautete die TV-Schlagzeile im August 2002, nachdem der erste Tag an der Ganztagsschule in Hillesheim beendet war. In Kyllburg schreckt dieses Szenario die Lehrerschaft offenbar nicht ab: Schulleitung und Kollegium der Grundschule Kyllburg wollen ihre Schule zum kommenden Schuljahr in eine freiwillige Ganztagsschule umwandeln und luden deswegen interessierte Eltern in dieser Woche zu einem Informationsabend. Rund 70 Mütter und Väter nahmen an der Veranstaltung teil, in der Schulleiter Wolfgang Rapp kräftig die Werbetrommel für die Ganztagsschule rührte. "Eine Ganztagsschule ist für jede Schule eine Aufwertung", betonte Rapp. Gerade angesichts der Tatsache, dass in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig seien, sei es wichtig, ein entsprechendes Angebot vor Ort zu schaffen, damit die Kinder montags bis donnerstags bis 16 Uhr gut betreut werden.

Die Gelegenheit dazu ist günstig, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Bernd Spindler, ausführte: Auf den Schulstandort kommen ohnehin tiefgreifende Veränderungen zu. Die Hauptschule ist nach den Sommerferien passé, die Kindertagesstättenkindern sollen vom Kyllburger Marktplatz in den Ostflügel des Schulgebäudes ziehen (der TV berichtete mehrfach).

Da träfe es sich gut, gleich auch die notwendigen Umbauarbeiten für eine Ganztagsschule vorzunehmen. Die Erlaubnis, zum kommenden Schuljahr Schüler an vier Wochentagen von montags bis donnerstags bis 16 Uhr in der Schule zu betreuen, hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) bereits erteilt. Jetzt hängt es an den Eltern, denn nur, wenn mindestens 36 Kinder zur Ganztagsschule angemeldet werden, wird sie eingeführt.

Der Zeitrahmen ist knapp bemessen: Bis zum 15. März braucht Schulleiter Wolfgang Rapp die verbindlichen Zusagen. Und noch steht nicht fest, ob diese Anmeldezahl erreicht wird. Bedenken äußerten einige Eltern bei der Informationsveranstaltung beispielsweise dahingehend, dass vomGesetzgeber bei der Ganztagsschule generell freitags keine Nachmittagsbetreuung vorgesehen ist. Das Angebot der neuen Ganztagsschule sei damit schlechter als die zurzeit in der Schule angebotene "betreuende Grundschule" (siehe Extra). "Wenn's wirklich an der Betreuung am Freitagnachmittag hängen sollte, werden wir eine Lösung finden", versprach Rapp.

Weniger Einfluss hat der Schulleiter dagegen auf die Entscheidung, wie die Kinder künftig mittags verpflegt werden könnten: Der VG-Rat hatte in der vergangenen Woche entschieden, eine Mensa mit Küche einzurichten, in der die von einem Caterer vorgefertigten und gekühlten Speisen nur noch endgegart werden. Einige Eltern äußerten den Wunsch nach einer Küche. Diesem Ansinnen teilte Bürgermeister Spindler eine klare Absage: Die Kosten für die Einrichtung einer solchen Küche seien zu hoch.

40 Anmeldeformulare wurde Rapp am Info-Abend los - wie viele unterschrieben zurückkommen, steht noch in den Sternen. "Ich bin vorsichtig optimistisch", sagte er auf TV-Nachfrage. Extra Zurzeit wird in Kyllburg die "betreuende Grundschule" angeboten. Ein Erzieher steht an fünf Wochentagen bis 16 Uhr für die Betreuung der Schüler zur Verfügung. Ein Mittagessen wird angeliefert. Das Angebot ist flexibel: Manche Kinder sind die ganze Woche dabei, andere nur an einem Tag, manche bleiben nur bis 14 Uhr. Zurzeit sind insgesamt 37 Kinder in der "betreuenden Grundschule" angemeldet. Allerdings müssen die Eltern für die Betreuung und das Mittagessen zahlen. Im Gegensatz dazu kostet die Eltern die Betreuung in der Ganztagsschule kein Geld, nur fürs Mittagessen wird ein Beitrag erhoben. In Kyllburg soll eine Ganztagsschule in Angebotsform eingerichtet werden, das heißt, die Eltern wären nicht verpflichtet, ihre Kinder über Nachmittag betreuen zu lassen. (neb)