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Arbeit statt Asyl: Resul Haziri hat endlich sein Visum und einen Job in der Eifel

 Da ist einer froher als der andere, dass man einander hat: Resul Haziri und sein Chef Jens Ehlenz.
Da ist einer froher als der andere, dass man einander hat: Resul Haziri und sein Chef Jens Ehlenz. FOTO: Eileen Blädel
Biersdorf am See. Er hat es geschafft: Resul Haziri hat im Januar seinen Asylantrag zurückgezogen und ist freiwillig in den Kosovo zurückgekehrt – in der Hoffnung, mit einem Arbeitsvisum wieder nach Deutschland einreisen zu dürfen (der TV berichtete). Siebeneinhalb Monate hoffte und bangte er. Jetzt ist der 28-Jährige zurück in der Eifel und hat seinen Job angetreten. Eileen Blädel

"Ich will etwas erreichen", sagt Resul Haziri. "Und dafür mach ich mir gerne die Hände dreckig" - nämlich als Bauhelfer bei der Firma Putz und Stuck in Biersdorf am See. Seit ein paar Tagen arbeitet der 28-Jährige dort. Aber er musste monatelang um diese Chance kämpfen, obwohl er seinen unbefristeten Arbeitsvertrag schon längst in der Tasche hatte.

Wir erinnern uns: Im Januar zog Resul Haziri seinen Asylantrag, den er ein Jahr zuvor in Deutschland gestellt hatte, zurück - in der Hoffnung, stattdessen ein Arbeitsvisum zu erhalten. Er wusste um die Aussichtslosigkeit, als Flüchtling aus einem als sicher eingestuften Land anerkannt zu werden - und setzte sich deshalb wieder in den Flieger in den Kosovo: "Zu verlieren habe ich nichts", sagte er kurz vor seiner Abreise im Gespräch mit dem TV.

Denn eine Garantie gab es damals nicht, dass er auch wirklich zurückkehren durfte in die Eifel, die er seine Heimat nennt: Aufgewachsen ist er in Arzfeld und Üttfeld, dorthin war seine Familie während des Kosovo-Kriegs geflüchtet, 2004 jedoch abgeschoben worden. Ein Großteil seiner Angehörigen lebe noch im Kosovo, erzählt er. Sein Bruder sei Soldat. Und verdiene 300 Euro. "Ich kann zwar im Kosovo bleiben, aber die Frage ist, wie", sagt Resul Haziri, dessen Schwestern ebenfalls in Deutschland sind. "Ich will eine Zukunft, und die Chance dazu habe ich nur hier."

Doch zunächst sei die Vorabzustimmung von der Deutschen Botschaft in Pristina abgelehnt worden, erzählt er. Erneut habe er dort nachweisen müssen, dass in der Eifel eine Arbeitsstelle auf ihn warte. Erst als Firmenchef Jens Ehlenz eine E-Mail aus Biersdorf am See nach Pristina schickte, dass er den Mann "dringend benötige", sei Bewegung in die Sache gekommen.

Seinen heutigen Chef kennt Resul Haziri aus der Zeit seines Praktikums, das er im vergangenen Jahr bei der Firma gemacht hat. Auch dafür brauchte er als Asylbegehrender eine Genehmigung von den Behörden. "Das allein war ein Kampf", erinnert sich der 28-Jährige.

Für Jens Ehlenz ist die Sache klar: Er braucht dringend Leute, Nachwuchs ist aber nicht da. "Und warum soll ich einem Mann keine Chance geben, der sich hier eine Existenz aufbauen will?" Resul habe alles, was dafür nötig sei: Er spreche fließend Deutsch und sei fleißig - jetzt müsse man ihn nur noch arbeiten lassen. Abgesehen davon sei er auch ein feiner Kerl.

Sein Chef bewies nicht nur Einsatz, sondern auch Geduld: Siebeneinhalb Monate dauerte es, bis Resul Haziri das Ja von der Botschaft erhielt - und endlich zurückkam. "Mit nicht einmal einem Topf", erzählt Jens Ehlenz. Den hat er seinem Mitarbeiter besorgt - ebenso wie eine Wohnung im Ort. Auch viele andere Menschen haben dem 28-Jährigen geholfen. "Ich habe sehr viel Glück", sagt Resul Haziri dankbar. Und in dem Team von Jens Ehlenz fühlt er sich einfach: wie Zuhause.

Sein Visum gelte nun zunächst für ein Jahr. "Aber so lange ich Arbeit nachweisen kann, darf ich bleiben", sagt er. Seine Arbeitserlaubnis gilt jedoch nur für die Firma in Biersdorf. Eine Regelung, die sein Chef als "eine Art modernes Sklaventum" kritisiert.
Eine Lehre darf Resul Haziri bei ihm auch nicht machen. Denn die Behörden verlangen, dass er von dem Geld, das er verdient, leben kann - ohne Hilfe.

Viel lernen möchte er dennoch. Sein Chef ist offenbar dafür genau der richtige: "Er will mir etwas beibringen, das gefällt mir." Irgendwann möchte Resul Haziri auch den Führerschein machen. "Aber jetzt erstmal arbeiten." Und zwar genau dort, wo er jetzt ist - unabhängig davon, was auf dem Papier stehe. "Und Hände schmutzig machen. Das macht mir Spaß."