Archäologe berichtet über die Ergebnisse der Hahnplatz-Grabungen

Geschichte : Archäologie in Prüm: Von der Kirche zur Burg

Lars Blöck, Leiter der archäologischen Grabungen auf dem Hahnplatz, hat auf der Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins einen ersten Überblick über die Ergebnisse der Untersuchungen gegeben.

Sie kamen mit Schaufeln und Pinseln, untersuchten akribisch, aber unter Zeitdruck den offengelegten Hahnplatz und verschwanden wieder. Ein Jahr lang konnten Archäologen des Landesmuseums Trier dort einen genauen Blick in die Geschichte werfen (der TV berichtete). Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins Prümer Land (GVPL) hat Grabungsleiter Lars Blöck jetzt einen ersten Überblick über die Befunde gegeben.

„Ich bin erfreut und erstaunt über dieses Interesse“, sagt der Vorsitzende des GVPL, Volker Blindert, angesichts eines voll besetzen Saales. Etliche Gäste nehmen es sogar geduldig hin, die nächsten zwei Stunden stehen zu müssen. „Wir sind eben alle gespannt darauf, was dort zu Tage kam“, sagt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm.

„Von März 2017 bis Mai 2018 konnten wir die Bauarbeiten auf dem Hahnplatz mit einer Notgrabung begleiten. Hätten wir früher von den Arbeiten erfahren, hätten wir längerfristig planen können. Aber zumindest konnten wir nun punktuelle Untersuchungen anstellen“, sagt Blöck. Hauptsächlich seien Steine und Fundamente zu Tage gefördert worden. „Für den Laien sind sie vielleicht erst mal nicht so aufregend, für uns aber schon.“

Erstaunlich sei nämlich, sagt Blöck, dass Prüm zwar im Früh- und auch im Hochmittelalter außerordentlich bedeutend war, es aber an zweifelsfreien Belegen mangele. „Wir wissen einfach nicht, wie die goldene Kirche oder auch die Nachfolger aussahen“, sagt er. Dank der Grabungen habe man jetzt etwas Licht ins Dunkel bringen können.

„Wir haben bei den zeitlich ja sehr begrenzten Ausgrabungen drei Schwerpunkte gesetzt“, sagt Blöck. Man habe sich auf Reste möglicher Vorgängerkirchen, auf früh- und hochmittelalterliche Einrichtungen der Abtei und auf die letzten verbürgten Gebäude konzentriert.

„Bis in die 1880er Jahre standen noch Teile der alten Abtsburg auf dem heutigen Hahnplatz, und erst 1937 wurde das von den Preußen gebaute Zeughaus abgerissen. Wie zu erwarten war, fanden wir die Fundamente der Bauten“, sagt Blöck (der TV berichtete). Mit Hilfe der Radiokohlenstoffdatierung habe man dann wiederum organische Stoffe, die in den Überresten gefunden wurden, untersuchen und so ihr Alter einschränken können, sagt Blöck.

Einwandfrei seien mehrere untersuchte Stellen damit der Karolingerzeit zuzuordnen: unter anderem die Reste eines Zauns, eine Grube, in der Glas verarbeitet wurde, und auch ein Stück Estrich. „Und das ist wirklich etwas Besonderes. Den Boden fanden wir im Bereich des heutigen Gymnasiums.“ Verschiedene Stellen seien untersucht worden. Die älteste wird auf einen Zeitraum von 659 bis 765 datiert. „Leider können wir nicht sagen, in was für einem Gebäude der Boden lag, ob es Teile des Klosters oder gar der goldenen Kirche waren“, sagt Blöck. Trotzdem sei der Befund herausragend: „Man findet als Archäologe nicht so oft echte karolingische Estriche.“

Und auch bisher nur Erahntes hätten die Analysen bestätigt. „Wir wissen nun sicher, dass Teile der Abtsburg bereits zum Vorgängerbau der heutigen Basilika gehört haben“, sagt Blöck. Die Kirche des Hochmittelalters sei in Teilen in der Burg aufgegangen. Was man bisher aber nur ahnte, bestätigt sich nun: Auch im Zeughaus der Preußen werden Gebäudereste der früheren Kirche aufgegangen sein. „Dafür sprechen Säulenteile, die wir dort fanden und datieren konnten. Ausgehend von all den Funden können wir sagen, dass es sich bei der hochmittelalterlichen Kirche auch um eine Basilika gehandelt haben wird“, sagt Blöck.

Auf Wunsch der Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy erklärt Blöck auch, warum heute nichts mehr von dem Gefundenen zu sehen ist. „Es gab den Wunsch, Teile der Grabung sichtbar zu machen, beispielsweise mit einer Glasplatte. Die Idee ist schön, aber kaum umsetzbar“, sagt der Archäologe. Glasplatten schützten die Funde einfach nicht ausreichend.

„Aus konservatorischer Sicht muss mehr her als nur eine Platte, so schön sie für Besucher auch sein würde. Sonst könnte sich zum Beispiel Feuchtigkeit stauen, die dann langfristig alles zerstört“, sagt er. In Köln kämpfe man mit einem vergleichbaren Projekt. „Finanziell ist das für eine Stadt wie Prüm nicht zu machen. Indem die Funde nun wieder bedeckt wurden, sind sie konserviert und bleiben gut erhalten“, sagt der Archäologe.