Arzt soll Patienten im Bitburger Krankenhaus Hilfe verweigert haben

Bitburg · Ein 72-jähriger Mann hat im Bitburger Krankenhaus stundenlang vergebens auf Hilfe gewartet. Zwei Tage später stirbt er. Ein Bereitschaftsarzt soll eine Geldstrafe zahlen - und wehrt sich nun dagegen. Zu Recht?

 ´Das Bitburger Krankenhaus. TV-.Foto: Dagmar Schommer

´Das Bitburger Krankenhaus. TV-.Foto: Dagmar Schommer

Foto: (e_bit )

Hätte dieser Tod verhindert werden können, wenn die Ärzte schneller reagiert hätten? Der Fall eines 72-jährigen Mannes, der im März 2015 im Bitburger Krankenhaus starb, gab von Beginn an Rätsel auf - und sorgte für Schlagzeilen. Schnell wurden Vorwürfe laut.

Ein Zimmernachbar des verstorbenen Mannes meldete sich beim Volksfreund und schilderte, dass der Patient, unter akuter Atemnot leidend, stundenlang habe auf Hilfe warten müssen (der TV berichtete). Zwei Tage später starb er. Der Bettnachbar sagte damals, dass er mehrfach den Alarmknopf gedrückt habe, weil er sich Sorgen um den 72-jährigen Mann gemacht habe. Doch zur Hilfe geeilt sei niemand.

Ermittlungen laufen, die Rechtsmedizin lässt Gutachten erstellen. Im Oktober schließlich sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen auf TV-Anfrage: "Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung lässt sich nicht belegen." Was folgte, waren die Ermittlungen gegen einen Arzt wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung. Auch ein schwerer, bei Weitem aber nicht so schwerer Vorwurf wie der der fahrlässigen Tötung.

Nun muss sich ein 35-jähriger Bereitschaftsarzt vor Gericht verantworten, weil er den Patienten nicht nochmals untersucht haben soll. Stattdessen soll er sich darauf verlassen haben, dass dies der Stationsarzt übernehmen würde. Auch als der 35-Jährige am frühen Morgen, als sich die Atemnot des Patienten immer noch nicht gebessert habe, von einer besorgten Krankenschwester auf dem Bereitschaftshandy angerufen worden sei, soll der Arzt nicht reagiert haben. Er soll stattdessen - so schildert es das Amtsgericht Bitburg - mit Verweis auf die Zuständigkeit des Stationsarztes ohne weitere Erklärung eine Behandlung abgelehnt haben. Und mit dem Stationsarzt, so ein weiterer Vorwurf, habe er noch nicht mal abgeklärt, dass dieser sich sofort um den Patienten kümmert. Der Patient musste schließlich reanimiert werden - und starb zwei Tage später an Multiorganversagen.

Das Gericht sah die von der Staatsanwaltschaft gegen den Arzt vorgebrachten Vorwürfe als erwiesen an - und erließ einen Strafbefehl über 9000 Euro wegen unterlassener Hilfeleistung.
Weil der Arzt den Strafbefehl nicht akzeptierte, wird der Fall heute, 10. Mai, um 9 Uhr vor dem Bitburger Amtsgericht verhandelt.

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