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Auf dem Plateau weht der Wind rauer

Auf dem Plateau weht der Wind rauer

Obwohl noch nicht feststeht, wo und ob überhaupt Anlagen gebaut werden können, regt sich auf dem Ferschweiler Plateau Widerstand gegen Windkraftpläne. Sowohl Ernzen als auch Holsthum haben bereits Vorverträge unterzeichnet.

Ferschweiler/Ernzen. Das Ferschweiler Plateau ist bekannt für schroff abfallende Felswände, Druidensteine, gallo-römische Gräber, die Teufelsschlucht und eine fruchtbare, von Feldern geprägte Hochebene. "Unser Plateau ist einzigartig", sagt Brigitte Malambré aus Ernzen. Sie fürchtet, dass es von Windrädern verschandelt werden könnte, und hat daher eine Unterschriftensammlung gestartet. Denn zwischen Ferschweiler und Ernzen erstreckt sich in Ost-West-Richtung ein schmaler, zu den Seiten hin knochenförmig breiter werdender Korridor, der nach bisheriger Planung als Potenzialfläche für Windkraft gilt.
Ein Windrad ist in Ordnung



Nach Auskunft der Ortsbürgermeisterin Erika Schönhofen hat das Dorf auch bereits einen Vorvertrag mit einem Windkraftunternehmen abgeschlossen. Denn eine kleine kommunale Fläche würde sich für ein Windrad eignen. Weitere fünf Räder könnten sich dort womöglich eines Tages auf Privatgrundstücken drehen. Nach Auskunft Schönhofens hat man sich in Ernzen vor rund zwei Jahren darauf geeinigt, dass die Gemeinde auch von diesen profitieren würde: Privatleute haben zugesagt, den Ort zu einem Drittel an ihren Pachteinnahmen zu beteiligen. Um wie viel Geld es bei alledem geht, will Schönhofen nicht sagen. Nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung ist davon auszugehen, dass Orte in der ehemaligen VG Irrel pro Windrad jährlich Pachteinnahmen zwischen 40 000 und 60 000 Euro erzielen. Trotz dieser Zahlen sind viele Bürger besorgt. Auch, wenn noch überhaupt nicht feststeht, wie viele oder ob überhaupt Windräder aufs Plateau kommen, da die Windkraftplanungen in den ehemaligen Verbandsgemeinden Irrel und Neuerburg komplett überarbeitet werden müssen, um sie einander anzugleichen (siehe Extra). Daher organisiert Schönhofen mit der Verbandsgemeindeverwaltung für das Plateau nun eine Bürgerversammlung, bei der es Informationen rund um das Thema Windenergie geben soll. Der Termin steht noch nicht fest.
Viel Wind um nichts



Auch im benachbarten Ferschweiler sind nicht alle froh mit den Windkraftplänen. Zumal die Gemeinde laut Ortsbürgermeister Rudolf Schmitt selbst nicht auf Pachteinnahmen hoffen kann. Zwar war am nördlichen Rand des Plateaus ein gemeinsamer Windpark mit der Gemeinde Holsthum angedacht, die dort ebenfalls über Flächen verfügt. Allerdings hat sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass die Ferschweiler Flächen in einem Wasserschutzgebiet liegen und damit höchstwahrscheinlich nicht in Frage kommen.
Nach Auskunft von Heinz Faust, Ortsbürgermeister von Holsthum, hat seine Gemeinde auf dem Plateau sechs bis acht Anlagen angedacht und einen Absichtsvertrag mit einem lokalen Unternehmen bereits geschlossen. Allerdings steht die Zukunft der Windkraft auf dem Ferschweiler Plateau - wie im Rest der neuen Verbandsgemeinde Südeifel - in den Sternen, bis es einen gültigen Flächennutzungsplan gibt. An der einen oder anderen Stelle könnte es daher sein, dass aus Angst vor den sich drehenden Rädern viel Wind um nichts gemacht wird.
Extra

Die Flächennutzungspläne der ehemaligen VG Neuerburg und VG Irrel müssen aufeinander abgestimmt werden. So hatte jede VG ihre eigenen Siedlungsabstände beschlossen. Sollte in der VG Irrel der Abstand zu Ortslagen mindestens 800 Meter betragen, sollten es in der VG Neuerburg zu den Wohngemeinden 1200 Meter und zu den übrigen Ortslagen 650 Meter sein. Um die Konzepte angleichen zu können, sind weitere Gutachten gefordert worden. So wird für die alte VG Irrel nun die Windhöffigkeit untersucht. Des Weiteren soll das Büro ISU Bitburg die Windverhältnisse auf Grundlage des neuen Windatlasses Rheinland-Pfalz für beide Bereiche prüfen. Bis Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. "Ziel ist, nicht alles umzuwerfen. Es kann nicht Wunsch der VG sein, dass sich völlig neue Flächen ergeben", sagt Bürgermeister Moritz Petry. Sobald die Gutachten vorliegen, werden sich die Fraktionen und der Ältestenrat beraten, bevor die neue Planung in die Offenlage geht. sn/kah