Auf dem Weg zur großen Tourismus-Lösung

Es geht um Geld und mehr Schlagkraft beim Werben um Urlauber: Die Verbandsgemeinden Kyllburg und Neuerburg stehen in Gesprächen, um dem Zweckverband Feriengebiet Bitburger und Speicherer Land beizutreten. Dann würden fünf Kommunen im Tourismus gemeinsame Sache machen.

Bitburg. Eine Südeifel, ein Feriengebiet, aber vier Tourismus-Verbände? "Den Gast interessieren keine kommunalen Grenzen", sagt Maria Arvanitis, Geschäftsführerin der Bitburger Tourist-Information (TI). Sie würde es begrüßen, wenn sich weitere Verbandsgemeinden (VG) dem Zweckverband Feriengebiet Bitburger und Speicherer Land anschließen würden. Derzeit engagieren sich in dem Zweckverband, der die Tourist-Info betreibt, die Stadt Bitburg, die VG Bitburg-Land und die VG Speicher. "Wir wurden beim Land bereits als gutes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Tourismus gelobt", sagt Arvanitis, die den eingeschlagenen Weg gerne fortsetzen würde. Und zwar über die derzeit bestehenden Kooperationen wie etwa bei Messeauftritten hinaus.

"Je größer ein Gebiet, desto schlagkräftiger der Verbund", lautet die Devise von Arvanitis: "Im Moment macht ja jeder alles. Die einen in Kyllburg, die anderen in Neuerburg und Irrel und dann wir hier rund um Bitburg. Bei einem Zusammenschluss wäre es möglich, dass man sich stärker spezialisiert und dadurch Kräfte bündelt."

Die Fachleute der einen Kommune würden sich beispielsweise intensiv um Radtourismus kümmern, während sich andere auf die Konzeption von Wander-Urlauben spezialisieren. Jeder würde von der Arbeit des anderen profitieren und das Ergebnis mehr bieten, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Derzeit wird an einem solchen Konzept gearbeitet.

"Wir stehen erst am Anfang", sagt auch ZV-Chef Josef Junk, der grundsätzlich aber einen Beitritt der Nachbarkommunen sinnvoll fände: "Wir wollen da ernsthaft was hinbekommen." Allerdings räumt Junk auch ein, dass das gar nicht so einfach sei. "Es muss sich ja für beide Seiten lohnen." Auch finanziell.

Ein Urteil, die Folgen und das alte Problem



Eine Idee mit Charme und Haken. Zuletzt gab es in der VG Kyllburg einen Rechtsstreit, der darin wurzelte, dass einige Ortsgemeinden nicht bereit waren, Abgaben für die Tourismusförderung zu zahlen, da sie vom Geschäft mit den Urlaubern nicht profitieren. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat entschieden, dass eine VG nur dann die Aufgabe der Tourismusförderung übernehmen darf, wenn diese Aufgabe ihr zuvor von den Ortsgemeinden übertragen wurde (der TV berichtete). Genau das ist nach wie vor das Problem in der VG Kyllburg.

Position Kyllburg: "Wir führen Gespräche mit dem Bitburger Zweckverband", bestätigt Bürgermeister Bernd Spindler. Für ihn wäre ein Beitritt eine "ernsthafte Alternative" zum derzeitigen Vorgehen, wo ein Verein die Kyllburger Tourist-Info nach einem Jahr der Schließung wieder halbtags betreibt. Nun wolle man prüfen, zu welchen Konditionen ein Beitritt möglich sei. Natürlich geht es auch ums Geld. Und das alte Kyllburger Problem bleibt: "Am Ende müssen einem Beitritt nicht nur der VG-Rat, sondern auch alle Ortsgemeinden zustimmen", sagt Spindler.

Position Neuerburg: "Das Interesse an einem Beitritt besteht. Wir merken auf der kleinen lokalen Ebene, dass wir sehr viel Aufwand betreiben müssen, um alle relevanten Tourismusfelder von Wander-, über Rad-, Familien- und Gesundheitsurlaub abzudecken", sagt Neuerburgs VG-Chef Norbert Schneider. In Neuerburg wird die Tourismusförderung derzeit von Verwaltungsmitarbeitern des Bereichs Wirtschaftsförderung gestemmt. Schneider vertritt die Ansicht, dass es, "wenn man Tourismus qualitativ gut betreiben und entsprechend fördern will, langfristig nicht ohne Zusammenschluss geht".

Position Irrel: "Die Lage ist bei uns anders als in Neuerburg und Kyllburg. Wir verfügen bereits über eine große touristische Infrastruktur, haben mit Irrel und Bollendorf zwei Tourist-Infos, und die kommunale Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft betreibt das Besucherzentrum Teufelsschlucht mit Erdzeitenpark", sagt Irrels VG-Chef Moritz Petry, der von Kirchturmdenken nichts hält. "Aber die Frage bleibt, ist das sinnvoll, wenn wir beitreten? Wir würden ja auch riesige Kostenfaktoren mitbringen", gibt Petry zu bedenken. In jedem Fall aber kann er sich vorstellen zu kooperieren. Petry: "Es kann ja nicht sein, dass alles dreimal entwickelt, geplant und ausgearbeitet werden muss." no/jöl

Meinung

Weitsicht gefragt

Tourismus ist bereits jetzt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Eifel. Allein im Bitburger Land verbucht das Geschäft mit dem Gast Jahresumsätze von mehr als 30 Millionen Euro - und das ist ausbaufähig. Schließlich stimmen mit Landschaft, Kultur, Rad- und Wanderwegen und mehr die Rahmenbedingungen. Vorausgesetzt: Die Urlauber finden denn in die Südeifel und dort auch alles, was ihnen die freie Zeit zu einem Erlebnis werden lässt. Um das zu erreichen, sollten die Kommunen endlich an einem Strang ziehen. Denn letztendlich profitieren vom Tourismus nicht nur die Hotels und Pensionen, sondern auch Handel und Handwerk ringsum. d.schommer@volksfreund.deEXTRA Südeifel-Tourismus in Zahlen: Nach Angaben des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz sind in den Südeifel-Kommunen für das vergangene Jahr folgende Gäste- und Übernachtungs-Zahlen verzeichnet worden: Stadt Bitburg: knapp 60 000 Gäste und rund 136 000 Übernachtungen; VG Bitburg-Land: rund 66 000 Gäste und rund 170 000 Übernachtungen; VG Speicher: knapp 1700 Gäste und knapp 5700 Übernachtungen; VG Kyllburg: knapp 28 000 Gäste und knapp 80 000 Übernachtungen; VG Neuerburg: rund 31 300 Gäste und knapp 99 000 Übernachtungen; VG Irrel: rund 52 000 Gäste und knapp 156 000 Übernachtungen. (scho)

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