Auf den Spuren der Kreuzzüge in der Eifel

Auf den Spuren der Kreuzzüge in der Eifel

Reliquien, Namen, Legenden, Ideen und vieles mehr brachten im Mittelalter Eifeler Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land mit. Einige dieser Spuren sind heute noch ganz offensichtlich zu sehen, andere bemerken nur Kenner.

Foto: (e_eifel )
Die sogenannten Eltzer Gräber in der Stiftskirche St. Martin und St. Severus in Münstermaifeld erinnern an das Ehepaar Cuno von Eltz und Ella von Esch. Foto: (e_eifel )
Da schimmert die Geschichte durch: Die Kirche St. Peter in Roth an der Our wurde häufig umgebaut; hier und da sind die alten Fassaden noch erkennbar. Foto: (e_eifel )
Die Grablegungsgruppe in der Stiftskirche St. Martin und St. Severus in Münstermaifeld ist oft imitiert worden. Foto: (e_eifel )
Ob Maria von Sponheim ihren Hund mit ins Grab in der Trinitarierkirche in Vianden genommen hat? Auf jeden Fall ziert seine Skulptur ihre letzte Ruhestätte. Foto: (e_eifel )

Malberg/Eifel Reichtum, Abenteuer, Seelenheil: Das suchten viele Kreuzfahrer, als sie im Mittelalter ins Heilige Land zogen. Auch aus der Eifel beteiligten sich viele fromme und weniger fromme Ritter und Bauern an den Kreuzzügen. Ihre Geschichte kann man heute noch nachverfolgen, wenn man die Augen offenhält. Eine Spurensuche.

Eine zerfallene zweistöckige Außenwand, ein paar Grundmauern und eine Zisterne thronen über dem Maar: Viel ist nicht mehr zu sehen von der einst stattlichen Burg Ulmen. Dabei hauste dort im zwölften und 13. Jahrhundert einer der berühmtesten Ritter der Eifel: Heinrich von Ulmen führte im Vierten Kreuzzug ab 1198 viele Eifler ins Heilige Land. Ziel war zwar die Eroberung Kairos - statt nach Ägypten zog es die Ulmener um Heinrich aber nach Konstantinopel (heute Istanbul). Denn während Papst Innozenz III. Seelenheil versprach, bot der byzantinische Kaisersohn Alexios den Kreuzfahrern handfesten Reichtum für Hilfe bei der Eroberung der lange umkämpften Stadt.
Von dort kehrte Heinrich siegreich mit Reliquien im Gepäck zurück in die Eifel. Unter anderem brachte er eine Staurothek mit - einen Behälter mit angeblichen Stücken vom Kreuz, an dem Jesus Christus gehangen haben soll. Damals eine Heldentat, aus heutiger Sicht nicht so sehr: "Heinrichs Mitbringsel lassen darauf schließen, dass er bei Plünderungen mitgemischt hat", sagt Historiker René Richtscheid vom Emil-Frank-Institut, das sich mit der Geschichte des Judentums in der Region befasst. "So wichtige Reliquien hat man ihm wohl kaum freiwillig überlassen."
Später verschenkte Heinrich die Kreuzstücke. Eines ging zum Beispiel an die Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Die prunkvolle Staurothek selbst gab er seiner Schwester Irmgard, die Oberin im Kloster Stuben bei Bremm an der Mosel war. Heute kann man die Staurothek im Limburger Diözesanmuseum sehen.

Wer durch das Städtchen Münstermaifeld im Landkreis Mayen-Koblenz schlendert, findet ganz offen zur Schau gestellte, aber auch versteckte Spuren des Heiligen Landes. In die eher unscheinbare kleine Synagoge fällt Licht durch sogenannte Hufeisenbogenfenster im maurischen Stil. Diese architektonische Idee sei wohl eine subtile Anleihe an architektonische Vorbilder im Heiligen Land, sagt René Richtscheid.
Er erklärt weiter: "Als die Kreuzzüge zu Ende gingen, hat man sich Jerusalem einfach mit nach Hause genommen." So etwa in der Stiftskirche St. Martin und St. Severus: Ihr dritter Teilbau sei im 13. Jahrhundert als "eine Art Klein-Jerusalem" errichtet worden. Heilig-Kreuz-, Marien- und Johannesaltar symbolisierten drei Jerusalemer Kirchen und seien entsprechend angeordnet.
Im linken Seitenschiff der Kirche wird der Sohn Gottes zu Grabe gelegt. Sieben fast lebensgroße Statuen von Jüngern und anderen Trauernden stehen um den aufgebahrten Gottessohn. "Die Grablegungsgruppe ist ähnlichen Skulpturen in Jerusalem nachempfunden", erklärt Richtscheid. Die Münstermaifelder Gruppe diente wiederum als Vorlage für Nachbildungen in der Pfarrkirche St. Martin in Ediger-Eller und in der Kapelle St. Wendelinus in Spangdahlem.

Von den Burgen, die im Mittelalter über Malberg im Eifelkreis Bitburg-Prüm wachten, ist heute nichts mehr zu sehen. Sie wichen im 17. Jahrhundert dem Barock-Schloss Malberg und seinen prächtigen Gärten. Das sogenannte Alte Haus basiert jedoch auf der ehemaligen Oberburg und lässt erahnen, wie das Bollwerk im Mittelalter ausgesehen haben muss. Auch von dort zog es einen Ritter ins Heilige Land: Kuno von Malberg nahm im zwölften Jahrhundert am Zweiten Kreuzzug teil. "Seinetwegen sind die Malberger auch heute noch in den umliegenden Ortschaften im Volksmund als ‚Kunos‘ bekannt", erklärt Karl Solchenbach vom Förderverein Schloss Malberg. Für Kuno sei der Kreuzzug zweifellos ein religiöses Erlebnis gewesen: Als er zurückkam, trat er den Mönchen im Kloster Himmerod bei, wo er den Rest seines Lebens verbrachte.

Von einem seiner Nachfolger ist nicht so viel bekannt: "Über Gerhard von Malberg gibt es leider nur sehr wenige Quellen", sagt Solchenbach. Man wisse aber, dass er dem Deutschritterorden angehört habe. Der Deutsche Orden war einer von vielen neugegründeten Ritterorden, die die Kreuzfahrer mit zurück nach Europa brachten. Sie waren ursprünglich unter anderem dazu da, die Heerscharen christlicher Pilger zu beschützen und medizinisch zu versorgen. Gerhard von Malberg war aber nicht nur irgendein Deutschritter - von 1240 bis 1244 war er Hochmeister, das höchste Amt des Ordens. "Er unterstand nur dem Papst und dem Kaiser", erzählt Solchenbach.

Auch der wahrscheinlich berühmteste - und berüchtigtste - Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge hat seine Spuren in der Eifel hinterlassen: In Roth an der Our ließen sich im 13. Jahrhundert die Templer nieder, die die Kirche St. Peter ausbauten und pflegten. Davon zeugen ein paar unscheinbare Steinplatten im Boden des Gotteshauses. Jahrhundertelang haben Kirchgängerfüße die Aufschrift fast gänzlich abgetragen, doch wenn man genau hinsieht, erkennt man Namen und Jahreszahlen: Unter der Rother Kirche sind vier Templer und Nachfahren begraben.
Die Kirche wurden in ihren fast 1000 Jahren häufig um- und ausgebaut. Davon zeugen helle, mit Figuren geschmückte Torbogen, die hier und da unter der neueren, schmucklosen Fassade hervorlugen. Aus der Ursprungszeit sind heute nur noch im Chorraum einige wenige Bauelemente zu erkennen. "Vielleicht stammen noch Teile der Grundmauern und des Kellers aus der Zeit", sagt René Richtscheid. "Aber das meiste sind später entstandene Aufbauten." Als der Templerorden 1311 aufgelöst wurde, ging die Kirche in den Besitz der Trierer Johanniter über, deren Orden ebenfalls während des Ersten Kreuzzugs gegründet wurde.

Nur ein paar Kilometer entfernt auf der anderen, der luxemburgischen Seite der Our hinterließ ein anderer Ritterorden jener Zeit seine Spuren: In Vianden steht die eindrucksvolle Trinitarierkirche mit dem ehemaligen Kloster. "Klosterstiftungen für Trinitarier waren damals sehr selten", erklärt Richtscheid. "In dieser Region ist es sogar das einzige."
Wie kam es dazu? Die Grafen von Vianden suchten Ruhm im Fünften Kreuzzug, hatten aber kein Glück: Graf Friedrich III. landete in einem Kerker im Heiligen Land. Ein Fall für die Trinitarier - deren voller Name übersetzt lautet: "Orden der allerheiligsten Dreifaltigkeit und dem Loskauf der Gefangenen". Dafür dass die Ritter Friedrich III. befreiten, zeigte sein Sohn Heinrich I. sich erkenntlich und stiftete 1248 die Trinitarierkirche als Geschenk an den Orden. Hier liegt auch Maria von Sponheim aus der einflussreichsten Kreuzfahrer-Familie der Region begraben.