Auf den Spuren der Ortsgeschichte
Holsthum · Zeitzeugen befragen, alte Akten sichten, Fotos sortieren: Die Arbeit an der Dorfchronik von Hols-thum ist aufwendig und arbeitsintensiv. Die ersten Ergebnisse stellt der Arbeitskreis am kommenden Sonntag, 24. November, um 15 Uhr im Gasthaus Oberbillig der Öffentlichkeit vor. Die Akteure hoffen dabei, noch Neues von den Ortsbewohnern zu erfahren.
Holsthum. Die Materialsammlung ist schon riesig. Hunderte von Bildern müssen gesichtet werden. Es gibt viel Material, das ausgewertet und ausgewählt werden muss, damit nur die interessantesten Aspekte in das etwa 200 Seiten starke Buch aufgenommen werden.
Die Idee, eine Ortschronik zu erstellen, ist vor etwa eineinhalb Jahren entstanden, erzählt Ortsbürgermeister Klaus Reschke. Es wurde ein Arbeitskreis gegründet, der sich mit viel Elan in die Recherchen gestürzt hat. Auch ein Autor war schnell gefunden. Der Kunsthistoriker Manuel Kehrli ist der Schwiegersohn des ersten Beigeordneten und früheren Ortsbürgermeisters Servatius und erklärte sich bereit, diese Arbeit zu übernehmen.
Viel Arbeit gibt es aber auch für die anderen Mitglieder der Gruppe. Rund 50 ältere Bürger wurden als Zeitzeugen befragt. "Viele waren sehr aufgeregt, als sie befragt wurden", erzählt Rolf Mrotzek, der die Arbeiten zu dem Kapitel, das sich mit der jüngeren Vergangenheit beschäftigt, koordiniert.
Aber bald hätte sich das rumgesprochen und das Interesse sei auch bei den älteren Dorfbewohnern geweckt worden. Obwohl es auch Themen gibt, über die nicht so gerne geredet wird. "Aber die können wir auch nicht ausklammern", sagt Mrotzek.
Es gibt noch Lücken
Um die Arbeit überschaubar zu machen, haben sich die Teams aus dem Arbeitskreis auf bestimmte Themen konzentriert. So waren die einen in Sachen kirchlichem Brauchtum unterwegs, die nächsten haben nach Familienfesten gefragt. Dabei gingen sie Monat für Monat im Jahresverlauf vor, um eine Systematik in die Protokolle zu bringen. Dabei hat sich mit der Zeit auch ein Fragenkatalog zu den unterschiedlichsten Themen ergeben, der immer wieder erweitert wird.
Doch trotz der vielen Gespräche gibt es noch Lücken, erzählt Wolfgang Steffes. Zu einigen Themen gibt es 15 bis 20 Aussagen, zu anderen gar keine. Mitunter sind die Aussagen auch widersprüchlich und müssen deshalb noch abgeglichen werden.
Aber nicht nur die neuere Zeit findet Platz in der Chronik. Da Holsthum 500 Jahre zu Luxemburg gehörte, gibt es in dortigen Archiven noch etliche notarielle Akten, die etwas über die Geschichte des Ortes bis ins Mittelalter erzählen.
Und sogar noch weiter zurück gehen die Forscher der Dorfgeschichte. Peter Weber ist Experte für alte Steine. Er trägt durch etliche Funde aus der Römerzeit weitere Informationen bei.
Natürlich kann nicht alles in dem Buch Platz finden, sagt Rolf Mrotzek. Es muss noch viel aussortiert werden.
Aber verloren sind all die Protokolle, Bilder und Dokumente nicht. Denn im Dorf soll ein Archiv entstehen, in dem alles gesammelt wird und auch eingesehen werden kann. "Es muss weiter zusammengetragen werden", ergänzt Carmen Noehl. Eine Veröffentlichung im Internet ist ebenfalls im Gespräch.
Wann das Buch erscheinen wird, steht noch nicht fest. "Wir hoffen Ende nächsten Jahres", sagt Mrotzek. Aber bei der Fülle von Aufgaben, die von der engagierten Gruppe noch geleistet werden muss, ist das noch ungewiss.
Extra
Habt ihr in der Schule schon Geschichtsunterricht? Da lernt ihr eine ganze Menge darüber, was früher in Deutschland und in anderen Ländern passiert ist. Zum Beispiel wer zu welcher Zeit König oder Kaiser war oder Kriege geführt hat. Das kann ganz schön spannend sein. Und oft versteht man manche Dinge aus der heutigen Zeit nur, wenn man etwas aus der Vergangenheit weiß. Aber es gibt natürlich nicht nur in Deutschland und Europa Geschichte. Jedes Dorf hat auch seine Vergangenheit. Da gab es Industrie, wie in Hols-thum zum Beispiel eine Glashütte. Da waren die Ortsbewohner von schlimmen Kriegen betroffen. Oder es geht dabei auch darum, wie früher Feste gefeiert worden. Damit diese Dinge nicht vergessen werden, schreiben in Holsthum ein paar ganz fleißige Leute ein Buch, in dem das dann alles drinstehen soll. Und das heißt dann Dorfchronik. noj