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Auf den Spuren des heiligen Nepomuks

Auf den Spuren des heiligen Nepomuks

AACHEN. (js) Die Eifeler Bevölkerung - mehrheitlich katholisch - verehrt viele Heilige. Nach der Gottesmutter Maria gibt es keinen Heiligen, der in Standbildern so oft auftaucht wie der heilige Nepomuk. Über ihn berichtet das neue Eifelbuch von Ranko Ziellenbach, erschienen im Helios-Verlag.

Johannes von Nepomuk ist in Mitteleuropa als Brückenheiliger bekannt. In der Eifel ist er auf Brücken, an Brunnen, Häusern, in Kirchen und Kapellen als Standbild gegenwärtig. Johannes von Nepomuk wurde im 14. Jahrhundert im heutigen Nepomuk (damals Pomuk) in Westböhmen geboren. In seiner Jugend war er Klosterschüler, lebte dann als "Haus- und Tischgenosse" am erzbischöflichen Hof in Prag, wurde 1373 Schriftführer beim Gericht, studierte Kirchenrecht, wurde zum Priester geweiht und wechselte nach Italien. In Bologna promovierte er zum Doktor des Kirchenrechts. Am 20. März 1393 wurde Johannes Nepomuk, nach andauernden Übergriffen durch König Wenzel IV. und erbitterten Auseinandersetzungen mit Erzbischof Jenzenstein gefangen genommen, misshandelt, durch die Straßen Prags gezerrt und von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen. Sein Grab befindet sich im Prager Veitsdom. Die Statue des Johannes von Nepomuk, die 1693 auf der Karlsbrücke aufgerichtet wurde, fand in ganz Europa so viele Nachbildungen, dass der Brückenheilige zu einem der bekanntesten Heiligen im Abendland wurde. Manchmal leuchten sechs Sterne um das Haupt des Märtyrers, da nach der Legende sechs Sterne angezeigt haben, wo sich der Leichnam in der Moldau befand. Das Buch von Ranko Ziellenbach beeindruckt durch seine übersichtliche Gestaltung. Das macht es dem Leser leicht, den Spuren des Johannes von Nepomuk zu folgen. Nach den Ausführungen zur Vita, der Legende und der Verbreitung des Kults, erfährt der Leser an 42 exemplarisch ausgewählten Darstellungen des Heiligen die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen, ihre Einbettung in die Geschichte sowie Anekdotisches. Als Beispiel für die akribische Darstellung soll hier der Nimstalort Seffern angesprochen werden. Neben der Beschreibung des Ortes und Angaben zur Nimsbrücke erfolgt die Beschreibung der Nepomuk-Figur. In Seffern ist sie 1,30 Meter hoch, 48 Zentimeter breit und 33 Zentimeter tief. Sie besteht aus braun-rötlichem Sefferner Sandstein und ruht auf einem Sockel. Autor Ziellenbach: "Der sehr fein ausgearbeitete Kopf mit dem lockigen Haar, das unter dem großen Birett hervorquillt und ein jugendliches, verhalten lächelndes Gesicht umhüllt, fängt als erstes den Blick des Betrachters." Das positive Urteil des Verfassers zu dem Sefferner Bildstock und der Brücke: "Mit den beiden Schaftkreuzen von 1753 und 1821 an ihren Rampen und der auf der Brüstungsmauer im Scheitelpunkt über dem halb kreisförmigen Mittelbogen thronenden Nepomuk-Figur von 1823 bildet sie (die Brücke, Anmerkung des Verfassers) ein einzigartiges, künstlerisch-architektonisches Ensemble." So erfahren in Ziellenbachs Werk 42 Objekte der Eifel eine präzise Untersuchung. Darunter die Schankweiler Klause, Metterich, Strohn, Vianden, Wittlich, Hontheim, Kronenburg, Platten, Auel, Antweiler, Bad Münstereifel, Neuerburg und Burg Eltz. Eine Untersuchung der Ursachen für die Nepomuk-Verehrung in der Eifel beschließt das 175-Seiten-Werk. Im Anhang liefert der Verfasser ein Verzeichnis der Standorte und der dort befindlichen Bildnisse. Ranko Ziellenbach, Johannes von Nepomuk - ein böhmischer Heiliger in der Eifel, Helios-Verlag, Aachen 2003, 175 Seiten, ISBN 3-933608-79-1; 24,80 Euro.