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Auf den Spuren eines römischen Verwalters

Auf den Spuren eines römischen Verwalters

Dass die römische Villa Otrang prachtvoll war, ist längst bekannt. Nun haben Studierende der Uni Trier bei ihren Ausgrabungen ein weiteres repräsentatives Gebäude entdeckt: Das Haus des Verwalters. Diesen Sonntag ist es erstmals zu besichtigen.

Anno 210. Leise rumpeln die eisenbeschlagenen Räder des leeren Karrens über die via publica - die Staatsstraße zwischen Augusta Treverorum (Trier) und Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln). Tiefe Rillen im Pflaster zeugen davon, dass schon Tausende Menschen diesen Weg hinter sich gebracht haben. Und auch an diesem Tag ist viel los.

Wie gut, dass die Reise diesmal nicht bis Colonia führt, sondern nur zu einem großen Landgut wenige Meilen hinter Beda (Bitburg). Augusta Treverorum und seine Zigtausend Einwohner wollen versorgt werden. Und die Villa hat dank ihrer fruchtbaren Felder, Gemüseplantagen und ihrer fleißigen Sklaven vieles zu bieten, was die Stadtbevölkerung braucht. Rechts führt der Weg von der Straße ab, durch ein kleines Bachtal direkt auf den prächtigen Gutshof zu. Schon aus weiter Ferne ist die imposante Säulenhalle des Hauptgebäudes zu erkennen. Mauern und Zäune frieden das große, gepflegte Gelände davor ein, an dessen rechtem Rand vier Wirtschaftsgebäude liegen. Dort wird die eintägige Reise enden, ehe der Wagen beladen wird. Doch zuvor muss sich der Händler gleich neben dem Eingang im ebenfalls mit einer Säulenhalle verzierten Haus des Verwalters anmelden, wo ihm in der schönen Loggia ein Becher verdünnten Weins gereicht wird - wie noch anderen, die sich dort von den Strapazen ihrer Reise erholen.

Bewohner haben das Haus besenrein verlassen



Anno 2010. Dort, wo vielleicht einst Reisende Wein tranken, wird heute gegraben und gegrübelt. Denn: So, wie beschrieben könnte es gewesen sein. Doch ist all das nur Spekulation. Noch. Seit August sind Studierende der Uni Trier dabei, ein Gebäude auf dem Gelände der römischen Villa Otrang bei Fließem auszugraben. Inzwischen steht fest, dass es kein Wirtschaftsgebäude war, sondern vermutlich das Haus des Verwalters. Ein repräsentatives Haus. Davon zeugt der inzwischen deutlich erkennbare Umriss eines Saals, der über eine kleine Stufe mit einer halbrunden Apsis verbunden war. Davon zeugen verzierte Säulenkapitelle. Buntes Fensterglas. Und auch ein Estrichfußboden, der von den Studenten vorsichtig freigelegt wird. Denn in einfachen Häusern und Räumen war laut Jean-Claude Strasser, der die Grabung drei Wochen lang geleitet hat, Holzboden verlegt. Ob in dem "Apsidensaal", der diesen Sonntag beim Tag des offenen Denkmals erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird, nun tatsächlich eine Loggia war oder vielleicht doch eher der Schreibtisch des Verwalters (der auch ein Sklave war), ist ungewiss. Gewiss ist hingegen, dass das Gebäude nicht mutwillig zerstört wurde. Die vielen Steine, deren Position die Studenten in Kleinstarbeit kartieren und auswerten, deuten darauf hin, dass das Haus einfach irgendwann in sich zusammengefallen ist.

Und noch etwas haben sie herausgefunden. Die Bewohner haben es, vermutlich zwischen 350 und 400 nach Christus, besenrein verlassen, haben all ihr Hab und Gut eingepackt und sind fortgezogen. Denn anders als auf dem umliegenden Acker (über den beim Pflügen großflächig eine römische Müllkippe verteilt wurde) findet sich im Inneren des Gebäudes so gut wie nichts.

Klaus-Peter Goethert von der Uni Trier vermutet, dass die Villa aus politischen Gründen verlassen wurde. War doch ihr Besitzer sehr wahrscheinlich "Mitglied des Trierer Stadtrats" und Teil des Hofstaates. Vielleicht ist er mit Konstantin fortgezogen. Doch das bleibt Spekulation. Denn alle Geheimnisse wollen die von Römerhand behauenen Steine der Villa Otrang dann doch nicht preisgeben. Grabungsprojekt Die Lehrgrabung des Fachs Klassische Archäologie der Universität Trier hat zum Ziel, das Vorgelände der Villa zu erforschen und herauszufinden, wie der Gutshof bewirtschaftet wurde, der dort in der Blütezeit des römischen Reiches gestanden hat. Die Grabung erfolgt im Auftrag der "Generaldirektion kulturelles Erbe", der das Gelände inzwischen gehört, und dem Zentrum für Altertumswissenschaften an der Uni Trier. In den kommenden Jahren sollen nach und nach auch die Wirtschaftsgebäude und andere Bauten in der Umgebung der Villa ergraben werden, die derzeit noch unter der Erde liegen. Ziel ist es, das gesamte Villengelände zu erforschen, das Gefundene zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.Die Villa Otrang Die im ersten Jahrhundert nach Christus erbaute Villa Otrang ist eine der größten und am besten erhaltenen römischen Villenanlagen nördlich der Alpen. Wobei sich hinter dem Begriff Villa nichts anderes versteckt als ein großer, in diesem Fall sehr prächtiger Bauernhof. In ihrer Blütezeit hatte die Villa 66 Räume mit 14 Mosaikfußböden und drei Bädern. Dieser Prunk lässt darauf schließen, dass sie auch als Sommerresidenz für Angehörige der Trierer Oberschicht diente. Neben dem großen Hauptgebäude gab es mehrere Nebengebäude, die als Scheunen, Darren, Kelterhäuser, Ställe, Schmiede, Bäckerei oder Schreinerei genutzt wurden. Wie sich nun herausgestellt hat, gab es zudem ein repräsentatives Empfangs- und Verwaltungsgebäude.