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Auf der Bühne sind alle gleich

Auf der Bühne sind alle gleich

27 junge Leute sind beim integrativen Theaterprojekt im Haus der Jugend in Bitburg dabei gewesen. Sie wollten Spaß haben, mehr Deutsch lernen und persönliche Erlebnisse miteinbringen. Was sie in sechs Tagen erarbeitet hatten, führten sie 50 Besuchern zum Abschluss vor.

Bitburg. Manchmal reicht es, sich mit Händen, Füßen und Blicken zu verständigen. Das konnte man beim internationalen Theaterprojekt im Haus der Jugend in Bitburg erleben. Unter dem Titel "Typisch Mensch" hatten sich knapp 30 Jugendliche aus acht Nationen, darunter Afghanistan, Syrien und Iran, zusammengefunden, um gemeinsam etwas auf die Bühne zu bringen. In vier Sparten probierten sie sich aus: Biographisches Theater, Improvisationstheater, Tanz- und Materialtheater.
Mit Pappkartons verschiedener Größe und Form ging es los. Diese zeigte die Materialtheatergruppe auf der Bühne.
Die Biographie-Gruppe zeigte, dass vieles Alltägliche im Leben von Flüchtlingen gar nicht selbstverständlich ist. Das wurde symbolisiert durch Gegenstände: die Federboa, mit der man in jede Disko kommt, der Fächer, der die Vorfreude auf die Ferien ausdrückt, oder die Jacke, die man sich noch nicht leisten kann. Den täglichen Wahnsinn, den ein Verkäufer im Supermarkt erlebt, hatte die nächste Gruppe im Auge. Es ging um den Streit um Angebote, klauende Jugendliche und mehr.
Das Thema Familie wurde mit aufgezeichneten Köpfen dargestellt. Mit dem Sesamstraßensong "Mana Mana" brachten die Teilnehmer viel Lebensfreude und Witz auf die Bühne. Zum Abschluss wurde wieder der Bogen gespannt zum Motto "Typisch Mensch".
Dass die Jugendlichen in allen Ländern ähnliche Träume haben, konnte man an den Plakatwänden sehen, die sie während des Projekts gestaltet hatten. Einen Beruf und Familie haben, ein Auto, armen Menschen helfen oder ein Superstar werden, waren beispielsweise aufgezählt.
Lang anhaltender Applaus der Besucher belohnte die Teilnehmer. Stefanie Zellmann, eine der Theaterpädagoginnen, berichtete: "Man hat in den sechs Tagen in jeder Minute etwas Neues gelernt, jeder hat Kreativität und Freude mitgebracht." Und: "Es war den Jugendlichen sehr wichtig, Deutsch zu lernen und Deutsch auf der Bühne zu sprechen." Projektleiter Peter Klein sagte: "Für viele war der große Zeitaufwand überraschend. Wir haben hier jeden Tag mehrere Stunden konzentriert gearbeitet, und alle sind dabei geblieben."
Zudem erklärte er: "Wir haben die Themen gesammelt, die für die Jugendlichen von Interesse sind. Wenn sie wollten, konnte Biografisches einfließen. Sprachlich haben wir uns gegenseitig ausgeholfen. Die Vielfalt der Nationen und dass alle Menschen sind, standen hier im Vordergrund." chbExtra

Lisa Ensch (16), Rittersdorf: "Ich fand es interessant, in die verschiedenen Arbeitsbereiche des Theaters zu schauen. Dabei hat mir das Improvisationstheater am besten gefallen." Mohammad Borafi (18), Syrien: "Ich habe viele neue Leute kennengelernt und hatte viel Spaß. Sogar einen eigenen Text habe ich geschrieben. Danke für die Unterstützung." Hasibuala Marad: "Ich habe hier Gedichte gelernt und sogar eins selbst geschrieben. Es hat mir viel Spaß gemacht." Nina Meyers (13), Bitburg: "Ich habe hier mit Hilfe einer ausgedachten Sprache gelernt, vor anderen Menschen zu sprechen. Sehr viel Spaß hat mir auch das Improvisieren gemacht."(chb)/ TV-FotoS (´4): Christina Bents