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Auf der Suche nach Herausforderungen

Auf der Suche nach Herausforderungen

Sie verstehen und lernen schnell, sind ihrem Alter meist um einige Jahre voraus: Hochbegabte Kinder wie Carsten, Henning und Stephan Roschinski aus Seiwerath brauchen eine spezielle Förderung. Diese müssen sie sich auf dem Land vielfach selbst suchen, denn an den Schulen gibt es nur wenige Angebote.

Seiwerath. Carsten Roschinski lässt die Internet-Seite "Ulula4kids.de" auf dem Bildschirm erscheinen. Eine Homepage mit Informationen aus verschiedenen Fachgebieten - von Mythologie über Astronomie bis hin zu Naturwissenschaften. Gemeinsam mit seinen Brüdern Henning und Stephan hat er sie als Wettbewerbsbeitrag für Jugend forscht/Schüler experimentieren erstellt.

Seit vier Jahren nehmen sie regelmäßig mit Erfolg teil, 2010 sind sie sogar zum Landeswettbewerb in Ingelheim eingeladen. Jugend forscht ist nicht die einzige Beschäftigung der drei neben der Schule. Der zwölfjährige Stephan verschlingt Fantasyromane, sein Zwilling Henning beschäftigt sich mit Fotografie und Bildbearbeitung.

Den 13-jährigen Carsten fesselt die Arbeit mit dem Computer. Ulula4kids hat er gestaltet, mit den Programmiersprachen HTML und CSS, jetzt will er sich mit Java eine weitere beibringen. Außerdem spielt er Schach und hat großes Interesse an Literatur und Musik. Klassischer Art - Kafka zum Beispiel, und Opern.

Im Vergleich mit ihren Altersgenossen außergewöhnliche und intensiv verfolgte Interessen. Carsten, Henning und Stephan sind "hochbegabt". Von Hochbegabung spricht man, wenn Kinder früh intellektuell und emotional außergewöhnliche Fähigkeiten haben: Sie lernen früh sprechen, lesen, schreiben und rechnen, weil sie Informationen sehr schnell verarbeiten und über eine hohe Abstraktionsfähigkeit verfügen.

Ein Kriterium ist ein Intelligenzquotient über 130, nach dieser Definition wären zwei Prozent jedes Jahrgangs hochbegabt und damit etwa 10 000 Kinder in Rheinland-Pfalz, bundesweit 200 000. In den Genuss spezieller Förderprogramme kommt nur ein Bruchteil. Und die benötigen sie: Weil sie schneller als ihre Mitschüler sind, langweilen sich Hochbegabte im Unterricht leicht.

Wie die drei Roschinskis können sie eine Klasse überspringen. Das Grundproblem aber bleibt: Wer hochbegabt ist, sucht immer neue Herausforderungen, Denkanstöße, Aufgaben. Die im Schulalltag zu bekommen, ist schwierig. Was Henning, Carsten und Stephan sich wünschen: "Selbstständiges Arbeiten, sich selbst Themen aneignen, das wäre spannender."

Das "KinderCollege" (siehe Extra), Wettbewerbe, lesen, fotografieren, programmieren - die drei Brüder fordern sich selbst heraus, suchen sich ihre Aufgaben. "Von den Schulen wäre mehr Unterstützung wünschenswert", resümiert ihre Mutter Monika. "Angebote auf dem Land sind rar gesät, und hochbegabte Kinder werden eher als Schwierigkeit denn als Chance gesehen."

Am Ende unserer Unterhaltung öffnet Carsten erneut Ulula4kids. Er hat nebenher am Feinschliff gearbeitet - für den Landesentscheid soll schließlich alles perfekt sein.Extra Förderangebote für Hochbegabte: In der Grundschule gibt es für Hochbegabte "Entdeckertage". Gymnasien bieten BEGYS-Klassen (freiwilliges G8), das Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier hat einen Hochbegabtenzweig. Begabte Oberstufenschülerinnen und -schüler haben außerdem die Möglichkeit, ein "Frühstudium" zu absolvieren, das heißt, parallel zur Schule zu studieren. Auf www.bildung.rlp.de sind die verschiedenen Projekte vorgestellt. Eine außerschulische Fördermöglichkeit ist die Teilnahme an Wettbewerben in allen Fachgebieten ( www.bundeswettbewerbe.de). Die Aufgaben übersteigen das Schulwissen und sind eine Herausforderung für die Kreativität. In den Sommerferien gibt es Junior- und Schülerakademien. 16 Tage beschäftigen sich die Teilnehmer in Kursen intensiv mit einem wissenschaftlichen Thema, in der freien Zeit gestalten sie selbst kursübergreifende Angebote im musischen, naturwissenschaftlichen und sportlichen Bereich. Für Grundschulkinder bietet das KinderCollege Neuwied jeden Samstag Kurse in allen Fachbereichen an.