Auf die Hexen von Nattenheim ein Glas heben

Auf die Hexen von Nattenheim ein Glas heben

Nattenheim feiert ab heute bis zum 23. August 1250 Jahre Dorfgeschichte. 50 Stände zeigen am Sonntag das historische Dorfleben.

Nattenheim. London, Nattenheim, New York: Nattenheim ist in der Pilotenszene wegen seiner geografischen Lage auf dem 50. Breitengrad bekannt. Kommendes Wochenende lohnt es sich, einen Stopp zur 125-Jahr-Feier in Nattenheim einzulegen. Die Nattenheimer haben sich anderthalb Jahre mit der Vergangenheit ihres Dorfes beschäftigt und das Fest vorbereitet.

Dabei sind verschollene Bräuche wiederbelebt worden. Wie das Backen im alten Backofen von Maria Sondag-Thiel, der schon seit 50 Jahren nicht mehr in Betrieb war. Lachend erzählt sie ihre Annäherungsversuche an den alten Steinbackofen. "Das Brotteigezept ist aus dem Internet, und der Rest ist Erfahrung. Am Anfang war das Brot mal schwarz oder gar nicht gebacken. Zur Temperatur kontrolle werfen wir ein Stück Zeitung in den Ofen. Wenn das Papier nicht mehr brennt, ist die richtige Temperatur erreicht. Neben dem Brot wird dann auch noch die Pizza für alle Helfer in den Ofen geschoben."

Hexen machten das Dorf unsichtbar



Auf dem Burbachhof hat Gisela Bauer mit ihrem Mann Ordnung geschaffen. Zwei Monate lang säuberten sie den Hof, räumten die Ställe aus und dekorierten die einzelnen Zimmer mit Gegenständen aus Urgroßmutters Zeiten. Das Haus wird von den Besitzern nur noch zum Erholen genutzt. "Wir haben während der Arbeiten einen Brunnen wiederentdeckt", erzählt Gisela Bauer und zeigt das zehn Meter tiefe Loch.

Sechs Frauen treffen sich schon seit 36 Jahren zum Handarbeiten. Sie haben das alte Spritzenhäuschen gegenüber der Dorfkirche gemütlich eingerichtet. So hängt eine Stickerei über dem alten Holzbett und Regale sind mit alten Küchengeräten bestückt. Unter dem Spritzenhaus wurde früher das Wasser zum Löschen von Bränden aufbewahrt.

Nattenheim wurde im Jahr 759 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und ist eine der ältesten Ortschaften im Bitburger Land. Einer Sage nach sollen Hexen das Dorf zur Abwehr von Angriffen der schwedischen Soldaten unsichtbar gemacht haben. Die Kugeln fingen die Hexen, so die Überlieferung, in ihren Schürzen auf und warfen sie wieder zurück. Daraufhin flüchteten die Soldaten, und das Dorf blieb unbeschädigt.

Von Freitag bis Sonntag können die Besucher mit den Nattenheimern gemeinsam in die Vergangenheit eintauchen und feiern. Am Sonntag präsentieren sich 50 Stände rund um die Dorfkirche, die das frühere Dorfleben zeigen.ProgrammFreitag 21.August: 19.30 Uhr, Konzert des Projektchores in der Kapelle "St. Hubertus" in Nattenheim; 21 Uhr, Tanzgruppe Nattenheim an der Kirche; 21.30 Uhr, Rock/Alternative DISCO am Gemeindehaus. Samstag, 22. August: 16 Uhr, Eröffnung des Bierstandes am Gemeindehaus; 19.30 Uhr, Tanzgruppe Nattenheim am Gemeindehaus; 20 Uhr, Vorstellung der kleinen Dorfchronik "Nattenheim früher und heute", Mundartsängerin Silvia Nels, Vortrag von Werner Lichter: "Nattenheim - Zerstörung und Wandel im 17. Jahrhundert"; 22 Uhr, gemütliches Beisammensein mit Alleinunterhalter Günter Web Sonntag, 23. August: 10 Uhr, Festgottesdienst in der Kapelle in Nattenheim,; 11 Uhr, Eröffnung des historischen Dorffests; Backfest und Brotbacken im alten Steinofen im "Baakes" der Familie Thiel, 11.15 Uhr, Tanzgruppe Nattenheim auf der Lamm; 11.30 Uhr, musikalische Unterhaltung durch den Musikverein Fließem auf der Lamm; 13.30 Uhr, Kindertanzgruppe Bitburg auf der Lamm; 14 Uhr, Start der Kinderrallye am Gemeindehaus, musikalische Unterhaltung durch "Die lustigen Birbachtaler" auf der Lamm, 14.30 Uhr, Liederreigen vom Kirchenchor Bickendorf-Nattenheim; 15 Uhr: Kindertanzgruppe Bitburg am Gemeindehaus, 15.30 Uhr: Tanzgruppe Nattenheim auf der Lamm.

Mehr von Volksfreund