Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
Steffeln · Ein besonderes Jubiläum ist in diesem Monat in Steffeln gefeiert worden. Vor genau dreihundert Jahren wurde der Neubau des Kirchenschiffs fertiggestellt.
Steffeln. "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen", sagt Jesus im Matthäusevangelium (Kapitel 16, Vers 18) zu Simon Petrus. Diese Worte passen besonders gut zu dem Bild, das die Steffeler Kirche abgibt: Sie thront auf einem steil aus dem Talboden aufwachsenden Tuff-Felsen über dem Dorf, der wohl schon in spätrömischer Zeit eine Kultstätte trug.
Mittelalterliche Burganlage
Im Hochmittelalter stand auf dem Plateau eine Burg, was eine Urkunde aus dem Jahr 1282 belegt. Einige Forscher glauben, dass die heutige Sakristei ein Relikt dieser Burganlage ist, nämlich die frühere Burgkapelle. Nachdem diese dann für die wachsende Dorfbevölkerung zu klein geworden war, scheint um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue Kirche gebaut worden zu sein. Über diese Kirche, die nach 1660 die Pfarrkirche der neuen Pfarrei Steffeln war, klagte jedoch 1687 der dritte Steffeler Pfarrer, Johannes Blum, bei Weihbischof von Anethan: "Die Kirche ist gänzlich zerfallen und droht Gefahr. Die Pfarrgenossen und der Zehntherr (der Graf von Manderscheid-Gerolstein) weigern sich, die Reparatur der Kirche zu besorgen."
Trotz der Klagen ließen sich die Steffeler noch über zwanzig Jahre Zeit: 1699 wurde die baufällige Kirche abgerissen. Im Visitationsbericht von Dechant Hoffmann vom 27. Juli 1713 heißt es dann: "Vor wenigen Jahren haben sie eine neue Kirche gebaut, mit Ausnahme des Turms. Das Sacrarium usw. ist in gutem Zustande und die neue Kirche zur vollen Zufriedenheit ausgestattet."
Das mit dreiseitigem Chor geschlossene Kirchenschiff ist ein einfacher verputzter Bruchsteinbau mit Kreuzgewölbe und mit vier rund geschlossenen Fenstern auf jeder Seite, dazu zwei im Chor. Das Kirchenschiff zeigt die im Erzbistum Köln, zu dem Steffeln bis 1930 gehörte, noch lange nachwirkende spätgotische Formensprache. Der an der Ostseite angebauten Sakristei wurde wahrscheinlich jetzt ihre geschweifte Barockhaube aufgesetzt.
DORF GESCHICHTE(N)
Der alte Kirchturm aus dem 16. Jahrhundert mit einer schlanken achtseitigen Schieferpyramide als Dach sollte noch über 200 Jahre stehen bleiben. Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, 1923/24, wurde dann ein neuer massiger Westturm gebaut, nach Plänen der bekannten Trierer Architekten Gracher und Peter Marx.
Während das Kirchenschiff äußerlich unverändert die Jahrhunderte überdauert hat, ist von der ursprünglichen Innenausstattung nur wenig erhalten geblieben: Bemerkenswert ist der aus Lavatuff gefertigte Taufstein in Becherform aus dem 17. Jahrhundert, der auf der linken Seite vor dem Chor steht. Dahinter steht die Statue des Erzengels Michael, des Kirchenpatrons, in der seltenen Darstellung als Totenwäger, eine Arbeit aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die 1861 neu angeschafften Nebenaltäre, die die ursprünglichen Renaissance-Nebenaltäre ersetzten, mussten Ende der 1950er Jahre ebenso wie die Kanzel und die Kommunionbank aus dem Ende des 19. Jahrhunderts einer Modernisierung weichen. Den Chor dominiert seit 1890 der von dem Euskirchener Kunstschreiner Haag angefertigte neogotische Hochaltar. In einer Nische über dem Tabernakel befindet sich die Statue des St. Michael mit Schwert und Schild sowie der Aufschrift "Quis ut deus" (Wer ist wie Gott?), der lateinischen Übersetzung des hebräischen Namens Michael.
Bei der umfangreichen Innen- und Außenrenovierung unter Pfarrer Klaus Dieter Scherer 1974/75 wurde ein Teil der neogotischen Kommunionbank wiederverwertet und zum Zelebrationsaltar umgearbeitet. Bunte Glasfenster mit biblischen Motiven schmücken seit 1952 den Kirchenraum - im Chor und im Turm nach Entwürfen des aus Steffeln stammenden Pfarrers Johann Matthias Finken.
Neue elektronische Orgel
Dem Besucher zeigt sich heute das Kircheninnere im Bild der 1999/2000 grundlegend neugestalteten Ausmalung nach Entwürfen von Vera Finken und Peter Bongards. Insgesamt kamen 3450 Arbeitsstunden der Pfarrangehörigen zusammen - ein ebenso bemerkenswertes Ergebnis erbrachten die Haussammlungen und Spenden.
Als klangliches Schmuckstück vervollkommnet seit dem 7. Dezember 2007 eine neue elek tronische Orgel die Ausstattung der Kirche. red