Auf halber Strecke stecken geblieben

Auf halber Strecke stecken geblieben

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Koblenz zur Finanzierung der Kyllburger Tourist-Information steht der Fremdenverkehr vielerorts auf dem Prüfstand. Obwohl in den Verbandsgemeinden des Südkreises nicht die Vorgaben der Gemeindeordnung erfüllt werden, hat sich die Arbeit in der Praxis bewährt.

Bitburg/Irrel/Neuerburg. Die Entscheidung der Koblenzer Richter zeigt unmissverständlich, dass Tourismus-Förderung eigentlich Aufgabe der Ortsgemeinden ist und - bei anderer Praxis - zunächst auf die Verbandsgemeinde (VG) übertragen werden müsste. Obwohl diese Übertragung von den Ortsgemeinden bislang fast nirgendwo offiziell beschlossen wurde, nehmen überall die VGen touristische Aufgaben wahr.

So wird etwa die Tourist-Info (TI) für das Feriengebiet Bitburger und Speicherer Land von einem Zweckverband betrieben, den die VGen Bitburg-Land (135 600 Euro) und Speicher (11 300 Euro) sowie die Stadt Bitburg (135 600 Euro) finanzieren. Die Ortsgemeinden im Bitburger Land haben die Tourismus-Förderung nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings nie ausdrücklich auf die Verbandsgemeinde übertragen. Deshalb sollen sie nun darum gebeten werden, "diesen formellen Beschluss nachträglich zu fassen, damit die bewährte Praxis auch ausdrücklich kommunalrechtlich abgesichert ist", erklärt VG-Chef Jürgen Backes.

Solche Beschlüsse existieren auch in den Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Neuerburg laut Ralf Grün von der TI Neuerburg bisher nicht. Selbst wenn manche der 49 Orte nicht unmittelbar vom Fremdenverkehr profitierten, werde die Tourismusarbeit, für die im Haushalt der Verbandsgemeinde 2008 rund 63 000 Euro eingeplant waren, dennoch von ihnen getragen.

"Wir haben zum Beispiel viele Wanderwege, und die erschließen auch Gemeinden, die nicht direkt etwas mit Tourismus zu tun haben", so Grün.

Die Verbandsgemeinde Irrel befindet sich derzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Denn zusammen mit dem neuen Namen "Ferienregion Felsenland Südeifel" soll ein neues touristisches Konzept zum Tragen kommen.

Vorher müssen die Aufgaben des Fremdenverkehrs von den Ortsgemeinden auf die Verbandsgemeinde übertragen werden. Das ist laut VG-Chef Hans-Michael Bröhl relativ unkompliziert, weil rund um Irrel alle Orte am Tourismus beteiligt sind. Zudem betont Bröhl, dass das Ziel eine langfristige touristische Entwicklung der Verbandsgemeinde sei: "Kyllburg war dabei für uns absolut nicht ausschlaggebend."

Einig ist man sich unterdessen in allen VGen, dass der Tourismus nicht mehr aus der Region wegzudenken ist und - in welcher Form auch immer - gefördert werden muss.

Meinung

Hängen im Schacht

Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor in der Eifel. Das zeigen Übernachtungs- und Umsatzzahlen. Davon profitieren nicht nur die jeweiligen Fremdenverkehrsbetriebe und -orte, sondern auch Handwerk und Handel ringsum. Das sollten Gemeinden bedenken, wenn sie über die Übertragung dieser Aufgabe an eine VG entscheiden. Denn um Tourismus nachhaltig zu fördern, bedarf es einer Bündelung der Kräfte, womit einzelne Orte überfordert wären. Sonst droht eine Hänge-Partie, bei der das Potenzial nicht ausgeschöpft wird. d.schommer@volksfreund.de