Auf Zeitreise von Witenbuoch zu Weidenbach

Auf Zeitreise von Witenbuoch zu Weidenbach

1000 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung wird in Weidenbach vom 24. bis 26. Juni groß gefeiert. Auf dem Programm steht dann auch die Vorstellung der Chronik. Dabei wird ein Geheimnis eines berühmten Sohns des Dorfs gelüftet.

Weidenbach. "Wir sind gerüstet, nun muss nur noch das Wetter mitspielen", sagt Herbert Theisen, der Ortsbürgermeister von Weidenbach, zum Stand der Vorbereitungen auf das seiner Einschätzung nach größte Fest in der Geschichte des Dorfs: die 1000-Jahr-Feier am Wochenende (siehe Extra).
19 Sitzungen zur Vorbereitung


Einige kleinere Sachen seien noch zu erledigen, "aber im Großen und Ganzen ist alles in trockenen Tüchern", berichtet Theisen, der seit 2004 im Amt ist. Vor gut zwei Jahren wurde mit den Vorbereitungen begonnen, eine Herausforderung für den Ort mit seinen knapp 300 Einwohnern. In 19 Ausschuss-Sitzungen wurde die Feier vorbereitet, "und jetzt heißt es Daumen drücken, dass alles so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben", sagt der Bürgermeister. Anlass für die 1000-Jahr-Feier ist die erste urkundliche Erwähnung Weidenbachs am 17. Oktober 1016. Damals bestätigte Kaiser Heinrich II. dem Prümer Abt Urold Besitzungen in "Witenbuoch". Die Besitzungen dienten zum Unterhalt der von Urold im Jahr 1016 gestifteten Kollegiatskirche St. Marien in Prüm. Das Original der Urkunde befindet sich in der Trierer Stadtbibliothek.
Ein Programmpunkt des Fests ist die Vorstellung der Chronik am Samstag, an deren Erstellung maßgeblich Heinz Altenhölscher beteiligt war. Er lässt den Trierischen Volksfreund im Vorfeld zwar in dem Werk blättern, aber eine entscheidende Stelle bleibt geheim bis zur öffentlichen Präsentation. "Ich gebe keine Ruhe, bis ich ein Rätsel gelöst oder ein Geheimnis gelüftet habe", sagt der 78-Jährige mit Blick auf seine Vorliebe für Geschichte und Geschichten. Das sei ihm nun mit dem "Borges Zwerg" gelungen, erzählt er.
Geheimnis wird gelüftet


Die Rede ist von Matthias Klein: 1666 in Weidenbach geboren, kleinwüchsig, als Hofzwerg Baron Klein in Wien berühmt geworden, seinen Geburtsort niemals vergessend, hoch betagt 1759 gestorben. Wenn auch viel über den Borges Zwerg geschrieben worden sei, Trivialliteratur, ein Lustspiel, Aufsätze, so habe er doch noch ein entscheidendes Geheimnis über ihn in Erfahrung bringen können. "Überraschend und erstaunlich", sagt Altenhölscher. Dann winkt der seit 1992 in einem ehemaligen Bauernhaus in Weidenbach lebende, aus dem Münsterland stammende Altenhölscher ab: "Keine weiteren Einzelheiten bis zur Vorstellung der Chronik!"
Darin werden dem "Boorjeszwäasch" 15 Seiten gewidmet. Zudem ist anlässlich der 1000-Jahr-Feier seines Heimatdorfs eine Holzskulptur in Auftrag gegeben worden.
Seit etwa zehn Jahren sammelt und schreibt Altenhölscher zur Geschichte Weidenbachs. Mit dem Thema Chronik sei es ernst geworden, als die Entscheidung gefallen sei, den 1000. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung groß zu feiern. Altenhölscher übernahm die Schriftleitung und ist nun mit 16 von mehr als 60 Artikeln einer der Hauptautoren. Ebenso fleißig: der gebürtige Weidenbacher Heinz Schmitz (heute Gerolstein) sowie der aus dem Nachbarort Desserath stammende Gerd Stolz (heute Landscheid), der "jede Menge" Weidenbacher Vorfahren hat.
Altenhölscher, Schmitz und Stolz streifen gemeinsam mit weiteren 22 Autoren in dem reich bebilderten Buch "Weidenbach" durch die Geschichte des Dorfs, beschreiben Institutionen wie Kirche, Mühle, Schule, erinnern an das "Gefrierhaus", eine Feuersbrunst, die Kirmes und das Brotbacken, widmen sich Handel, Handwerk, Gewerbe und der Arbeit auf Feld und Wiese, dem Brauchtum und den Vereinen. Was haben Angelsächsisch und Weidenbacher Platt gemeinsam? Was sagen Weidenbacher wie Albert Heber, Wilhelm Schmitz, Maria Weber und Johann Zwilling über ihr Dorf? Wie heißen die Fluren und Häuser?
All das ist ist in der Chronik zu lesen. Sie hat 472 Seiten und kostet 28 Euro.Extra

Das Titelbild der Chronik präsentiert die Teile des Namens Weiden und Bach (die Salm). Foto: privat. Foto: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"

Die 1000-Jahr-Feier wird am Freitag, 24. Juni, um 19 Uhr im Festzelt am Sportplatz mit einem Kommers eröffnet, anschließend ist Disco mit DJ Björn (Eintritt frei). Nach der Vorstellung der Chronik gibt es am Samstag, 25. Juni, Kaffee und Kuchen, und parallel (von 14 bis 18 Uhr) werden im Gemeindehaus verschiedene Ausstellungen gezeigt. Ab 20 Uhr ist Live-Musik im Festzelt. Am Sonntag, 26. Juni, ist um 9 Uhr der Festgottesdienst in der Pfarrkirche. Anschließend sind ganztägig auf einer Festmeile zwischen Kirche und Sportplatz Handwerkermarkt, Ausstellungen, Vorführungen, musikalische Unterhaltung. Ab 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen im Festzelt, ab 18 Uhr wird Tanzmusik gespielt (freier Eintritt), und um 23 Uhr beendet ein großes Feuerwerk das Jubiläum. bb

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