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Es gibt exakt zwei Themen, die den kommunalpolitisch interessierten Prümer zur Zeit aus der Reserve locken könnten. Da geht es zum einen um die aufreizend dahindümpelnden Bebauungsversuche am früheren Bahngelände, zum anderen um die Erfindung einer Verkehrsführung, von der erstmals in der Geschichte der Abteistadt auch der Fußgänger profitieren könnte.

Da es sich in beiden Fällen um Dauerbrenner handelt, ist das Feuer aus der öffentlichen Diskussion längst heraus. Gleichwohl züngeln in den Gremien noch ein paar Flämmchen, die je nach Dosierung der Sauerstoffzufuhr nach wie vor dazu in der Lage sind, in nichtöffentlichen Sitzungen interfraktionelle Flächenbrände zu entfachen. Doch Zögerlichkeit und allgemeine Verunsicherung sind erklärbar: die missratene Planung des Teichplatzes hat im Rat ihre Spuren hinterlassen. Um im Bild zu bleiben: gebrannte Kinder scheuen das Feuer. "Ich habe nur eine Stimme im Rat, aber neben mir sitzen 22 Leute, die 22 andere Meinungen haben." Überraschend öffentlich klagte jüngst Prüms Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU) ihr Leid. Während des Einzelhandelsforums der Industrie- und Handelskammer im Konvikt entlud sich ihr Frust wegen des planerischen Stillstands am Bahngelände sogar dergestalt, dass sie das Auditorium zum fröhlichen Klinkenputzen von Investoren und Vertretern einschlägiger Discounter in ihr Büro einlud. Dabei muss man kein Städteplaner sein, um zu wissen: Das Bahngelände befindet sich an der Grenze zur Innenstadt, weshalb das Ansiedeln von Billig-Anbietern der Todesstoß für den alt eingesessenen Einzelhandel bedeuten könnte. Das weiß natürlich auch die Stadtchefin, weshalb deren Credo lautet: "Wir können und müssen die Sache steuern." Gleichzeitig drängt sich die elementare Frage auf, ob der Prümer als solcher oder die Menschen im urbanen Einzugsgebiet einen weiteren Drogeriemarkt, eine vergrößerte Supermarkt-Dependance oder einen 08/15-Ausstatter zum Überleben benötigen. "Natürlich nicht", kann die Antwort nur lauten, denn mit der Tagescreme von Pfingstmann, mit Nudeln aus dem Hit und mit der Bundfaltenhose von Steffen (um nur einige Beispiele zu nennen) wird es sich auch künftig hervorragend leben lassen. Und während sich der Einzelhandelsverband der Region Trier wünscht, die "Geiz-ist-geil"-Entwicklung zu stoppen, bekommen auch die Mitglieder des Prümer Gewerbe- und Stadtmarketingvereins feuchte Hände, wenn sie Bahnhof hören. "Es ist sicher wichtiger, erst die Läden in der Innenstadt zu füllen", brachte es die Vorsitzende Christine Kausen am besagten Abend im Konvikt auf den Punkt, indem sie gleichzeitig das Ansiedeln von Freizeit-Einrichtungen an dieser Stelle präferierte. Dem müsste eigentlich nichts hinzugefügt werden. Aber: Die Verunsicherung bleibt. Erst vor wenigen Wochen entlud sich der Zorn einiger Ratsherren am Städteplaner-Büro Heinz & Jahnen. Doch der Versuch des Abschusses geriet zum Rohrkrepierer. Also wird es auch künftig mehr oder weniger bunte Plänchen aus Aachen geben - ob sie nun umgesetzt oder wieder und wieder tot diskutiert werden. Gerne erinnert man da an das so genannte Verkehrs- und Gestaltungskonzept aus dem Jahr 1991 (Neunzehnhunderteinundneunzig), von dem - seinerzeit einstimmig beschlossen - nichts, aber auch gar nichts übrig geblieben ist. Wobei wir beim Thema Verkehrsführung wären. In dieser Angelegenheit wird bereits seit Jahrzehnten kräftig gekleckert. Und seitdem Christian Klotz, Bad Reichenhaller Marketing-Mann und Handlungsreisender in Sachen "Autos in die Stadt", den wenigen Fußgängerzonen-Sympathisanten die Stelzen ordentlich beschlagen hat, dreht sich alles um das Thema Kreisverkehr. Der erste könnte 2006 kommen, am neuralgischen Punkt von Heldstraße, Ritzstraße und Gerberweg. Das ist übrigens die Stelle, an der die Deutsche Bundesbahn Ende der achtziger Jahre eine Lichtzeichenanlage installieren ließ. Die Älteren von uns werden sich daran erinnern, dass sie seinerzeit drei- bis viermal pro Jahr zum Zuge kam. Doch zurück zur Kreisel-Theorie. Hier hält sich beharrlich das Gerücht, wonach es einigen maßgeblichen Prümer Kommunalpolitikern überhaupt nicht in den Kram passt, dass die Straßenbaubehörde in Gerolstein mit einem Kreisverkehr auf dem Hahnplatz kein Problem sieht. Insofern ist davon auszugehen, dass dieses Projekt im Rat nicht mehrheitsfähig ist. Stattdessen könnte die obere Bahnhofstraße gesperrt werden, um dem Verkehr aus Richtung Niederprüm die direkte Zufahrt zur Innenstadt zu verwehren beziehungsweise nur über den Gerberweg zuzulassen. Was dann folgen würde, wäre die Installation des Einbahnstraßenrings über Spiegelstraße und Altenmarkt; Pläne, die schon lange in den Schubladen harren. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. So ist es gut zu wissen, dass der Rat mit Leidenschaft zumindest hinter den Kulissen an stadtverträglichen Lösungen arbeitet. Wie viele Wahlperioden dabei ins Land ziehen, muss derweil abgewartet werden. In unserer Rubrik "So gesehen . . .." geben wir in loser Folge Autoren Raum für ungewöhnliche Standpunkte und Meinungen. Manfred Reuter ist TV-Redakteur in der Lokalredaktion Prüm.