Aus der Region - für die Region

KYLLBURG/BITBURG. Die Katholische Landvolkbewegung (KLB) verfolgt eine kühne Idee: Eifeler Landwirte bieten gemeinsam ihre Produkte in einer täglich geöffneten Markthalle an.

Im KLB-Arbeitskreis "Ländliche Entwicklung und Raumordnung" der Diözese Trier treffen sich zehn bis 20 Teilnehmer alle zwei Monate, um sich über Themen wie Gentechnik oder Milchquoten auszutauschen. Derzeit diskutieren die Teilnehmer intensiver, denn es geht um ein spektakuläres Projekt mit vielen Kooperationspartnern: eine Eifel-Bauernmarkthalle zur Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte "aus der Region - für die Region". Hintergrund ist die Verunsicherung der Verbraucher im Lebensmittelbereich. Wem kann der Kunde heute noch trauen? Wie leistungsfähig ist die heimische Landwirtschaft? "Wir wollen ein Klima des Vertrauens, ein Wir-Gefühl zwischen Erzeugern und Verbrauchern entwickeln", sagt Raimund Fisch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel. Eine Studienfahrt führte Mitglieder des Arbeitskreises nach Ravensburg, wo seit zehn Jahren eine Bauernmarkthalle erfolgreich läuft. "Bei den dortigen Beteiligten wurden alle Bedenken zerstreut, dass die Halle in schädlicher Konkurrenz zum Wochenmarkt stehen könnte", berichtet KLB-Vorstandsmitglied Helmut Schilz. "Durch gemeinsame Aktionen wurde der Wochenmarkt sogar belebt." Die Eckpunkte des Konzepts lauten:Trägerschaft: In Ravensburg übernahm ein Verein die Organisation und erließ eine Marktordnung. Die Beschicker treten als eigenständige Unternehmer auf. Welche Trägerschaft beim Eifeler Modell zum Zuge käme, ist noch offen.Halle: Wegen der zentralen Lage und des Käuferpotenzials soll eine Halle in Bitburg gemietet werden. Der genaue Standort ist noch offen, soll aber möglichst in der Nähe der Innenstadt liegen.Gliederung: Die Stände werden nach Herkunftsbetrieben und Produkten angeordnet. Die Kunden wissen genau, woher die Waren stammen. Die Identifikation wird außerdem durch geschulte Verkäufer gefördert, die die jeweiligen Bauernhöfe kennen. Wegen des Wiedererkenungseffekts betreuen sie dauerhaft bestimmte Stände in der Halle.Angebot: Dazu gehören beispielsweise Brot, Back- und Teigwaren, Honig, Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst, Kartoffeln, Eier, Schnaps und Eingemachtes. "Unsere Vorarbeiten zu dieser Idee haben Zuspruch bei wichtigen Kooperationspartnern gefunden", sagt Arbeitskreis-Leiter Nico Billen. Mit im Boot sitzen die Katholische Landvolkhochschule in Kyllburg unter Leitung von Rudolf Meyer und der Verein der Direktvermarkter landwirtschaftlicher Produkte Eifel-Mosel-Saar. Zum weiteren Kreis gehören der Kreisbauernverband, das DLR Eifel, Carrefour Rheinland-Pfalz, die Stadt Bitburg und nicht zuletzt die Entwicklungsgruppe "Regionen aktiv" der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. An diese Gruppe richtet sich der Antrag, ein Konzept für die Markthalle von einem erfahrenen Projektmanager erstellen zu lassen. Dabei soll auch die wirtschaftliche Rentabilität analysiert werden. Eine weitere öffentliche Förderung ist nicht vorgesehen - die Halle soll sich selbst tragen. Günstige Preise sollen durch den Direktverkauf gewährleistet werden. Schilz: "Die gemeinsame Nutzung verringert den Aufwand beim einzelnen Anbieter, so dass die Wertschöpfung innerhalb der Region verstärkt wird." Wenn der Antrag eingereicht ist, wollen die Initiatoren interessierten Landwirten eine Informations- und Diskussionsveranstaltung anbieten. Die Anregungen fließen in die weitere Planung ein. Arbeitskreis-Mitglied Matthias Arens aus Oberstedem, vor vielen Jahren ein Pionier der Direktvermarktung, sagt: "Natürlich gibt es in einer Stadt wie Ravensburg mehr Publikumsverkehr. Aber wir hoffen, dass wir so den Verkauf auch in der Eifel ankurbeln können."

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