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Aus für den Festzug - Europäisches Folklore-Festival 2017: Bitburger Stadtrat beschließt Programm-Änderungen

Aus für den Festzug - Europäisches Folklore-Festival 2017: Bitburger Stadtrat beschließt Programm-Änderungen

Wenn das mal gut geht: Trotz kritischer Stimmen hat der Bitburger Stadtrat ein neues Konzept fürs Folklore-Festival beschlossen und das Programm der Traditionsveranstaltung damit gehörig umgekrempelt.

Bitburg. Was ist der Höhepunkt des Europäischen Folklore-Festivals? Der Festzug am Sonntag, würden wohl viele Bitburger auf diese Frage antworten. Doch der altgediente Programmpunkt, der seit 1965 zum Bitburger Grenzlandtreffen gehört wie der Braten zum Sonntag, ist nun erst mal Vergangenheit.
Nach der über 50-jährigen Geschichte des Spektakels wird es 2017 erstmalig keinen Festzug geben - und damit auch keine Tribüne für Ehrengäste.
Wer auf solch eine Idee kommt? Die Bitburger Stadtverwaltung, und dazu stimmten die Ratsmitglieder auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig für das neue Konzept, das Bürgermeister Joachim Kandels den Ratsmitgliedern präsentiert hat.
Die Änderungsvorschläge seien aus dem Workshop zum Festival hervorgegangen, sagt Kandels, an dem im September 50 Bürger teilgenommen haben (der TV berichtete) und an dem es heftige Kritik hagelte, wie der Beitrag einer Bürgerin zeigte: "Der Festzug ist eine absolute Katastrophe! Für die Gruppen ist es noch ganz schön, die haben ja auch Aktion. Aber für die Zuschauer ist es einfach langweilig. Viel zu viele Lücken, es zieht sich einfach ewig." Die Kritik, die auf der Bürgerveranstaltung laut wurde, habe man im Team ausgewertet, sagt Kandels.
Jetzt will die Stadt Hand anlegen und die Traditionsveranstaltung umkrempeln. Doch bevor es im Stadtrat zur Abstimmung kam, entfachten die Änderungsvorschläge eine hitzige Debatte:
"Wir würden es sehr bedauern", sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Irene Weber, "wenn der Festzug 2017 ausfiele. Unser Vorschlag wäre nur, die Ehrentribüne abzuschaffen." Denn viele Bitburger sehen in der Ehrentribüne vor der Stadthalle den Grund dafür, dass der Festzug nicht läuft und zeitweise große Lücken aufweist, welche bei den Zuschauern am Straßenrand große Langeweile aufkommen lässt. "Diese Ehrentribüne ist eh nicht mehr zeitgemäß", meinte auch FDP-Fraktionsvorsitzende Marie-Luise Niewodniczanska. "Uns ist der Festzug wichtig", sagte Willi Notte, Fraktionsvorsitzender Liste Streit, "denn er ist für die Identität des Festivals unverzichtbar und ein Publikumsmagnet. Denn viele Besucher kommen allein deshalb zum Folklore-Festival". So forderten die Fraktionen SPD und Liste Streit, den Festzug beizubehalten.

Ersatz: Dabei beabsichtigt die Stadtverwaltung gar nicht, den Festzug ersatzlos zu streichen. Stattdessen soll das neue Konzept dem Publikum mehr Kleinkunst, Improvisationstheater und Live-Musik in Verbindung mit Folklore bieten. Kandels: "Ziel ist es, die Innenstadt und die neu gestalteten Plätze wie den Spittel und Konrad-Adenauer-Platz durch mehr Gruppenauftritte und Bühnenprogramm über einen längeren Zeitraum als bisher zu beleben." Mit der Bürgerbeteiligung, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Ludwig, stehe das neue Konzept auf einer breiten Basis.
Auch die Freie Bürgerliste (FBL) stimmte den Vorschlägen der Stadtverwaltung bedingungslos zu: "Wenn wir damit die Plätze und Gassen in der Stadt beleben, sind wir auf dem richtigen Weg", sagte FBL-Fraktionsvorsitzender Manfred Böttel. Auch bei der Grünen-Fraktion fand das neue Konzept Zuspruch: "Das Folklore-Festival hin zum Stadtfest mit Live-Musik auf schönen Plätzen zu entwicklen, damit sind wir sehr zufrieden", sagte Bernd May (Grüne).
Und so fand das Konzept trotz drei Enthaltungen im Stadtrat breite Zustimmung. Denn die Fraktionen SPD und Liste Streit stimmten trotz der Bedenken für die Programmänderung, die noch viele weitere Neuerungen mit sich bringt.
So wird zum Beispiel mit dem Konrad-Adenauer-Platz eine neue Veranstaltungsfläche aufgenommen und am Sonntag ein durchgängiges Musikprogramm auf mehreren Bühnen geboten. Für den Sonntag ist zudem ein Tanzabend mit Live-Musik im Festzelt geplant. Kandels: "Mittelpunkt des Festes soll jedoch die Folklore bleiben. Und wenn 2017 alle schreien: ‚Wo ist der Festzug?' müssen wir das Programm für 2018 wieder weiterentwickeln."
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 Das bunte Treiben des Festzugs vom Straßenrand aus zu beobachten, ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Festivals. TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
Das bunte Treiben des Festzugs vom Straßenrand aus zu beobachten, ist für viele Besucher ein Höhepunkt des Festivals. TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling Foto: klaus kimmling (kik), klaus kimmling ("TV-Upload kimmling"

Pro: Frischer Wind belebt das FestAuch wenn jetzt viele aufschreien, weil der Festzug Tradition hat, kann man die Entscheidung des Stadtrates, den Programmpunkt zu streichen, nachvollziehen. Zumal der Festzug in den letzten Jahren nicht wegen seiner Popularität, sondern wegen seines lückenhaften Ablaufs zum Stadtgespräch wurde. Die Möglichkeit, die Folklore-Gruppen zu Gesicht zu bekommen, bietet sich den Besuchern darüber hinaus bei vielen anderen Gelegenheiten während des Festivals. Frischen Wind in die Traditionsveranstaltung zu bringen, wird vor allem das junge Publikum begeistern. Wenn das Experiment, das Folklore-Festival hin zu einem Stadtfest zu modifizieren, aber nicht gelingt, kann man ja schon 2018 wieder zum altbewährten Programm zurückkehren. c.moeris@volksfreund.de

Contra: Bierstädtische Schnapsidee

Wer in Zukunft den Begriff Schnapsidee erklären möchte, dem liefert Bitburgs Umgang mit dem Folklore-Festival ein Paradebeispiel. Statt einen in die Jahre gekommenen Festumzug einer Verjüngungskur zu unterziehen, schaffen ihn die Bierstädter ganz ab. So kippt man das Kind mit dem Bade aus, beraubt das Folklorefestival eines Höhepunkts, der allein jährlich Tausende nach Bitburg lockt. Besucher, die übrigens nicht nur den Umzug schauen, sondern auch in der Gastronomie und auf der Kirmes für reichlich Umsatz sorgen. Einen ähnlichen Schildbürgerstreich bescherten sich die Bitburger zuletzt mit dem Einbahnring. Der einzige Trost: Auch diese Schnapsidee wurde rasch wieder gekippt. r.seydewitz@volksfreund.de