1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Aus für Tourismus-Tandem: Verkehrsverein Oberes Kylltal pleite - Gemeinde Dahlem will Rettung nicht mittragen

Aus für Tourismus-Tandem: Verkehrsverein Oberes Kylltal pleite - Gemeinde Dahlem will Rettung nicht mittragen

Der Verkehrsverein Oberes Kylltal, dem die Verbandsgemeinde Obere Kyll (Kreis Vulkaneifel), die nordrhein-westfälische Gemeinde Dahlem und die Ortsgemeinde Stadtkyll angehören, ist in Finanznot: Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist beantragt. Einen Rettungsversuch wollte man auf Dahlemer Seite nicht mittragen.

Das war's mit der Partnerschaft über die Landesgrenzen hinweg: Auch wenn der Verkehrsverein Oberes Kylltal vor zwei Wochen noch beste Übernachtungszahlen vorlegen konnte, steht er jetzt vor dem Aus: Die Kosten können nicht mehr gedeckt werden.Verfahrensverlauf noch offen

Der Verein, in dem seit mehr als 40 Jahren die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll, die Ortsgemeinde Stadtkyll und die nordrhein-westfälische Gemeinde Dahlem gemeinsam die Tourist-Information (TI) in Stadtkyll betreiben und Angebote für Urlauber vermarkten, hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt.

Das Amtsgericht Bitburg hat Rechtsanwältin Katrin Himmes aus Daun eingesetzt: Sie könne aber noch nichts zur Sache sagen, teilt sie auf Anfrage mit. Es gebe in diesem Fall auch kein vorläufiges Insolvenzverfahren - sie werde sich zunächst ein Bild von den finanziellen Verhältnissen des Vereins machen und dann ein Gutachten schreiben: "Und das Gericht entscheidet dann über die Eröffnung eines Verfahrens", sagt Katrin Himmes.

Dem Verein gehören die genannten Kommunen an - und etwa 140 Betriebe aus Tourismus, Handel und Diensleistung beiderseits der Landesgrenze. Finanziert wird er aus den Mitgliedsbeiträgen (gesamt etwa 13 000 Euro im Jahr) und aus den freiwilligen Leistungen der kommunalen Co-Träger: So zahlt die VG Obere Kyll 60 000 Euro im Jahr, die Gemeinde Dahlem 30 000 und die Ortsgemeinde Stadtkyll 10 000. Das alles aber reichte offenbar nicht mehr, um die Kosten des Vereins, der unter anderem die beiden festen Mitarbeiter der Tourist-Information und eine Teilzeitkraft davon bezahlt, zu decken: Nach Angaben von VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz habe sich mittlerweile ein stattlicher fünfstelliger Fehlbetrag angesammelt.

Der VG-Rat in Jünkerath beschloss deshalb Anfang des Monats, noch einmal Geld nachzuschießen. Auch in Stadtkyll wäre man dazu bereit gewesen, sagt Ortsbürgermeister Harald Schmitz. Wieviel Geld das genau sein sollte, ist nicht ganz klar. Diane Schmitz nennt eine Gesamtsumme, die sich "zwischen 60 000 und 100 000 Euro" bewegt hätte.
Egal wieviel, der Rat in Dahlem entschied anders: "Damit war der Verkehrsverein zahlungsunfähig" sagt Diane Schmitz. "Und deshalb mussten wir einen Insolvenzantrag stellen, sonst hätte man uns eine Verschleppung vorwerfen können."
Warum das Nein aus Dahlem? Man habe die Ansicht, sagt Bürgermeister Jan Lembach, eine Weiterführung sei "in dieser Form ausgeschlossen". Für ihn seien die Dinge im Verein in den vergangenen Jahren einfach "nicht zufriedenstellend" gelaufen. Weshalb man auch Anfang August bereits die Postagentur, die bis dahin ebenfalls von der Tourist-Information betrieben wurde, abgegeben habe.

Ja, man habe Jahrzehnte lang gut zusammengearbeitet, sagt Lembach. Und als er vor zwei Jahren angetreten sei, habe er gedacht: "Läuft gut." Aber "unterm Strich" sei seitdem "ein finanzielles Durcheinander" festzustellen. "Und da sind wir einfach nicht bereit, das aufrechtzuerhalten."

Womit er auch Kritik an Geschäftsführer und TI-Chef Andreas Wisniewski übt, der nicht rechtzeitig auf die Finanznot hingewiesen habe (Wisniewski war für den Artikel nicht zu sprechen). Konsequenz: Dahlem hat die Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt. Und wird sich wohl der größeren Nordeifel-Tourismus GmbH im Kreis Euskirchen anschließen, wo man zudem etwa 10 000 Euro weniger Jahresbeitrag zahlen würde. "Da muss der Rat drüber entscheiden", sagt Lembach. "Aber der Gedanke ist ja offensichtlich."

Jan Lembach allerdings gibt weitere Gründe dafür an, dass man die Zusammenarbeit beende: Die ungewisse Situation der Oberen Kyll bei der Kommunalreform - und die Vereinsstruktur, die er nicht mehr zeitgemäß findet: Das sei gewiss einmal gut gewesen, zumal man, weil grenzüberschreitend, ja beispielhaft für andere agiert habe. "Aber die Zeit ist nicht stehengeblieben." Letztlich fehle ihm einfach die Perspektive.Dann eben ohne Dahlem

Und wie geht es nun weiter? Geht's überhaupt weiter? Diane Schmitz ist überzeugt, dass man einen Neuanfang hinbekommen werde - dann eben ohne Dahlem. "Und ich werde alles daran setzen" sagt Harald Schmitz, "dass wir hier eine touristische Einrichtung behalten. Wir können das nicht bei mehr als 200 000 Übernachtungen auf unserer Seite kaputtgehen lassen. Der Tourist muss einen Ansprechpartner haben."
Dass sich die Dahlemer jetzt aus dem Verbund davonmachen, passt ihm gar nicht: Diese Haltung, sagt Schmitz, "finde ich unfair."Meinung

Der willkommene AnlassDer Verkehrsverein Oberes Kylltal ist hinüber: Schade um eine beispielhafte touristische Partnerschaft, von der man gerade auch in Dahlem jahrzehntelang profitiert hat. Bürgermeister Jan Lembach, seit zwei Jahren im Amt, und sein Rat wischen das alles nun radikal weg und sind nicht bereit, Geld nachzuschießen. Ganz klar: Die Havarie hätte verhindert werden können, wenn alle besser aufgepasst und früher Konsequenzen gezogen hätten. Aber man hat auch den Eindruck: Die Dahlemer wollten sowieso raus. Und finden jetzt den passenden Anlass dafür. f.linden@volksfreund.de