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Aus Polizei wird Feuerwehr

Aus Polizei wird Feuerwehr

Erduntersuchungen haben gezeigt: Das Gelände an der Spitzmühle ist so stark verseucht, dass es nicht für den Neubau der Hauptfeuerwache geeignet ist.

Trier. Das Problem drängt seit fast zehn Jahren: Die Trierer Berufsfeuerwehr kann von ihrer Hauptwache am Barbaraufer aus nicht alle Trierer Stadtteile in der vorgeschriebenen Zeit von acht Minuten erreichen. Dazu kommt, dass die Bausubstanz völlig marode ist und das Ufergelände viel zu wenig Platz bietet.
Seit 2008 ist die Stadtverwaltung auf der Suche nach einem Standort für einen Neubau.
Anfänglich waren mehrere Areale im Rennen, 2013 entschied Feuerwehrdezernent Thomas Egger, die weiteren Planungen auf das Gelände an der Spitzmühle zu konzentrieren. Baupläne und Klimagutachten wurden in Auftrag gegeben. Im Juli 2015 begannen Grabungen - ursprünglich, um auszuschließen, dass unter der Oberfläche eine römische Tempelanlage liegt. Statt antiker Bauten kam allerdings etwas ganz anderes zutage: giftige Altlasten einer ehemaligen Lederfabrik. Die Grabungen des Landesmuseums wurden auf Eis gelegt, der Boden gründlich untersucht (der TV berichtete mehrfach).
Bei seiner Sommerklausur im Hotel Weis in Mertesdorf hat der Stadtvorstand nun eine Entscheidung getroffen: Die Spitzmühle wird als potenzieller Standort für die neue Feuerwache aufgegeben, teilte Oberbürgermeister Wolfram Leibe am Montag mit. "Bei den Bodenuntersuchungen wurden 13 Kontaminationsstellen gefunden. Diese Altlasten der ehemaligen Lederfabrik zu entfernen und den Grund so herzustellen, dass wir bauen könnten, würde wohl Millionen kosten", sagte Leibe.
Welche Stoffe genau das Gelände zwischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und Kleingartenanlage Ost birgt, ließ Leibe offen. "Die Altlasten sind allerdings nicht so giftig, als dass wir sie entsorgen müssten", sagte er. "Nach Aussagen der Experten besteht auch keinerlei Gefahr, wenn wir die Grabungslöcher wieder zuschütten." Die Kontamination sei auch nicht so stark, dass ein Bau dort generell unmöglich wäre. Wegen der hohen Entsorgungskosten erscheine ein Festhalten an dem Gelände allerdings nicht sinnvoll. Für den Neubau der Feuerwache soll nun das Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Südallee in den Fokus genommen werden. Bei den Vorprüfungen war dieses Gelände aussortiert worden. Zu klein, die Erschließung zu teuer und schwierige topografische Bedingungen durch starke Geländeversprünge, hieß es damals. Das Polizeigelände hat 9600 Quadratmeter, benötigt werden laut Studie von 2012 für den Neubau der Hauptwache allerdings 10 500 Quadratmeter. Zumindest dieses Platzproblem scheint mittlerweile gelöst: Dadurch, dass 30 Feuerwehrleute zusätzlich eingestellt werden sollen (der TV berichtete), wird die neue Nebenwache in Ehrang mit so vielen Männern besetzt, dass dort auch mehr Löschfahrzeuge stationiert werden können. "Dadurch benötigen wir für die Hauptwache insgesamt weniger Platz", schlussfolgerte Leibe.
Das Zeitproblem bleibt allerdings: Die Polizei will erst 2019 aus dem Gebäude am Kaiserthermenkreisel endgültig ausziehen. "Aber da sowieso noch keine konkreten Vorplanungen für eine Feuerwache auf diesem Gelände bestehen, benötigen wir die Zeit bis dahin ohnehin noch", sagte Leibe. Inklusive Abriss- und Neubauzeit dürfte die neue Feuerwache daher wohl nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts stehen.Extra

Aus für Museum: Multimillionär und Kunstsammler Hans Grothe (85) hatte der Stadt angeboten, auf dem Gelände des alten Polizeipräsidiums auf eigene Kosten ein Museum für moderne Kunst zu bauen und dieses mit der eigenen, renommierten Bildersammlung zu bestücken (der TV berichtete am 19. Februar). Erst kürzlich hat Grothe in dieser Sache erneut beim Land vorgesprochen, dem das Polizeigelände gehört. Mit dem Kurswechsel der Stadt beim geplanten Feuerwacheneubau dürften die Museumspläne allerdings gestorben sein. woc