Ausgereift durch Wartezeit?

Wer Kaufmann ist, der rechnet schon immer mit der doppelten Buchführung, auch Doppik genannt. Wer den Haushalt einer Kommune in Zahlen zeigen will, rechnete dagegen bisher mit der sogenannten Kameralistik. Das soll jetzt aufhören, und die doppelte Buchführung soll auch in Kommunen eingeführt werden. Wie klappt dies im Kreis? Der TV hat nachgefragt.

Bitburg/Prüm. Noch in den Kinderschuhen steckt der Eifelkreis Bitburg-Prüm - zumindest, was die Doppik (doppelte Buchführung in Kontenform) angeht. Erst zum 1. Januar 2009 stellt der Kreis seine Haushaltsrechnung um. Bitburg-Prüm hat klare Ziele.

Die nötige Eröffnungsbilanz soll nach Aussage von Heike Frankiewitsch, Pressesprecherin des Eifelkreises Bitburg-Prüm, bis Ende des ersten Halbjahres 2009 fertig gestellt sein, so dass sie geprüft und dem Kreistag vorgelegt werden kann. Der Kreis hat damit den letztmöglichen Zeitpunkt der Umstellung gewählt. Das war vor allem "aus ökonomischer Sicht sinnvoll", erklärte Heike Frankiewitsch. Die Erfahrungswerte anderer Kommunen, die die Doppik bereits eingeführt haben, böten "eine wichtige Plattform des Erfahrungsaustauschs". Doch die Doppik ist keine billige Sache für den Kreis. Rund 47 000 Euro mussten für die nötige Software ausgegeben werden. Jährlich fallen zusätzlich noch 15 000 Euro für das Programm an. Die umfassende Schulung der Mitarbeiter liegt nach Einschätzung Frankiewitschs bei maximal 30 000 Euro.

Die Stadt Bitburg, einer der Vorreiter der Einführung der kaufmännischen Buchführung, verabschiedet im Jahr 2009 hingegen schon den dritten doppischen Haushalt. Nach Angaben von Werner Krämer, Pressesprecher der Stadt Bitburg, sei alles so weit reibungslos verlaufen. Kleinere Probleme seien nur in Bezug auf die Software aufgetreten.

Das Gros der Kommunen muss zum Jahreswechsel umsteigen. Die VGen Bitburg-Land, Neuerburg, Irrel, Speicher und Kyllburg starten im Januar 2009 mit der Doppik. Im Vulkaneifelkreis sieht es anders aus. Dieser hat schon 2007 auf Doppik gewechselt. Die VGen Kelberg, Daun und Gerolstein rechnen auch schon nach kaufmännischer Art. Nur Hillesheim und die Obere Kyll müssen noch umstellen.

Auch in der Verbandsgemeinde Arzfeld wird der Schritt in die neue Haushaltsrechnung erst im neuen Jahr gewagt. Die Vorbereitung läuft auf Hochtouren. Wider Erwarten sei schon im Vorfeld mehr Arbeit angefallen, erklärte Karl-Heinz Kellen von der Verbandsgemeindeverwaltung Arzfeld. "Mehr Buchungen führen zu mehr Aufwand. Der Mehraufwand wird auch in Zukunft bleiben." Doch was den Haushalt und die Eröffnungsbilanz angeht, ist Kellen guter Dinge. Die Bilanz soll spätestens am 30. November 2009 vorliegen. "Wir hoffen aber, dass wir früher fertig werden." Die Haushalte für die Gemeinden sollen noch in diesem Jahr verabschiedet werden, der VG-Haushalt wird Anfang 2009 folgen.

Diese Planung verfolgt auch die VG Prüm. Vom 23. September bis Mitte November sollen die Haushalte der 43 Gemeinden beschlossen werden. "Den VG-Haushalt stellen wir hinten an, mit ihm ist um den Jahreswechsel zu rechnen", sagt Anton Karp von der VG. Auch die Eröffnungsbilanz soll pünktlich festgestellt werden. Obgleich der Aufwand für Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern relativ hoch sei, kann Karp der kaufmännischen Buchführung Positives abgewinnen. "Die Zahlen schaffen Transparenz", bemerkt er. "Denn mehr Zahlen lassen einen besseren Blick auf die Finanzlage zu." extra Doppik: "Doppik" ist die Abkürzung für "Doppelte Buchführung in Kontenform". Der Haushalt wird dabei nach den Grundlagen des kaufmännischen Rechnens wie in Unternehmen erstellt und arbeitet mit Erträgen und Aufwendungen. Bei der Umstellung müssen Kommunen unter anderem eine Eröffnungsbilanz aufstellen, in der ihr Vermögen erfasst und bewertet wird. In dem bislang üblichen staatswirtschaftlichen Haushalt (Kameralistik) zählten nur Einnahmen und Ausgaben. Gründe für die Abkehr von diesem (kameralistischen) System: Vermögenswerte (Gebäude, Straßen, Wald) und Verpflichtungen müssen realitätsnah erfasst werden. Abnutzbare Vermögen müssen flächendeckend abgeschrieben werden. Damit wird der Wertverlust nachvollziehbar. Durch detaillierte Kosten- und Leistungsrechnungen muss mehr Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Künftige Belastungen wie Erhaltungsaufwand oder Pensionsverpflichtungen müssen in die Planungen miteinbezogen werden. (win)