1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Ausstellung im Bitburger Rathaus dokumentiert die Kriegsweihnacht 1944

Bitburg vor 75 Jahren : Bombennacht statt Frieden auf Erden

Am Heiligabend vor 75 Jahren war Bitburg das Ziel einer amerikanischen Bomberstaffel. Eine Ausstellung im Rathaus dokumentiert die Tragödie, zur Eröffnung schilderten Zeitzeugen ihre damaligen Erlebnisse.

Sie waren allesamt Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren, die sich am 24. Dezember 1944 auf den Weihnachtsabend und natürlich auf Geschenke gefreut hatten. Stattdessen kamen Tod und Zerstörung über Bitburg, denn die Stadt war während der von Hitler befohlenen Ardennenoffensive ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und wurde an diesem Tag bombardiert. „Die deutschen Streitkräfte versuchten unter anderem den Hafen von Antwerpen zurückzuerobern, um den Nachschubweg der alliierten Truppen zu unterbrechen“, sagt der pensionierte Lehrer und Historiker Peter Neu bei der Eröffnung der Ausstellung im Bitburger Rathaus, die rund 100 Menschen aus Bitburg und Umgebung besuchen.

Die logische Reaktion der Amerikaner auf die Offensive war die Bombardierung der Eifel und ihrer Städte, dem Aufmarschgebiet der deutschen Armee. Der unsinnige Plan Hitlers scheiterte, zu leiden hatte die Zivilbevölkerung, die der bis dahin schnelle Vormarsch der Alliierten in Belgien und Luxemburg bereits auf ein nahes Kriegsende hoffen ließ. „Meine Geschwister und ich schmückten gerade den Weihnachtsbaum, als der Alarm losging“, erinnert sich Marianne Dreiser, damals zehn Jahre alt. „Wir rannten in den Keller, es hat zwei Stunden lang fürchterlich geknallt und gerumpelt, wir hatten alle Todesangst. Als wir uns später aus dem Keller befreiten, konnte ich nicht mehr sprechen.“

Marianne Dreiser verlor beim Bombenangriff ihre älteste Schwester, die verschüttet wurde. „Bitburg war zerstört, unser Haus nicht mehr bewohnbar. Wir sind ins Umland geflüchtet und kamen erst im März wieder.“ Dann erst hätte die Familie die tote Schwester bergen können. „Der Boden war ja bis in die Tiefe hart gefroren, das wäre vorher gar nicht möglich gewesen“, erinnert sich die alte Dame, die in diesem Augenblick ihre Tränen nicht zurückhalten kann. „Entschuldigung, aber das steckt in einem drin“, sagt sie.

Sechs Zeitzeugen erzählten zur Ausstellungseröffnung von ihren Erlebnissen während des Bombenangriffs am 24. Dezember 1944 auf Bitburg. Foto: Vladi Nowakowski

„Bitburg ist verloren“, zitiert Stadtarchivar Peter Neu aus einem zeitgenössischen Bericht des damaligen Feuerwehrhauptmanns. „Ganz Bitburg hat gebrannt“, sagt Toni Peifer, einer der Zeitzeugen. „Als wir aus der Stadt hinausgerannt sind, habe ich kleiner Bub mich nochmal umgedreht. Den Anblick werde ich niemals vergessen können.“

„Auch nach 75 Jahren sind die grauenhaften Erlebnisse nicht vergessen“, sagen diejenigen, die dabei waren: Toni Caster, Willy Niederprüm, Marianne Dreiser, Herbert Michels, Toni Peifer und Hermann Rass berichten von explodierenden Häusern, verletzten und toten Angehörigen, herabstürzenden Kirchtürmen und dem Hunger, der Not und der Kälte danach. Allesamt mussten sie nach den Bombenangriffen aus der toten Stadt in die Dörfer in der Umgebung fliehen; als sie teils erst im Sommer 1945 zurück kamen, waren sie ihrer Kindheit beraubt. Zunächst galt es, zumindest provisorische Unterkünfte zu finden und Bitburg, so gut es eben ging, wieder aufzubauen. „Ich habe an Heiligabend 1944 den Glauben an das Christkind verloren“, erinnert sich Hermann Rass. „Während draußen die Bomben fielen und die Stadt in Schutt und Asche legten, sprang im Schlafzimmer meiner Eltern der Schrank auf - und da waren all die Geschenke versteckt. Da erkannte ich, dass meine Eltern und nicht das Christkind die Geschenke bringen.“

„Es war eines der düstersten Ereignisse, die unsere Stadt zu bewältigen hatte“, sagt Bitburgs Bürgermeister bei der Ausstellungseröffnung. „Hoffen wir, dass sich so etwas nie wiederholt.“

Die Ausstellung zu den Ereignissen von 1944 haben Werner Pies, Egon Colling und Peter Neu vom Arbeitskreis „Aufarbeitung der Zeitgeschichte und Gedenken“ zusammengetragen. Sie ist bis Ende Januar im Foyer des Bitburger Rathauses zu sehen.