AUSSTELLUNG

WITTLICH. Stumme Geschöpfe wie aus der Ewigkeit zur Welt gekommen: Eine entrückende Magie gibt den Arbeiten von Jürgen Waxweiler eine zeitlose Präsenz. Seinen Köpfe-Kosmos hat der Bildhauer jetzt im Georg-Meistermann-Museum inszeniert.

Ein Ausstellungsbesuch öffnet immer neue Welten, mal mit Macht, mal zaghaft, manchmal auch ohne den Blick zu bannen. Jürgen Waxweilers "Köpfe" aber bannen Blicke, vielleicht gerade weil ihre Augen, die Fenster zur Seele, entrückt wie in die Ferne und ins Innere zugleich blicken. Sie öffnen sich für den Betrachter wie Fenster zu einer eigentümlich fremden wie vertrauten Welt. Ein sonderbares Paradox, - ein Teil der Magie seiner Arbeiten, deren Titel wie Halb- oder Doppelgott ja auch auf eine Symbolkraft verweisen, die bildende Kunst immer neu erschafft: Durch ihren Verweischarakter, ihre zeichenhafte Spur, die den Betrachter mehr erkennen lässt, als er sieht. "Déjá-vus" im Kopf wecken auch Waxweilers Köpfe: Stets fragmentarisch, Leerstellen lassend, trotz ihrer "Fertigkeit", gestalterischen Abgeschlossenheit und auch Schwere, arbeiten sie jenseits ihrer formalen Grenzen. Neue Zusammenhänge, neue Bilder

Auslöser mag ihre archaische Aura sein. "Das Fragment sagt manchmal mehr als das Ganze. Hinter den Köpfen steckt aber noch mehr. Es ist mein persönlicher Kosmos, der darin verborgen ist, und den es für den Betrachter zu entdecken und mit seiner Bildung und Weltsicht abzugleichen gilt. Ob das gelingt - wer weiß", sagt der Bildhauer. Ob es die Besucher verwundert, wenn bei seiner naturgemäß gravitätischen Kunst für Jürgen Waxweiler dennoch das spielerische Element wichtig ist? "Das Thema Kopf, ausgehend vom Porträt, hat unzählige Varianten. Die erprobe ich spielerisch: durch Spiegeln wie bei den Doppelgöttern oder Halbieren, durch das Kombinieren von Mensch und Tier. Ich schaffe damit neue Bilder und stelle neue Zusammenhänge her. Was die Leute dann später sehen, ist ja wieder was anderes", sagt Jürgen Waxweiler. Kombiniert und als Dialog mit der Architektur, den Räumen des alten Rathauses und auch mit dem Werk Georg Meistermanns, inszeniert, hat er auch seine Ausstellung: "Mehr als ein Jahr habe ich das Konzept gemeinsam mit Kulturamtsleiter Justinus Maria Calleen vorbereitet. Die Aufstellung produziert wieder neue Zusammenhänge, einen neuen Sinn." Ihren Höhe- und Endpunkt findet die Schau in einem abgedunkelten Raum, der "Grauzone". Das ist laut Duden auch Übergangsbereich, zwischen Hell und Dunkel, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Wachen und Schlafen. Grauzone als Traum-Installation

Waxweilers Grauzone ist eine "Traum-Installation" mit fast sakralem Charakter, deren zentrale Plastik durch die Durchgangsflucht der hintereinander liegenden Räume mit der dort gegenüber stehenden Skulptur in Dialog tritt. Anfang und Ende werden zur Einheit. "Die Bildhauerei ist eine aufwendige und deshalb auch langsame Disziplin. Sie ist mein Sprachmittel, und was meine Skulpturen ausmacht, das ist neben allen formalen Aspekten hoffentlich ein Stück ,Welthaltigkeit'", sagt Jürgen Waxweiler. Die Welt, die seine Welt eröffnet, ist ab 19. Februar, im Georg-Meistermann-Museum zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Abguss des Werkmodells (Maßstab 1:10) von Waxweilers Kopf im Wittlicher Stadtpark, der beim Bildhauersymposium entstanden und zu einem Sympathieträger geworden ist. Wie "funktioniert" die monumentale Arbeit als verkleinerte Sonderedition? Jürgen Waxweiler sagt: "Es funktioniert ganz pragmatisch. Wenn jeder dritte Säubrenner einen Abguss erwirbt, kann ich eine Weile sorglos meine neuen Projekte vorantreiben." Info: www.waxweilerskulpturen.de oder www.wittlich.de.

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