Axtmord-Prozess in Trier: Der Außenseiter suchte Hilfe

Axtrmord-Prozess in Trier geht weiter : Hilferufe eines Außenseiters

Zeugen zeichnen ein furchteinflößendes Bild des Angeklagten bei einem Mordprozess am Landgericht Trier: Der Mann sei „eine tickende Zeitbombe“ gewesen.

Eine Vorstellung wie aus einem Horrorfilm: Im späten November 2018 werden Polizisten zu einem Mordfall in ein kleines Dorf in der Eifel gerufen. Dort finden sie einen Leichnam, dessen Kopf abgeschlagen wurde. Der Anrufer war der vermeintliche Mörder selbst. Mit einer Axt soll er mit acht Hieben den Schädel des Opfers vom Körper getrennt haben. Die Anklageschrift spricht von heimtückischer Tötung.

Seit Donnerstag, 4. Juli, steht der Mann vor dem Landgericht Trier (der TV berichtete). Am Dienstag und Donnerstag wurden Zeugen vernommen. Der Angeklagte selbst äußert sich weiterhin nicht zum Tathergang.

Sechs Zeugen sprechen am zweiten Prozesstag vor Gericht, darunter weitere Polizisten, aber auch Nachbarn des Opfers. Darunter das Ehepaar, das den Beschuldigten an jenem Novembersonntag angerufen hat, um ihn darüber zu informieren, dass sein Onkel betrunken mit dem Auto unterwegs sei. „Ich wollte erst selbst rübergehen, aber dann haben wir uns entschieden, doch lieber den Neffen anzurufen“, erzählt der Nachbar. Heute mache er sich Vorwürfe, so gehandelt zu haben. Der Angeklagte, der oft unruhig auf seinem Stuhl sitzt, sich mehrfach über die Haare fährt und immer wieder den Kopf schüttelt bei den Aussagen der Zeugen aus dem Dorf, kann nicht an sich halten: „So haben Sie sich ja immer verhalten, Sie sind ein schlechter Mensch.“ Sein Anwalt versucht, solche Zwischenrufe zu unterbinden. Ohne Erfolg. Nach weiteren Kommentaren droht die Staatsanwaltschaft mit einem Saalverweis, sollte der Angeklagte weiterhin die Zeugen unterbrechen.

Übereinstimmend berichtet das Ehepaar davon, weder zum Opfer noch zum vermeintlichen Täter viel Kontakt gehabt zu haben. Gleichwohl habe der Angeklagte beide oft beleidigt. „Man konnte nie wissen, wie er gerade gelaunt war, deswegen hatte ich auch Bedenken, bei ihm anzurufen“, erzählt die Frau. Sie habe es dennoch getan und ein langes Telefonat geführt. Er sei sehr freundlich gewesen, habe seine Probleme geschildert. „Ich bin am Ende, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, habe er gesagt und sich zum Abschluss bei der Nachbarin fürs Zuhören bedankt. Danach hätte das Ehepaar nur noch mitbekommen, dass der Angeklagte seinen Onkel abgeholt habe.

Fünf weitere Zeugen äußern sich am dritten Prozesstag. Vier stammen aus dem Ort und festigen das Bild des Außenseiters, der von den meisten gemieden wurde. „Er war sehr launisch, das ganze Dorf hielt  Distanz, viele hatten auch Angst vor ihm.“ Der ehemalige Ortsbürgermeister bezeichnet den Angeklagten als „tickende Zeitbombe“. Dass es irgendwann bei ihm eskalieren würde, da sei er sich sicher gewesen. Er berichtet auch von einem Hilferuf. Wenige Wochen vor der Tat habe der Angeklagte ihn angerufen und gesagt, er wisse keinen Ausweg mehr. Um ihm zu helfen, habe der Orts-Chef mit der Psychiatrie, der Caritas und dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen, doch konkrete Unterstützung gab es von diesen Stellen nicht. „Lassen Sie sich nicht von ihm vereinnahmen“, soll gesagt worden sein.

Ähnlich erging es dem aktuellen Ortsbürgermeister des Dorfes. Auch an ihn wandte sich der Angeklagte, dass er nicht mehr die Kraft habe, sich um den „verwahrlosten Onkel“ zu kümmern. Der Zeuge habe daraufhin mit dem Sozialamt gesprochen. Dort arbeite eine ehemalige Dorfbewohnerin, die meinte: „Er [der Angeklagte] ist selbst das Problem, er erkennt das nur nicht.“ Bei diesem Punkt redet der Angeklagte oft auf seinen Anwalt ein. Zu der nicht erfolgten Hilfe raunt der Beschuldigte: „Das hätte er aber machen müssen“ und schüttelt vehement den Kopf.

Die Altenpflegerin, die sich um die bettlägrige Mutter kümmerte, bevor sie im Herbst 2018 ins Pflegeheim kam, sagt am dritten Tag als einzige Nicht-Ortsansässige aus. „Es war, als hätte er [der Angeklagte] zwei Persönlichkeiten“, erzählt die junge Frau. Morgens sei er angespannt gewesen und hätte jedes Reden und Lachen untersagt. Er sei unheimlich und teils ungepflegt gewesen. Abends sei er das Gegenteil gewesen, und oft habe man sich  über seine Schwierigkeiten unterhalten. Reibungspunkte gab es allerdings keine.

Der nächste Verhandlungstag ist für Donnerstag, 19. Juli, um 9 Uhr im Landgericht Trier angesetzt.

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