1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Bad-Verkleinerung schlägt Wellen

Bad-Verkleinerung schlägt Wellen

Der TV-Bericht über die geplante Sanierung und Verkleine-rung des Verbandsgemeinde-Schwimmbads in Stadtkyll (TV vom 3. September) hat die Verteidiger der Einrichtung auf den Plan gerufen.

Stadtkyll/Jünkerath. Eine Saison mit ordentlichen Besucherzahlen: Etwa 25 000 zahlende Gäste registrierte die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll im Freibad Stadtkyll, eine leichte Steigerung zum Vorjahr. Dennoch bleibt der Kummer um das sanierungsbedürftige, 40 Jahre alte VG-Bad: Kleinere Gebäude, weniger Wasserfläche - die derzeit diskutierten Konzepte verursachen Unmut.

Vor allem in Stadtkyll selbst, dem größten Tourismus-Ort in der Kommune. In einer Mischung aus Sorge und Ärger äußert sich zum Beispiel Ulrich Krämer, Vorsitzender der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) Stadtkyll: "Die Situation des Waldfreibads spiegelt die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte wider", sagt er.

Während bei der 40-Jahr-Feier im August auch der VG-Rat nur lückenhaft erschienen sei, stehe die DLRG, 400 Mitglieder stark, geschlossen hinter den Bemühungen, das Bad zu erhalten. Denn die auch sportlich erfolgreichen Lebensretter, mit etlichen Landesmeistern in ihren Reihen, sind dort oft vertreten: Sie bilden Schwimmer aus oder übernehmen die Aufsicht. "Und bei Veranstaltungen sind wir ein gerne gesehener Unterhaltungspunkt."

Wer höhere Besucherzahlen brauche, der müsse etwas tun. Krämer sieht die VG Arzfeld mit gutem Beispiel vorangehen: Dort können Firmen Kartenkontingente von 100 oder 50 Stück zum halben Preis für das Bad in Waxweiler kaufen und zum Beispiel an Kunden verschenken (der TV berichtete).

Wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region



"Das Freibad Stadtkyll steht schon einige Jahre an erster Stelle der Prioritätenliste hinsichtlich der Sanierung. Nur scheint das keine Bedeutung mehr zu haben, weil andere Projekte wie das Schwimmbad in Daun, die Sportplätze in Kelberg und Jünkerath aus nicht verständlichen Gründen vorgezogen werden", kritisiert Helmut Koch, für die FWG im Ortsgemeinderat. "Das Schwimmbad ist absolut ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Ferienregion." Man könne sogar mit Verkleinerungen leben, sagt Koch. Hauptsache, "dass so bald wie möglich mit den Sanierungsarbeiten begonnen wird".

Das Bad erhalten -"am liebsten in seiner jetzigen Form", dafür plädiert Ortsbürgermeister Harald Schmitz. "Ich bin überhaupt nicht dafür, die Gebäude abzureißen", sagt er und meint damit auch den Trakt mit dem ungenutzten Restaurant. "Wenn das Bad irgendwann wieder interessant ist, dann findet sich vielleicht auch wieder ein Pächter." Das Freibad sei vor 40 Jahren für 1,2 Millionen Mark (gut 600 000 Euro) "aus dem Nichts" gebaut worden - dass eine Verkleinerung nun mit 3,5 Millionen Euro das Sechsfache kosten soll, will ihm nicht einleuchten.

"Uns fehlt einfach die Information, um ein solides Urteil abgeben zu können", sagt Matthias Leuwer, zweiter Beigeordneter der Ortsgemeinde und Mitglied der Freien Bürgerliste (FBL). "Wir haben alle noch kein Konzept gesehen. Aber dass wir das Schwimmbad brauchen, ist ganz klar." Die Informationen, sagt VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz, sollen folgen. Dem Ortsgemeinderat wolle man die Konzepte vorlegen. Sie stellt allerdings auch klar, dass die Wasserfläche nicht so stark verkleinert werden soll, wie von vielen befürchtet. Das vom Haupt- und Finanzausschuss favorisierte der beiden vorgestellten Konzepte sehe eine Verringerung um etwa zehn bis 15 Prozent vor.

Stand der formalen Dinge: Der Förderantrag liege inzwischen bei Innen- und Finanzministerium. "Wir müssen jetzt abwarten, was die Ministerien sagen. Dann gehen wir weiter."

extra Was sich im Freibad ändern soll: Die beiden Konzepte zur Renovierung des VG-Freibads in Stadtkyll wurden bislang nur dem Haupt- und Finanzausschuss in nichtöffentlicher Sitzung vorgelegt. Bei beiden, sagt Bürgermeisterin Diane Schmitz, handle es sich "nur um eine Grobplanung". Einige Merkmale aus dem vom Ausschuss favorisierten Vorschlag: Das Nichtschwimmerbecken - derzeit liegt es höher als das Becken für Schwimmer und Springer - soll auf dessen Niveau gebracht werden. Neuer Standort: die Fläche hinter dem heutigen Eingang. Über einen Durchlass könnte man von einem Becken zum anderen gelangen. Die Schwimmer verlieren zwei von bisher sechs Bahnen, dafür soll das Becken für kleine Kinder größer werden. Abgebaut wird die freistehende Riesenrutsche, eine neue soll sich künftig vom angrenzenden Waldhang hinabschlängeln. An der Stelle des "umgesiedelten" Nichtschwimmerbeckens soll eine Fläche für Beach-Volleyball angelegt werden. Außerdem könnte im Wald eine Sauna untergebracht werden. (fpl)