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Menschen: Bäcker, Panzerfahrer, Buchprüfer - Bernhard Knies feiert seinen 100. Geburtstag - Das ist seine Geschichte

Menschen : Bäcker, Panzerfahrer, Buchprüfer - Bernhard Knies feiert seinen 100. Geburtstag - Das ist seine Geschichte

Bernhard Knies feiert am Donnerstag seinen 100. Geburtstag in Bitburg. Der gebürtige Westfale lebt seit 69 Jahren in der Eifel. Er war der einzige deutsche Finanzkontrolleur der US Air Force.

Januar 1920: Der Friedensvertrag von Versailles tritt in Kraft, vor dem Reichstag in Berlin wurden bei einem Blutbad von der Sicherheitspolizei – die Zahlen schwanken zwischen zwischen 20 und 45 – Menschen erschossen, die gegen das Betriebsrätegesetz demonstriert hatten, als erste Jazz-Schallplatte in Deutschland erscheint der Tiger Rag. Und Bernhard Knies wird im westfälischen Ort Geseke geboren. Heute wird der in Bitburg lebende Rentner 100 Jahre alt. „Das 20. Jahrhundert umfasst einen ganz ungewöhlichen Zeitraum mit vielen außerordentlichen Ereignissen“, schreibt er in seinen für die Familie festgehaltenen Erinnerungen. „Es wurde durch das arrogante, preußisch dominierte Kaiserreich, durch eine Inflation mit totaler Geldentwertung und von menschenverachtenden Diktatoren wie Hitler oder Stalin geprägt.“

Aber Knies hat auch Zeiten der Versöhnung erlebt. Er hat als einziger Deutscher mehrere Jahrzehnte  regelmäßig die Ausgaben der amerikanischen Luftwaffengeschwader, die in der Region stationiert waren, kontrolliert. Eine Karriere, die er sich in seiner Jugend überhaupt nicht hätte vorstellen können. Sein Vater schuftete in verschiedenen Steinbrüchen, bevor er eine Anstellung als Forstarbeiter fand. Seine Mutter starb 1929 mit 43 Jahren.

Mit 14 Jahren begann der Westfale eine Bäckerlehre. Im Anschluss arbeitete er als Bäckergeselle in Hemer (Nordrhein-Westfalen). „Obwohl ich wiederholt gefragt wurde, wurde ich nicht Mitglied der Hitlerjugend. Meine Ausrede: Meine wöchentliche Arbeitszeit von 100 Stunden“, sagt Knies im Gespräch mit dem Volksfreund. Um mehr Geld zu verdienen, verpflichtete er sich 1938 zum zweijährigen Militärdienst. „Meine schlaue Idee war ein Reinfall. Aus zwei Jahren wurden sieben Jahre und zwei Monate.“

Zuerst wurde Knies in einer Panzereinheit als Lkw-Fahrer ausgebildet. Doch oft verletzten sich Fahrer bei Manövern schwer, weil sich die transportierten Panzer aus der Verankerung losrissen und beispielsweise über ein Lkw-Führerhaus rollten. Deshalb wurde der Westfale zum Panzerfahrer umgeschult.

Bereits am 2. September 1939 fing für ihn mit dem Übertreten der polnischen Grenze der Zweite Weltkrieg als Soldat an. Er nahm mit seiner Panzereinheit an der Schlacht um Warschau teil. Im folgenden Frühjahr war Knies das erste Mal in der Eifel. Mit seiner Panzerdivision kämpfte er in Frankreich. Am 21. Juni 1941 lag Knies’ Einheit an der litauischen Grenze – einen Tag später befahl Adolf Hitler, die Sowjetunion anzugreifen. Nach Kämpfen bei Leningrad und Moskau bat Knies um eine neue Aufgabe. Er machte eine Ausbildung als Rechnungsführer und war anschließend für die Verpflegung der 150 Mann starken Kompanie verantwortlich: Eine Ausbildung, die ihm nach dem Krieg eine Karriere beim US-Militär öffnete.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte er in einem Militärlazarett in Erfurt (Thüringen). Nach seiner Ausbildung zum Russisch-Dolmetscher arbeitete er als Übersetzer in verschiedenen Kali-Werken. 1951 setzte Knies sich in den Westen ab: „Mir war klar, dass ich ohne SED-Parteibuch in der jungen DDR keine Arbeit bekommen würde.“

Wegen der Jobsuche kam Knies schließlich in die Eifel; zunächst als Lkw-Fahrer beim Bau des Flugplatzes in Spangdahlem. Ab 1952 fand er eine Anstellung als Rechnungsführer für eine französische Panzerkompanie in Trier. Zwölf Monate wechselte Knies als Buchhalter zur amerikanischen Luftwaffe – seine Abteilung kontrollierte die Ausgaben auf den Luftwaffenstützpunkten in Spangdahlem und Bitburg. „Das klappte wunderbar“, sagt Knies. 20 Jahre später der Ritterschlag: Knies wird vom American Institute of Internal Auditors zum Buchprüfer ernannt, als einziger Deutscher in der US-Air-Force-Prüfungsorganisation.

 Bernhard Knies. Foto: Alexander Schumitz
Bernhard Knies. Foto: Alexander Schumitz Foto: TV/ Alexander Schumitz/Alexander Schumitz
 Bernhard Knies
Bernhard Knies Foto: Archiv Bernhard Knies
 Bernhard Knies
Bernhard Knies Foto: Archiv Bernhard Knies
 Bernhard Knies
Bernhard Knies Foto: Archiv Bernhard Knies
 Bernhard Knies. Foto: Alexander Schumitz
Bernhard Knies. Foto: Alexander Schumitz Foto: TV/ Alexander Schumitz/Alexander Schumitz

„Erneut keine gute Entscheidung“, sagt Knies – jetzt aber schmunzelnd. „Es war mit viel Arbeit und wenig Zeit für die Familie verbunden.“ 35 Jahre nach seiner Entlassung aus dem US-Militär feiert Knies – „ich will nicht zu viel klagen“ – am Samstag im Dorfgemeinschaftshaus Masholder mit Freunden, Weggefährten, Kindern, Enkeln, Urenkeln und Ur-Urenkeln seinen 100. Geburtstag. Der Volksfreund gratuliert.