Bäume fällen im Wald: Ein gefährlicher Beruf

Wald : Bäume fällen im Wald: Ein gefährlicher Beruf

Etwa 145 000 Bäume werden im Jahr in der Region Bitburg abgeholzt. Keine leichte Aufgabe. Denn es ist jedes Mal aufs Neue gefährlich.

„Achtung!“ Drei Mal ertönt der Ruf langezogen im Wald, bevor die mächtige Eiche zuerst leicht schwankt und dann langsam und unter lautem Ächzen umkippt. Der 180 Jahre alte Riese liegt innerhalb weniger Sekunden am Boden, die Motorsägen verstummen. Umliegende Bäume, die beim Fallen der Eiche gestreift werden, schwanken leicht. Schnee rieselt von den federnden Ästen. Nach kurzer Zeit herrscht wieder Stille im Wald.

Das Gebiet rund um die Waldarbeiten ist weiträumig abgesperrt. Ein Banner ist über einem Weg zwischen zwei Bäumen gespannt. „Tut mir leid, zu Ihrer Sicherheit vorübergehend gesperrt“, steht darauf. So sollen Spaziergänger davon abgehalten werden, in den Wald zu laufen und in Gefahr zu geraten. Denn an verschiedenen Stellen im Wald laufen Fällarbeiten. Dabei darf niemand in der Nähe sein. Zuschauen geht nur mit genug Abstand. Es wird darauf geachtet, dass das Gebiet so abgegrenzt wird, dass kein Waldbesucher zu Schaden kommt. Das heißt aber auch, dass die Absperrung alle Wege eines Waldstücks, in dem die Ernte stattfindet, umfassen kann.

Die Männer, die im Wald arbeiten, sind an diesem kalten, verschneiten Tag kaum zu übersehen. Durch ihre farbige Kleidung – vor allem in rot und orange – werden sie sehr gut wahrgenommen. Ein wichtiger Aspekt der Sicherheit. Und noch etwas anderes trägt zur Sicherheit bei: Per Helmfunk halten die Waldarbeiter Kontakt zueinander.

Bevor ein Baum gefällt wird, geht dem Ganzen einiges an Planung voraus. Jeder Stamm wird vor der Ernte markiert. Die Auswahl geschieht nach den jeweiligen Kundenanforderungen, da in der Regel zuerst die Verträge mit den Holzkäufern gemacht werden und erst dann das Holz eingeschlagen wird – eine Ausnahme gibt es bei Holz, das durch Käfer oder Stürme beschädigt ist. Bei der Auswahl wird nach Pflegeeingriffen und Eingriffen im Zuge der Hiebsreife unterschieden. Letzteres ist der Fall, wenn die Bäume das Erntealter erreicht haben. Je dicker die Bäume und je fehlerfreier, das bedeutet ein möglichst astfreier Stamm, umso höher ist der Preis, den der Waldbesitzer erwarten kann. Dabei muss der Förster einschätzen, wann der ideale Erntezeitpunkt erreicht ist, da im Alter Risiken, zum Beispiel durch Fäule, den Wert des Baumes negativ beeinflussen können. Der Baum, der gefällt wird, wird in der Regel von Förstern ausgewählt. Burkhard Pickan, der Revierleiter des Forstreviers Bitburg-Land Süd, ist gewissermaßen ein „Architekt des Waldes“, wie Forstamtsleiter Jürgen Weis erklärt. Denn mit seiner Planung und durch die gezielte Baum­auswahl setze er die Waldpflege in Gang. Nachdem der Baum, der gefällt werden soll, ausgewählt wurde, wird er mit Farbe markiert.

Ist dies getan, wird alles genau vorbereitet. Thomas Zender und Robin Fiedler bearbeiten den Baum und kümmern sich darum, wohin sie zurückweichen, wenn der Baum kurze Zeit später kippt. Auf einem Pfad von fünf Metern werden Äste und Stöcke, die herumliegen und zu Stolperfallen werden können, entfernt – der Pfad wird frei geschlagen. Stolpern kann gefährlich sein. Schon bevor die Eiche zum letzten Mal bearbeitet wird, muss alles für die wenigen Sekunden danach vorbereitet sein. „Das ist eine supergefährliche Arbeit“, sagt Weis. Denn auch nachdem der Baum schon gefallen ist, können jederzeit tote Äste abfallen, junge Bäume können nachschwingen, wenn sie vom umfallenden Baum gestreift wurden.

Mit einer Axt wird der Baum präpariert. Die Arbeiter schlagen zuerst eine Fallkerbe in den Baum. Die Richtung wird ihm damit schon vorgegeben. „Jetzt bekommt der Baum den Herzschnitt“, sagt Weis, als die Motorsäge den Schnitt für ein Dreieck am Baum ansetzt. Das nimmt dem Baum die Spannung weg und Schäden am Holz werden somit vermieden. Ein Herzschnitt verringert außerdem die Gefahr, dass der Stamm aus seiner Mitte aufreißt.

Zwei Männer arbeiten bei Starkholz zusammen. Als Starkholz bezeichnet man Bäume mit einem Stammdurchmesser von 50 Zentimetern und mehr. Das ist so wichtig, da immer auch die Umgebung beobachtet werden muss. Sprich: Während einer mit der Axt oder Motorsäge den Baum bearbeitet, schaut der andere in die Krone des Baums. Denn jederzeit könnten tote Äste herunterfallen und die Männer verletzen. Denn wer schlägt oder sägt, kann nicht nach oben gucken. Dann fällt der 28 meter hohe Baum.

Über den Helmfunk wird der Rücker gerufen. Kurze Zeit später wird der Baum, der eben noch meterhoch in den Himmel ragte, an der großen Maschine befestigt und auf den Feldweg gerückt.

Dort wird er vom Käufer zusammen mit den Vertretern des Forstamtes abgenommen. Die Lagerdauer im Wald ist je nach Baumart, Wert und Verwendung unterschiedlich und hängt davon ab, wie schnell der Kunde das Holz für die Weiterverarbeitung braucht beziehungsweise mit welcher Frische es verarbeitet werden muss. Zu lange darf es nicht lagern, da das Holz durch Insekten oder Pilze in der Qualität gemindert wird.

Eine Sache, die Forstamtsmitarbeiter und Holzfäller ständig begleitet: Die Baumernte ist eine sogenannte Generationssache. „Schon so viele Waldmitarbeiter sind hier um die Bäume gelaufen und haben sie angeguckt“, weiß Burkhard Pickan. Wer heute im Wald arbeitet kann ihn also nicht einfach ausräumen. Denn auch die nächste Generation muss mit ihm arbeiten. Daher ist Nachhaltigkeit wichtig: „Wir tun viel für die jungen Eichen.“

Und im Wald gibt es neben Pflanzen und Tieren viele interessante Dinge zu entdecken, wissen die Mitarbeiter. „Hier liegen Keltengräber im Wald, die sind teilweise bis zu bis zu 2400 Jahre alt. Man sieht sie nur als Hügel, aber man muss darauf achten, nicht drüber zu fahren“, sagt Burkhard Pickan.

Das Wertholz, das an diesem Tag geerntet wird, wird für Fässer verwendet. Das Holz muss allerdings einige Bedingungen erfüllen. Bäume, die nicht den Voraussetzungen entsprechen und etwa verdreht gewachsen sind, Nägel oder Äste haben, sind ungeeignet.

„Man will ja den guten Wein im Fass lagern. Und der würde auslaufen, wenn Löcher von Ästen oder Beschädigungen im Holz sind“, sagt Weis und lacht.

Aber: Nicht der ganze Wald ist wertvoll. Denn nur 0,1 Prozent des Holzes in Rheinland-Pfalz ist Wertholz.

Das macht etwa zwei Prozent des Umsatzes. Daher seien Waldbesitzer momentan gut beraten, wenn sie ihr Holz loswerden, das zu Eichenfässern verarbeitet wird. Und generell gilt: bei Splitterverdacht das Holz verkaufen.

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