Baggern bis die Wände wackeln

Verkehr : Baggern bis die Wände wackeln

Das Land saniert die Hauptverkehrsadern von Kyllburg. Die Stadt muss keinen Cent zuzahlen. Allerdings wird die teure Erneuerung einer Mauer nötig. Denn die Straße, die das Bauwerk trägt, werden viele als Umleitung nutzen.

Der Annenberg ist ein schmales Gässchen. Zwei breite Autos passen hier nicht aneinander vorbei. Der Weg führt von der Kyllburger Marienstraße aus steil in die Höhe und schließlich nach Malberg. Einen Ausblick über die Stadt, die sich an die Hügel schmiegt, gibt es für Autofahrer inklusive. „Ein Traum von einer Straße“, schwärmt Bürgermeister Wolfgang Krämer. Doch der könnte sich für seine Gemeinde zu einem Alptraum entwickeln.

Denn die Sandsteinmauer, die die Straße hält, droht abzurutschen. Wer dieser Tage über den Gehweg spaziert, sieht wo die Reise hingeht: Der Bordstein biegt sich nach außen, ist an einigen Stellen weggebrochen. Der Stadtchef rechnet damit, dass die Mauer noch eineinhalb bis zwei Jahre standhält, bevor der Randstein und ein Teil des Asphalts absacken.

Jahrzehntelang hatte das Bauwerk den Verkehr getragen. Doch es wurden immer mehr Wagen, die hier hochbretterten. Und für so viel Verkehr war die Mauer nicht konstruiert worden. Zeit also, nachzuhelfen, sagt Krämer. Ob mit Stützmauern, Gabionen oder einer Aufböschung – das muss der Stadtrat bald entscheiden.

Klar ist für den Bürgermeister bereits: „Das wird ein teurer Spaß. Aber es ist eben kein Spaß, sondern notwendig.“ Er schätzt die Kosten auf mehrere Hundert Tausend Euro. Bald will die Stadt ein Ingenieurbüro beauftragen, eine Schätzung abzugeben. Die verschuldete Gemeinde wird auf Zuwendungen und einen Kredit angewiesen sein, sagt Krämer.

Aber die Sanierung kann nicht warten. Der Grund sind Bauarbeiten, die dieses Jahr in und um Kyllburg anstehen. Der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein (LBM) plant, im Frühling mit dem Ausbau der Landesstraße 34 zu beginnen. Die Fahrbahn, die unter den Bagger kommt, erstreckt sich auf mehr als einen Kilometer vom Malberger Ortsschild bis zum Kyllburger Bahnhof.

Die 750 Meter zwischen den beiden Gemeinden im  Bitburger Land haben es besonders nötig. Sie sind derart von Schlaglöchern zerfressen, dass der LBM sie komplett erneuern will. Aber auch die Malberger Straße und die Bahnhofstraße in Kyllburg, die ebenfalls auf der L 34 liegen, sollen abgefräst und asphaltiert werden.

Bezahlt wird der Ausbau der städtischen Hauptverkehrsadern aus Landesmitteln. Straßenplaner Thomas Schon schätzt die Kosten grob auf eine Million Euro. Detaillierte Auskünfte könne er aber erst geben, sagt er, wenn der LBM eine Firma beauftragt hat. Damit rechnet er in den nächsten Wochen, sodass die Arbeiten im März beginnen könnten. Wenn alles glatt läuft, fasst Bürgermeister Krämer zusammen, „dann haben wir die Ortsdurchfahrten Ende 2019 im Griff“ – und das zum Nulltarif für die Stadt.

Das Problem: Die Sanierung der Verbindungsstrecke zwischen Malberg und Kyllburg wird nur unter Sperrung möglich sein. Umgeleitet wird dann über St. Thomas und Neidenbach. Und das ist ein vergleichsweise weiter Weg, den sich viele Ortskundige sparen werden, befürchtet der Bürgermeister. Denn auch der Annenberg führt schnell nach Malberg. Er darf regulär zwar nur von Anliegern befahren werden, aber das werde viele, die sich auskennen, nicht schrecken, glaubt Krämer. Wenn dort aber während der Bauarbeiten wesentlich mehr Verkehr durchbrettert, werde dies die Sandsteinmauer belasten: „Die wird dann bald hin sein.“

In der kommenden Sitzung am 15. Januar werden sich die Kyllburger daher mit der Sanierung auseinandersetzen müssen.

Mehr von Volksfreund