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Bahn frei nach Bitburg

BITBURG. Die Bahnstrecke zwischen Erdorf und Bitburg erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die von der Stadt übernommenen Gleise werden von Güterzügen und zunehmend auch von Reiseveranstaltern genutzt. ARRAY(0x19a2cb6a0)

Von einem regelmäßigen Personenverkehr zwischen Erdorf und dem alten Bahnhof in Bitburg ist man noch weit entfernt. Und doch fahren zunehmend mehr Menschen mit der Eisenbahn bis an den Rand der Kernstadt. "Am Bahnsteig in der Stadt halten Züge mit Urlaubern des Eifelsterns", berichtet Stadtwerke-Chef Manfred Bohr. Er ist so etwas wie der oberste Bahnbeamte der Stadt, denn seit Mitte 2002 sind die Verkehrsbetriebe der Stadt, die zu den Stadtwerken gehören, Besitzer der 6,5 Kilometer langen Strecke. Normalerweise haben Städte und Gemeinden keine eigenen Bahnstrecken, sondern beschränken sich auf Parkhäuser, Schwimmbäder oder Kindergärten. In Bitburg sieht die Sache etwas anders aus. Die Bahn hatte im Jahr 1999 mitgeteilt, dass sie kein Interesse mehr an der Weiterführung des Betriebs der Strecke habe. Die Stilllegung und der Abbau der Schienen standen an. Die Stadt wollte dies aber nicht zulassen. "Der Stadtrat vertrat die Ansicht, dass der Bahnanschluss als Teil einer funktionierenden Infrastruktur erhalten bleiben soll", sagt Bohr. Innerhalb kurzer Zeit stellte man darauf hin ein Projekt auf die Beine, dass der Landesregierung in Mainz vorgestellt und dort für gut befunden wurde. Nach diesem Plan wurde die Bahnstrecke gekauft. Die Gleise im Bahnhofsbereich wurden so verlegt, dass zusätzliche Gewerbeflächen entstanden. Die nicht mehr benötigte Bahnbrücke über die Saarstraße wurde zudem abgerissen. Außerdem sollte ein Bahnübergang entstehen, um so eine neue Verbindung zwischen Saarstraße und Südring zu schaffen. Das wurde noch nicht verwirklicht.Ungeachtet der monatelangen Querelen um die Genehmigung des Bahnübergangs (der TV berichtete) zog Alltag ein auf der Strecke, die früher einmal über Wolsfeld und Irrel bis nach Igel bei Trier befahrbar war. Rund 263 000 Euro musste die Stadt für den Schienenstrang zwischen dem Stadtteil und dem Zentrum an die Deutsche Bahn zahlen.Gleise stehen jedem offen

Viel weniger kostet die Benutzung der Gleisstrecke, die im Grunde genommen jedem offen steht, der eine Lok sein eigen nennt. "Pro Kilometer verlangen wir 2,19 Euro plus Mehrwertsteuer", sagt Manfred Bohr. Das macht für einen Abstecher aus dem Kylltal in die Bierstadt und zurück rund 30 Euro Gebühr. Angesichts dieser Summe ist es kein Wunder, "dass die Strecke für uns ein Zuschussgeschäft ist und wohl auch immer bleiben wird", sagt der Stadtwerkechef. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Schienen nicht nur vom normalerweise wöchentlich verkehrenden Güterzug in Anspruch werden. "Im Zuge der Arbeiten nach der Übernahme der Strecke wurde auch ein Bahnsteig im Bereich des Bahnhofs Bitburg gebaut", sagt der oberste Eisenbahner Bitburgs. Der wurde zum Beispiel unlängst von Eishockey-Fans genutzt, die ihr Team beim Spiel in der Eishalle unterstützten. Auch Hotelgäste werden mit Sonderzügen bis nach Bitburg kutschiert. Reiseveranstalter nutzen inzwischen nahezu regelmäßig die Möglichkeit, Gäste des Hotels Eifelstern bis in die Stadt zu bringen. Am finanziellen Untergang der Stadt schuld sein wird die Bahnstrecke trotz jährlichem Defizit sicher nicht. "Ich glaube nicht, dass in den kommenden 15 Jahren größere Unterhaltungsarbeiten anstehen", sagt Bohr. Bis dahin wird sich vermutlich auch gezeigt haben, ob die derzeit gekappte Verbindung zum Flugplatz wieder an die Strecke ins Kylltal angeschlossen wird. Ein Gutachter hatte schon vor Jahren gesagt, dass es Interessierte für einen Bahnanschluss auf dem Gelände der ehemaligen Air-Base gibt. Doch rechtfertigte es bisher noch keine Reaktivierung der Gleise, die zum Teil völlig neu verlegt werden müssten.