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Bahnbrücke Philippsheim: Ein ungewolltes Geschenk

Dorfgeschehen : Bahnbrücke Philippsheim: Ein ungewolltes Geschenk

Die Brücke zum Philippsheimer Bahnhof gehört seit der Eisenbahnreform in den 1990er-Jahren der Gemeinde. Bald muss das Bauwerk für rund 400 000 Euro saniert werden.  Doch die Dorfkasse ist leer. Der Ortsbürgermeister hofft jetzt auf Zuschüsse.

Moos wuchert auf dem Gehweg. Ein grüner Teppich hat sich in den Löchern und Spalten gebildet, die Reifen in den Asphalt gerissen haben. An einigen Stellen ist der Bordstein weggebrochen.

Die Brücke, die sich in Philippsheim über die Gleise spannt, hat seit ihrer Errichtung in den 1960er-Jahren viel mitgemacht. Der Oberbau des Bauwerks ist rissig und damit durchlässig für Feuchtigkeit. Langsam aber sicher frisst sich der Regen bis zu dem Drahtgerüst durch, das die Überführung stützt.

 Die Brücke ist als nächstes dran.
Die Brücke ist als nächstes dran. Foto: TV/Christian Altmayer

In den nächsten Jahren sollte sie daher saniert werden, sagt Ortsbürgermeister Klaus Aubart. Etwa 400 000 Euro werden benötigt, um den Straßenbelag und den Bürgersteig abzutragen, zu isolieren und zu erneuern, sowie neue Geländer anzuschaffen.

Die Kosten für die Renovierungsarbeiten muss die Gemeinde tragen. Jahre zuvor gehörte die Brücke zwar noch der Deutschen Bahn.

Doch das änderte sich 1996 durch die Eisenbahnreform. Die sollte den wirtschaftlichen Niedergang des kommunalen Unternehmens aufhalten. Eines der Grundprinzipien der Reform hieß „Regionalisierung“. Gemeint war die Übertragung von Bundeseigentum an die Länder, die dann ihrerseits finanzielle Verantwortung an Kommunen abgaben. Ehemalige Bauwerke der Bahn, die sich innerhalb von Orten befinden, liegen seitdem in der Trägerschaft der Gemeinden.

Und darüber ist Ortsbürgermeister Aubart alles andere als froh: „Wir haben nicht um diese Brücke gebeten.“ Die Sanierung stelle den 100-Seelen-Ort in der Verbandsgemeinde (VG) Speicher nämlich vor große Herausforderungen, sagt der Dorfchef. Denn die Kassen sind leer. Alleine sei die Renovierung des Bauwerks daher nicht zu stemmen. Helfen könnte allerdings das Innenministerium des Landes.

Die Verwaltung der VG Speicher hat das Projekt für den sogenannten Investitionsstock angemeldet. Aus diesem Topf fördert das Land Projekte in strukturschwachen Kommunen. Meist decken die Zuschüsse rund 60 Prozent der Kosten. Für die Philppsheimer bliebe dann noch ein Eigenanteil von rund 160 000 Euro.

Die Chancen, dass das Geld noch dieses Jahr fließt, sind gut. Auf der Prioritätenliste der Vorhaben rund um Speicher steht die Brückensanierung ganz oben. Das letzte Wort hat aber das Innenministerium. Deshalb steht auch der Baubeginn noch nicht fest. „Sobald der Zuschuss da ist, legen wir los“, sagt Aubart. Dauern werde die Sanierung zwischen drei und sechs Monaten, schätzt der Dorfchef. Fußgänger sollen die Gleise während dieser Zeit über eine Behelfsüberführung überqueren können.

Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wartet auf die Philippsheimer aber schon die nächste Baustelle – und zwar nur wenige Meter entfernt. Die Brücke, die sich nahe des Bahnhofs in Bögen über die Kyll spannt, ist ebenfalls marode. „Hier gibt es das selbe Problem wie bei der Bahnbrücke“, erklärt Aubart. Und viel weniger werde die Sanierung des Sandsteinbauwerks auch nicht kosten.

Weil der Fluss aber sowohl zu Röhl als auch zu Philippsheim gehört, muss sich an den anfallenden Arbeiten auch die Nachbargemeinde beteiligen. „Wir werden die Kosten gerecht aufteilen“, sagt der Dorfchef.