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Bahnhof Jünkerath: Frisch gebaut, frisch versaut - Mehrfache Sachbeschädigung von ganz rechts

Bahnhof Jünkerath: Frisch gebaut, frisch versaut - Mehrfache Sachbeschädigung von ganz rechts

Seit genau eineinhalb Jahren laufen die Umbauten am Bahnhof Jünkerath, der Abschluss kommt in Sicht. Aber kaum sind die ersten Wände verputzt, haben Unbekannte sie bereits besprüht. Auch mit Hakenkreuzen.

Jünkerath. Das lief alles so gut bisher: Seit Juni vorigen Jahres lässt die Bahn die Jünkerather Station erneuern, am Ende wird der Umbau sieben Millionen Euro gekostet haben, beteiligt daran sind auch Land und Ortsgemeinde. Lange hatte man in Jünkerath auf den Beginn gewartet, im März 2014 unterschrieben die Beteiligten den Vertrag, jetzt hofft alles auf den Abschluss der Arbeiten.

Die sich ein wenig länger ziehen werden als vorgesehen - allerdings "nicht gravierend", sagt Ortsbürgermeister Rainer Helfen. Das liege an unvorhergesehenen Dingen in der Erde, darunter alte Fundamente, die zuerst ausgebaut werden mussten. Und zwischen Bahnhofstraße und Station wurde der Boden noch einmal auf Standfestigkeit untersucht, er soll nun teils ausgetauscht werden.Schmutz im frischen Putz


Bereits fertig: die Bahnsteige, Gleisanlagen - und die neue Unterführung. In dem frischen Putz des Durchgangs und des Aufstiegs zum Bahnsteig hinein haben aber Unbekannte nun wieder ihre schmutzigen Spuren hinterlassen: Aufgesprühte Botschaften, darunter die Bezeichnung "Hardcore Hools", mit zwei Hakenreuzen und gezacktem "S" wie in der SS-Rune. Auf dem Bahnsteig steht nun "Sieg Heil" an einem Mülleimer, auch der Fahrkartenautomat ist besprüht. Und in der Unterführung, über dem Schriftzug "Acid Wars Schuld" droht ein Pacman-Gesicht (aus dem Computerspiel) einen Davidstern zu fressen. Nazikram also, ein Fall für den Staatsschutz.

Gerade erst, sagt Gemeindechef Helfen, sei alles gemacht gewesen - "und dann ist alles versaut. Das ist schon die dritte Sachbeschädigung seit dem Neubau." Bei einem der beiden anderen Vorfälle, ebenfalls Farbgeschmiere (aber ohne rechtsradikalen Hintergrund), hat die Polizei die Verantwortlichen ermittelt - es handelt sich um Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren aus Jünkerath und Umgebung. Im zweiten Fall werden die Täter noch gesucht."Keine Jungenstreiche"


Die aktuellen Schmierereien aber, sagt Rainer Helfen, "sind keine Jungenstreiche mehr". Was den Bürgermeister aber ebenfalls auf die Palme bringt: Im Vertrag mit der Bahn, sagt Helfen, sei eine Video-Überwachung vereinbart worden, für die man sich die Kosten - 60 000 Euro - geteilt hätte: Auf die Gemeinde wären davon 45 000 Euro entfallen, die Bahn hätte 15 000 gezahlt und Unterhaltung und Wartung übernommen.
Noch aber ist nichts installiert. Und anscheinend auch nicht mehr geplant: "Die Bahn ziert sich auf allen Ebenen, diese Anlage einzubauen", sagt Rainer Helfen.

Bisher habe man bei allen Fragen eine gemeinsame Lösung finden können. Jetzt aber scheine sich die Politik der Konzernspitze geändert zu haben - auf der Liste der Bahnhöfe mit Videoüberwachung sei Jünkerath nicht mehr dabei. Dabei gebe es Empfehlungen von Bundes- und Landespolizei, die eine solche Anlage für sinnvoll halten.
Was tun? Rainer Helfen überlegt nun, den Vertrag rechtlich prüfen zu lassen. Davon abgesehen bestehe die Ortsgemeinde auf der Erfüllung der vereinbarten Arbeiten inkusive Videoinstallation. Zumal die Jünkerather noch ein Argument in petto haben: Denn vor dem Abriss gab es eine weitere Abmachung. Die Gemeinde hatte gewünscht, die historischen Dächer über den Bahnsteigen zu erhalten. Das aber hätte den Kostenrahmen für beide Partner gesprengt. "Wir haben dann zugunsten der Videoüberwachung auf die kostenintensive Sanierung verzichtet."

Immerhin, eine gute Nachricht hat Rainer Helfen doch: Mitte Dezember soll der Aufzug zu den Gleisen 1 und 2 in Betrieb gehen. Und Ende Dezember oder Anfang Januar dürften alle Arbeiten erledigt sein. Danach wird die Gemeinde die neue Park- & Ride-Anlage in Angriff nehmen.
Eine Stellungnahme der Bahn zum Thema Videoüberwachung ist angefragt, liegt aber noch nicht vor.Meinung

 Hassbotschaft mit Hakenkreuzen im Aufgang zum Gleis.
Hassbotschaft mit Hakenkreuzen im Aufgang zum Gleis. Foto: (e_pruem )

Geförderte Dummheit
Bei manchen Menschen nützt die beste Bildung nichts: Ab einem bestimmten Punkt bleiben sie blöd, und zwar gern. Zumal solches Verhalten derzeit von allerlei politischen Pyromanen kräftig gefördert wird. Da kann man nur noch versuchen, sie an ihren Taten zu hindern - oder sie dafür zu bestrafen. Und ja, Kameras könnten, im Fall Jünkerath, dabei helfen. Warum die Bahn da nicht mitmacht, obwohl doch vertraglich festgelegt - eines der vielen Rätsel um das Unternehmen. Und: blöd. f.linden@volksfreund.de