Bahnhof, Musikkapelle, Goldener Stern

PRÜM. Bahnhöfe sind bekannterweise markante Gebäude. Das gilt auch für so stolze Bauten wie die Bahnhöfe in Prüm, Waxweiler oder Arzfeld. Heute dienen sie – soweit erhalten – vielerlei Zwecken. Der Prümer Bahnhof erzählt von seiner Einweihung im Jahre 1883.

 Im Jahr 1880 erbaut: Der Prümer Bahnhof hat eine 126-jährige Geschichte und ist bis heute ein markanter Bau im Bild der Stadt. TV-Foto: Joachim Schröder

Im Jahr 1880 erbaut: Der Prümer Bahnhof hat eine 126-jährige Geschichte und ist bis heute ein markanter Bau im Bild der Stadt. TV-Foto: Joachim Schröder

Die Bauarbeiten an der Eisenbahnstrecke Gerolstein-Prüm begannen im Januar 1882. Nach fast zweijähriger Bauzeit war die Strecke im Dezember 1883 fertiggestellt, so dass die Abnahme durch die Königliche Bezirksregierung in Trier erfolgen konnte. Die offizielle Eröffnung fand an Weihnachten statt. Aus militärischen Gründen war der Bahndamm mit zwei Gleisen ausgestattet. Die Verlängerung der Strecke von Prüm über Pronsfeld nach Bleialf erfolgte 1884, am 26. September 1886 war die landespolizeiliche Prüfung.Neue Bahnstrecke fast 60 Kilometer lang

Nach ihrer Vollendung hatte die gesamte Strecke von Gerolstein nach St. Vith eine Länge von 59,08 Kilometer. Nicht immer verliefen die Bauarbeiten ungestört: Vielfach protestierten Bauern sehr heftig gegen den vorgeschriebenen Umbau ihrer strohgedeckten Dächer in einer so genannten "Feuerzone". Die Strohdächer sollten durch Ziegeldächer ersetzt werden. Eine Quelle berichtet, dass das Dorf Büdesheim gleich nach dem Ausbau der Gleise fast völlig ausgebrannt ist. Also schrieb die Behörde in der "Feuerzone" entlang der Strecke Ziegeldächer vor. Einige Eifeler "Dickköpfe" widersetzten sich der Anordnung, so dass neben dem Landrat von Dewitz auch Regierungspräsident von Nase aus Trier eingeschaltet werden musste. In einem speziellen Fall wurde eine Umdeckung sogar zwangsweise unter Polizeischutz vorgenommen - der "Ackerer" in einem kleinen Prümtaldorf wehrte sich bis zum Schluss gegen die Maßnahme - letztlich vergebens. Doch überall herrschte in der Westeifel wegen der Erschließung des Landes und des Anschlusses an das "große Eisenbahnnetz" eitel Freude. Besonders die Eröffnung der Bahnhöfe bot Anlass für Feste und Feiern. Über die Einweihung des Prümer Bahnhofs am 17. Dezember 1883 berichtete in großen Lettern die "Trierer Zeitung". Der Bahnhof und das Hotel "Goldener Stern" wurden festlich geschmückt. Der Zug startete in Gerolstein mit vielen Ehrengästen, darunter "hohe Herren aus Cöln und Saarbrücken sowie der Landrat von Malmedy". An der Strecke nach Prüm erklang überall Musik, "ein freudiges Hurra" und Böllerschüsse erschallten. Leider gab es auch einen schweren Unfall: In Willwerath wurde ein Eisenbahner durch einen Böller schwer verletzt. In Willwerath prangte ein großes Schild mit der Aufschrift am Bahnhof: "Dank unserem hochverehrten Kaiser für die Zweigbahn, seine Fürsorge für die Eifel, Gott erhalte ihn noch viele Jahre, das Deutsche Reich zu regieren. Wilhelm I., er lebe hoch!" Um 13 Uhr traf der Zug im festlich geschmückten Prümer Bahnhof ein. Die "Trierer Zeitung" berichtet wie folgt: "Nun war man also in Prüm, besichtigte den Bahnhof und zog in Begleitung einer großen Volksmenge zum Hotel Goldener Stern und dort zum Festdiner im neuen großen Saal." Von 14 bis 18 Uhr dauerte das Festessen, wie überliefert ist. Dann zog man wieder "unter Vortritt der Freiwilligen Feuerwehr mit Fackeln und Militärmusik über den bengalisch beleuchteten Hahnplatz zum Bahnhof"", so die Zeitung. Nach 1919 fielen die Eifelkreise Eupen und Malmedy an Belgien. Erst 1930 erhielt Iren einen neuen Grenzbahnhof. Beim Bau des Westwalls 1938-39 war die Strecke Gerolstein - Bleialf - Grenze ein wichtiger Zubringer für Material zum Bunkerbau. Beim Rückzug der deutschen Truppen am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Anlagen erheblich zerstört. doch schon 1946 konnte der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden. Am 27. September 1980 kam das endgültige Aus für die Westeifel-Bahn. Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, den Namen eines Hauses oder einer Straße erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Dorfgeschichten" mit Namen, Adresse und Telefonnummer an die E-Mail-Adresse eifel@volksfreund.de. Wichtig ist, dass Ihre Geschichte höchstens 2000 Anschläge umfasst.